Donnerstag 17. Mai 2012

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Arbeitswelt
tags: Frauen | Quote

Quotenfrau in der Männerwirtschaft

Immer wieder, nicht selten im Vorfeld von Wahlen, geistert mittlerweile seit Jahrzehnten das Wort „Quotenfrau“ durch den (öffentlichen) Diskurs. Zumeist wird es da in diskreditierender Weise missbraucht, um eine Kontrahentin zu marginalisieren und ihre fachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten in Frage zu stellen: Ihr biologisches Geschlecht sei quasi ihre einzige Legitimation. Ein derartiges Nicht- Argument ist sachlich kaum zu widerlegen, aber das macht es so perfide und damit leider auch beliebt für politisches Geplänkel der unteren Schubladen.


Dabei wären gesetzlich verankerte Quotenregelungen, im Zusammenspiel mit anderen Förderungsmaßnahmen, eine große Chance. Quoten sind nichts anderes als politische Instrumente, um bestehende ungleiche Verteilung (Macht, Bildung, Geld,…) im Sinne einer zu korrigierenden Schieflage zu regeln. Ziel der Quotenregelungen ist es, Repräsentation sowie Teilnahme und – habe proportional zu den realen demografischen Gegebenheiten zu gestalten. Quotenforderungen sind daher vor allem im Paradigma der Gleichheit der Geschlechter angesiedelt, spielen aber auch in der Integration von Minderheiten eine Rolle (hier v.a. im Arbeits- und Beschäftigungsrecht). Eben weil sie, was auf den ersten Blick manchen paradox erscheint, letztlich der Demokratisierung des gemeinsamen Lebens dienen.

An der Ausbildung kann es nicht liegen…


Das aussagekräftige Schlagwort der „gläsernen Decke“ ist nach Jahrzehnten leider noch immer nicht verbraucht, enttäuschender Weise hat es kaum an Aktualität eingebüßt. Leitende und besser bezahlte Positionen in der Wirtschaft werden in Österreich 2008 fast ausschließlich von Männern eingenommen. Auch prestigereiche, höhere Stellen in Politik, Kultur und Wissenschaft werden kaum von Frauen besetzt.

Die AK untersuchte beispielsweise den Anteil von Frauen in Führungspositionen der Top 200 österreichischen Unternehmen anhand des Firmenbuchs (Stand Februar 2008)1. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt bei 4,6 %. In den Aufsichtsräten entfallen 9 % der Mandate auf Frauen.

Dass Österreich mit dieser mickrigen Frauenquote im europäischen Durchschnitt liegt, ist freilich kein Trost, sondern vielmehr beschämendes Beispiel für die Selbstverleugnung der so genannten westlichen Demokratie.

Lange wurde damit argumentiert, dass Frauen schlechter ausgebildet seien als Männer. Das stimmt nicht mit den heutigen Gegebenheiten überein: Es gibt mehr Maturantinnen als Maturanten und mehr als die Hälfte der Wirtschafts- oder JUS- AbsolventInnen sind Frauen. An der Ausbildung kann es also nicht liegen.

Es drängt sich schlichtweg der Verdacht auf, dass die Jahrhunderte lang gerierten, ungerechten Geschlechterbilder derart verwurzelt sind, dass sie von vielen weiterhin als „natürliche“ soziale Realität anerkannt werden. Ohne die konkrete staatliche Förderung und ohne rechtliche Verankerung wird eine der demografischen Wirklichkeit entsprechende Repräsentanz der (knapp) größeren, weiblichen Bevölkerungshälfte daher auch längerfristig nicht zu erreichen sein.

In einigen europäischen Staaten wurden bereits Schritte in diese Richtung gesetzt, beispielsweise mit der Einführung einer gesetzlich festgelegten Frauenquote in Aufsichtsräten. Zuletzt wurde die Quote im Wirtschaftssektor auch in Österreich kurz andiskutiert, verschwand jedoch relativ schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Diese konzentriert sich, wahlkampfbedingt, vor allem auf die 90%ig männliche Politelite.

Quotenfrau und Männerwirtschaft: Rollenbilder der Politik?

Im Politikbetrieb (Parteien, Vereinen,…) basieren Frauenquoten weniger auf gesetzlicher Verankerung, sondern auf Auflagen, die sich die entsprechenden politischen Gruppierungen selbst verordnen.

Die SPÖ war die erste österreichische Partei, die sich zu einer Frauenquote entschloss. Ein Blick auf die Bundesliste zeigt, dass bei den NRW 08 die Spitzenmandate gemäß dem Reißverschlussprinzip besetzt wurden und damit eine Ausgewogenheit der Geschlechter garantiert ist. Auch die meisten Bundesländer erreichen die statutarisch verankerte, „anzustrebende“ Marke von 40 % bzw. überschreiten diese leicht.

Die steirischen GenossInnen verfügen mit Heidrun Silhavy über eine Spitzenkandidatin und mit 53 % über die höchste Frauenquote. Die Heimat des Kanzlerkandidaten verfügt mit 48,5 % über die zweithöchste Quote, die Liste entspricht dem Reißverschlussprinzip. In Oberösterreich sind 47 % der Mandate in weiblicher Hand - die führenden Listenplätze 1, 2 und 3 werden von Frauen besetzt. Im westlichsten Bundesland werden 7 von 16 Listenplätzen von Frauen besetzt, die höchstgereihte steht auf Platz 2.

In Salzburg finden sich die beiden Kandidatinnen auf den Listenplätzen 3 und 5 und auch in Kärnten werden von 5 roten Listenplätzen diesmal 2 an Frauen vergeben (Plätze 3 und 5). Auf der niederösterreichischen Liste werden nur rund 28% der Listenplätze von Kandidatinnen besetzt, die Landesliste wird von einer Frau angeführt. Tirols Liste (5 Plätze) verfügt über eine einzige Kandidatin, auch diese steht an 1. Stelle.

Keine Frau an wählbarer Stelle: Bohnensterz- Machismo anno 2008?

Ernüchterung im Burgenland: Die höchstgereihte Kandidatin, Dr.in Gabriele Nabinger, findet sich hier auf Platz 9 (von 14). Mit 35 % Frauenanteil peilt die Liste prozentuell zwar die 40er- Marke an. Allein: Es findet sich keine einzige Frau an wählbarer Stelle. Die Praxis des Reißverschlussprinzips kommt nicht zum Einsatz.

Das Versagen einer „Quotenregelung der ungefähren Richtwerte“ lässt sich anhand dieser Liste exemplarisch darstellen. Ich bin überzeugt: Quotenregelung ist ein adäquates Steuerungsinstrument. Dazu müssen aber gewisse Kriterien festgeschrieben werden - vor allem, welche Sanktionen eine Missachtung nach sich zieht.

Rund 52 % aller WählerInnen sind weiblich. Mädchen sind inzwischen durchschnittlich besser ausgebildet als Burschen - mittelfristig werden immer mehr Frauen Meinungsbildnerinnen sein. Errungenschaften für die Emanzipation der Frau in Österreich wurden vor allem durch die Sozialdemokratie umgesetzt. Wenn die SPÖ also klug ist, treibt sie den Ausbau eines gleichberechtigten Miteinanders weiter voran.

Gesellschaftlicher und sozialer Fortschritt sind untrennbar mit Verteilungsgerechtigkeit und Chancengleichheit verbunden. Konsequenz auf diesem Weg, auch wenn sie manchmal anstrengt, zahlt sich daher aus.

Und: Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Diesen Punkt gilt es zu erreichen.

Lisa Sinowatz

Trotzdem September 2008

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