Mädchen und Schule
Wir verbringen mindestens neun Jahre unseres Lebens in der Schule. Zählen wir weitere Ausbildungen hinzu, besuchen viele die Schule sogar 12 oder 13 Jahre lang. Das heißt, die Schule ist ein sehr wesentlicher, wenn nicht der wichtigste Lebensbereich junger Menschen. Dementsprechend beeinflusst die Schule auch maßgeblich unser Sozialverhalten.
In Österreich gibt es seit 1972 " koedukativen " Unterricht, das heißt, Mädchen und Burschen werden seither gemeinsam unterrichtet. Die bis dahin bestehende Geschlechtertrennung in öffentlichen Schulen wurde somit aufgehoben. Die Einführung der Koedukation war mit der Hoffnung verbunden alte Geschlechterrollen und Klischees im Umgang zwischen Frauen und Männern aufzuweichen, geschlechtstypischen Ausbildungsentscheidungen entgegenzuwirken und damit letztlich die geschlechterspezifische Arbeitsmarktteilung zu überwinden.
Geschichte der Koedukation
| Bildungspolitik wurde stets nicht nur für, sondern auch gegen jemanden gemacht, und stets sollte sie einen Überlegenheitsanspruch der einen über die anderen abstützen und legitimieren. Wie die Bildungsinhalte beschaffen sind, für wen welche Bildungsinhalte angemessen erscheinen und wer von welchem Wissen in welchen Sichtweisen abgeschirmt wird, ergibt sich aus den im Bildungssystem herrschenden Machtverhältnissen und Interessen. (Fischer-Kowalski, Seidl u.a. 1986, S.1)
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Die durch Maria Theresia (Ende 18.Jh) abgesicherte Elementarbildung war für Mädchen und Buben verpflichtend, allerdings mit unterschiedlichen Lehrplänen. Buben sollten dazu erzogen werden, später zu arbeiten, die Welt zu erforschen und Geschichte zu machen, das Ziel der Mädchenerziehung war, sie zu guten Müttern und Hausfrauen zu machen:
| Das Mädchen indes soll der Regel nach seine ganze Jugendzeit bis dahin, wo ein Mann es zu seiner Lebensgefährtin wählt, im Schoße der Familie verweilen. Es braucht die Klugheit der Welt nicht, weil seine Bestimmung die Welt nicht ist, sondern das Haus und die Liebe des Mannes. (Hillebrand 1818, S.232)
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Obwohl Geschlechtertrennung im Unterricht seitens der Gesetzgebung gewünscht war, gab es durchaus auch koedukativen Unterricht, der allerdings durch ökonomische Überlegungen bestimmt war, und wo die Kommunikation zwischen Mädchen und Buben „weitgehend unterbunden werden sollte“. Gegen Ende des 19.Jh. wurde allerdings die Geschlechtertrennung so weit vorangetrieben, dass nur noch ein Bruchteil der Schulen gemischten Unterricht durchführte:
| Soll die männliche Jungmannschaft zwischen dem 14. und 21. Lebensjahr wirklich gezwungen sein, im Bannkreis der stets spürbaren „Menstruationswellen“ geistige Mannesarbeit zu verrichten? An der Tatsache, dass es männliche Naturen gibt, deren Geruchsnerven sie in diesem Falle an ernsthafter Konzentration hindern, ist nicht zu zweifeln! (Haase, in Eberhard 1930, S.551)
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| Die nächste, aber auch nie höchste Aufgabe der Unterrichtsverwaltung auf dem Gebiet der Frauenbildung muss immer bleiben: Die Frau zur Erzieherin ihrer eigenen Kinder zu erziehen. (Unterrichtsminister v. Gautsch 1891)
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In Folge wurden zur „Pflege weiblicher Tugenden“ zahlreiche Mädchenlyzeen eingerichtet. Sie berechtigten aber nicht zum Besuch einer Universität. Mädchen durften zwar die Reifeprüfung unter denselben Bedingungen wie männliche Kandidaten ablegen – mit dem einzigen Unterschied, dass diese die Mädchen nicht zum Besuch einer Universität berechtigte. Dieses Recht wurde Frauen erst um die Jahrhundertwende zugestanden.
Nach dem Ersten Weltkrieg gestattete der sozialdemokratische Staatssekretär Otto Glöckel die Zulassung von Mädchen als ordentliche Schülerinnen an Knabenmittelschulen. Während des Austrofaschismus und Nationalsozialismus gab es für das Mädchenschulwesen allerdings wieder einschneidende Veränderungen:
Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein.
SPÖ und ÖVP einigten sich schließlich in Bezug auf die Koedukationsfrage auf den Kompromiss, dass der getrennt geschlechtlichen Erziehung dort, „wo es die Umstände erlauben“, der Vorzug gegeben werden solle, „frauenspezifische“ Bildungsgänge blieben bestehen.
Erst 1975 wurde die gesetzlich verankerte Geschlechtertrennung an öffentlichen Schulen schließlich aufgehoben. Anschließende SchOG-Novellen versuchten, die formale Gleichstellung zwischen Mädchen und Buben weiter auszubauen.
Koedukation heute
Mit der Forderung nach Koedukation war die Hoffnung verbunden, dass Geschlechterrollenklischees vermindert und ein gleichberechtigter, herrschaftsfreier Umgang zwischen den Geschlechtern entstehen würden, traditionell männliche Bildungseinrichtungen sollten für Frauen geöffnet und in Folge die geschlechtsspezifische Aufteilung des Arbeitsmarktes überwunden werden. Frauen sollten auf diesem Weg ein größeres Maß an Einfluss und Teilhabe an Macht erhalten. Diese Hoffnungen konnten allerdings trotz über 25 Jahren Koedukationspraxis nicht oder nur sehr teilweise eingelöst werden.
Die formale Gleichstellung und Wahlfreiheit der Frauen führte also nicht zu einer Aufhebung der geschlechtsspezifischen Ausbildungsgänge, sondern lässt sie nur in einem anderen Licht erscheinen. War den Mädchen früher der Weg in traditionell männliche Bereiche versperrt, so erscheint ihre Absenz nun als „freiwillige Entscheidung“. So lange Männer an der Macht sind, ist die Tatsache, dass ihr System den Frauen offen steht, nichts weiter als kosmetische Chirurgie.
| Geschlechtsspezifische Bildungswahl: Der Anteil der Mädchen bei den AHS-MaturantInnen beträgt 55%, je stärker aber der Schultyp in Richtung Berufsausbildung tendiert, desto deutlicher zeigt sich eine Geschlechtertrennung: Schulen mit hauswirtschaftlichem Schwerpunkt: 98% Mädchen Höhere technische Lehranstalten: 93% Buben |
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Bildungswesen sind also formal nicht vorhanden, in der Realität jedoch nicht zu übersehen. Dementsprechend scharf ist auch die Kritik, die der Art der Ein- und Durchführung der Koedukation entgegengebracht wird:
| Keine Bildungsreform hat so viele Schülerinnen und Schüler betroffen und keine wurde so wenig evaluiert. Als die Koedukation in österreichischen Schulen eingeführt wurde, beschränkte man sich häufig auf das Problem, ob es genug Toiletten gebe. (Salomon 1991, S.557)
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Die feministische Kritik meint, Koedukation bedeute de facto nicht das gleichberechtigte Nebeneinander von SchülerInnen, sie diene vielmehr der Einübung in die Geschlechterhierarchie und verstärke rollentypische Verhaltensweisen und Eigenschaften. Koedukation zur Gänze abzuschaffen löse allerdings keine Probleme, sondern sei langfristig gesehen ein Rückschritt. Vielmehr wird heute für „reflexive Koedukation“ plädiert: Vor allem Lehrende sollten verstärkt darauf achten, nicht in - oft unbewusste - Rollenklischees zu verfallen.
Geschichtliche Entwicklung:
Durch die Entwicklungen in der Zweiten Republik war es die in den 60er Jahren einsetzende Bildungsexpansion, die breiten Bevölkerungsschichten den Zugang zum Bildungswesen eröffnete und so einen nachhaltigen Strukturwandel einleitete. Hatten 1961 erst 5% der Bevölkerung eine über der Schulpflicht hinausgehende höhere Schulbildung und 2% einen weiterführenden Abschluss erworben, so beliefen sich diese Anteile 40 Jahre später auf 15% bzw. 7%.
Während sich die Quoten insgesamt also verdreifachten, ergab sich für Frauen in Bezug auf höhere Bildung eine Vervierfachung (2000: 15%) bzw. in Bezug auf tertiäre Bildung eine Verzehnfachung (2000: 6%) - die allerdings in erheblichem Ausmaß den Ausbau des nicht-universitären Tertiärbereichs (z.B. Errichtung Pädagogischer Akademien) widerspiegelt.
Die AkademikerInnenquoten(Universität) stiegen zwischen 1971 und 2000 für Frauen von 1% auf 4% und für Männer von 4% auf 6% - diese Zahlen sind Nachweis eines fortgesetzten Ungleichgewichts. Die Quote der Lehrabschlüsse von Frauen verdoppelte sich seit 1971 (2000: 26%); bei Männern fällt sie ungeachtet der stagnierenden Tendenz in den 90er Jahren trotzdem beträchtlich höher aus (1971: 36%; 2000: 45%).
Tendenziell verringerten sich die Ungleichheiten durch eine gestiegene Bildungsbeteiligung der Frauen. Die SchülerInnen- und StudentInnenquoten weisen ebenfalls einen - für Frauen jedoch steiler - verlaufenden Anstieg der Bildungsbeteiligung bei den 15- bis 29-Jährigen nach. Allerdings beziehen sich die Zahlen hier nur auf Personen, die in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen, sodass z.B. die Lehrlingsausbildung als Ganzes nicht miterfasst ist. In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen finden sich daher 29% der Frauen und 23% der Männer als SchülerInnen und StudentInnen.
Benachteiligung im Unterricht
Zahlreichen Untersuchungen über gemischte Klassen zufolge erhalten Mädchen wesentlich weniger Aufmerksamkeit und Feedback durch die Lehrperson als Burschen. Die Interaktionszeit - also jene Zeit, in der sich der/ die LehrerIn mit den SchülerInnen beschäftigt - wird in der Regel zu 2/3 dem männlichen Teil der Klasse gewidmet. Anerkennung erhalten Mädchen vor allem für Wohlverhalten und "ordentliche Erledigung" von gestellten Aufgaben, während Burschen meist für die erbrachte Leistung selbst gelobt werden, unabhängig von deren Form. Gerügt werden Burschen in erster Linie wegen Disziplinlosigkeit, bei Mädchen hingegen richtet sich der Tadel zu 90% auf die Leistung selbst.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die männlichen Schüler im Klassenverband im Allgemeinen mehr Raum einnehmen und durch entsprechende Lautstärke die Aufmerksamkeit des Lehrers bzw. der Lehrerin wesentlich stärker auf sich ziehen als ihre Mitschülerinnen. Obwohl Mädchen im Schnitt bessere Leistungen erbringen als Burschen stärkt das keineswegs ihr Selbstvertrauen - im Gegenteil: Mädchen halten sich für weniger begabt, haben mehr Angst sich öffentlich (d. h. vor der Klasse) zu äußern und trauen sich weniger Erfolge zu. Burschen neigen hingegen zur Selbstüberschätzung.
Um die Ruhe in den Klassen aufrecht zu erhalten, wird die soziale Funktion von Mädchen oft durch LehrerInnen instrumentalisiert, indem erstere in die Rolle von Hilfslehrerinnen gedrängt werden und etwa zwischen zwei männliche Störenfriede gesetzt werden um auf diese mäßigend einzuwirken.
Während in Gymnasien der Anteil der Maturantinnen bei 55% liegt, kommt es bei berufsbildenden Schulen immer noch zu einer starken geschlechtsspezifischen Wahl: In den 1-3jährigen BMHSen mit hauswirtschaftlichem Schwerpunkt sind 98% der SchülerInnen Mädchen, in HTLs hingegen 93% Burschen.
Vermittlung von Rollenklischees in Schulbüchern:
Schulbücher vermitteln neben dem theoretischen Inhalt auch Werte und Normen, die in unser Weltbild einfließen. Schon alleine die in den Büchern verwendete Sprache erzeugt Widerhall in unserem Denken. In den Schulbuchtexten sind Frauen in der Regel "mitgemeint", wenn vom "Schüler", vom "Lehrer" die Rede ist.
Mädchen werden damit quasi "unsichtbar" gemacht. Diese Marginalisierung von Frauen bleibt aber nicht auf die Sprache beschränkt. Während Männer verschiedenen Berufen nachgehen, Abenteuer erleben, Welten erobern - kurz: Geschichte machen - erstreckt sich der Tätigkeitsbereich der Frauen in der Geschichte meist nur auf Haushaltsführung und Kinderbetreuung. Wenn Frauen in Schulbüchern vorkommen, dann praktisch nur in Nebenrollen als Mütter, Hausfrauen, Ehefrauen, Schwestern oder Töchter von berühmten Männern.
Schulbücher stellen ein wichtiges Medium schulischer Sozialisation dar. Durch das fachliche Wissen, das sie präsentieren, vermitteln sie, was als gesellschaftlich relevant erachtet wird. Lange Zeit hindurch war z.B. die in den Schulbüchern vermittelte Geschichte eine von Männern über Männer geschriebene Herrschafts- und Kriegsgeschichte. Alltags- und Sozialgeschichte hat erst in den letzten Jahren Eingang in die Schulbücher gefunden. Das bedeutete aber nicht, dass damit das Leben von Frauen in den Blickpunkt rückte.
Bevölkerungspyramide des Alten Ägypten:
Neben fachspezifischen Verzerrungen, bzw. Auslassungen von weiblichen Lebenszusammenhängen werden auch „geheime Botschaften“ vermittelt, z.B. durch die in den Büchern dargestellten Rollenbilder:
Oftmals werden Frauen in Schulbüchern auf die Rolle der Mutter, Hausfrau und Gattin, die für den Reproduktionsbereich tätig ist, ansonsten aber kaum Interessen besitzt, festgeschrieben. Frauen und Mädchen werden selten stark, selbstbewusst, unabhängig und aktiv gezeigt. Männer hingegen gehen verschiedensten Berufen nach, „erobern“ die Welt und „machen Geschichte“. Selten jedoch drücken sie Emotionen aus oder werden bei Hausarbeit und mit Kindern gezeigt. Die Klischees vom „starken“ und „schwachen“ Geschlecht werden oft unreflektiert durch Bilder und Texte wiedergegeben.
| Beispiele aus Schulbüchern: 1. In welchem Buch kommen mehr Kamele als Frauen vor? (Mathematik, 2.Kl.) 2. In welchem Buch dürfen zu dem Thema „Frau in der Gesellschaft“ neun Männer, aber nur zwei Frauen schreiben? (Deutsch, 6.Kl.) 3. In welchem Buch erfahren wird, welcher Herrscher welche Kriege gewonnen hat, und welche Herrscherin wie viele Kinder hatte? (Geschichte, 4.Kl.) 4. In welchem Buch erfahren wir, dass Frauen nicht Auto fahren können? (Englisch, 4.Kl.) 5. In welchem Buch besteht die Weltbevölkerung stets nur aus männlichen Einwohnern? (Geographie, 4.Kl.) 6. In welchem Buch kann man sehen, wie sich Frauen verwöhnen lassen, während der Bauer am Feld schwer arbeitet? (Biologie, 3.Kl.) 7. In welchem Buch gibt es zwar Baumeister, Landbesitzer, Forscher und Kaufmänner, aber nur Schwestern, Töchter, Mütter und Mädchen? (Mathematik, 3.Kl.) 8. In welchem Buch gibt es zwar 68 Männer, aber nur zwei Frauen? (Mathematik, 2.Kl.) Schauplatz Koedukation im Unterricht 1992, S.64)
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Die in den Schulbuchrichtlinien eingeforderte realitätsgerechte Darstellung vom Leben von Frauen und Männern fehlt in vielen Büchern: weiterhin wird die „heile“ Welt der Kleinfamilie vorgespielt, „untypische“ Familienverhältnisse oder gar alternative Lebensgemeinschaften werden kaum erwähnt.
Selten finden sich Identifikationsmöglichkeiten für Mädchen und Buben, die nicht den traditionellen Rollenbildern entsprechen. Tendenziell finden sich in den Büchern noch eher neue Bilder von „Weiblichkeit“ als von „Männlichkeit“ (Frauen fahren schon ab und zu Auto, aber wie oft schiebt ein Mann einen Kinderwagen?).
Frauen und Universität
Trotz rechtlicher Gleichstellung fällt die Entscheidung für oder gegen bestimmte Studien je nach Geschlecht sehr unterschiedlich aus.
So entscheiden sich vergleichsweise weniger Frauen für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium. Das liegt aber nicht daran, dass Frauen von "Natur aus" schlechter in diesen Bereichen sind. Nur hören Mädchen, seit Beginn an, in der Schule: "Mathe und Physik ist nichts für dich!" Diese geschlechtsspezifische Studienwahl mag es also sowohl an der mangelnden Förderung junger Mädchen im Schulunterricht in diesen Gegenständen liegen, als auch am Mangel an Vorbildern im persönlichen Umfeld und im öffentlichen Leben.
Hinzu kommt außerdem, dass Eltern, die maßgeblichen Einfluss auf die Studienwahl haben, eher dazu neigen, an ihren Töchtern soziale und kommunikative Fähigkeiten wahr zu nehmen und diesbezügliche Berufsempfehlungen abzugeben.
In dieser Statistik fehlen Rektorinnen. Schlicht und einfach, weil es an Österreichs Universitäten bis heute keine gibt. Auch bei ProfessorInnen ist das Geschlechterverhältnis alles andere als rosig: Würde der Anteil von Frauen unter den ProfessorInnen weiter so zunehmen wie in den letzten zehn Jahren, gäbe es erst 2912 (!!) eben so viele Professorinnen wie Professoren. Anstatt den Anteil von Frauen in höheren Positionen zu fördern, betreibt die blauschwarze Bundesregierung genau das Gegenteil: durch das neue Uni-Dienstrecht und die Einführung von Studiengebühren sind abermals in erster Linie Frauen betroffen.
Mit der Einführung des kostenlosen Hochschulzugangs 1972 stieg der Frauenanteil an Österreichs Unis stark an. Und bereits ein halbes Jahr nach der Wiedereinführung von Studiengebühren ist eines klar: Auf ein Studium verzichten müssen nun vor allem Frauen. So sank etwa an der Universität Innsbruck der Anteil weiblicher Studienanfängerinnen im Vergleich zum Vorjahr um 20%, während bei den Männern lediglich ein Rückgang von 4% feststellbar war.
Erklärbar wird dieser Umstand zum einen durch die Tatsache, dass Studentinnen, die neben dem Studium jobben müssen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bei gleicher Arbeitszeit deutlich weniger verdienen. Zum anderen verdienen Frauen aber auch nach dem Studium um 1/3 weniger als Männer (oder, um den Umkehrschluss zu formulieren: Männer verdienen um die Hälfte mehr als Frauen). Frauen, besonders aus einkommensschwachen Familien sind konfrontiert mit schlechteren Aufstiegschancen im akademischen Bereich, mit noch höheren finanziellen Belastungen während des Studiums und mit vergleichsweise schlechter Entlohnung im späteren Berufsleben.
Sie haben hinter ihren männlichen Geschwistern in der Entscheidung, wer studieren darf, oft das Nachsehen. Der Hochschulbesuch wird zur Rechensache - und Leidtragende dieser Entwicklung sind die Frauen.
Studieren mit Kind
Etwa 11,5% der Studierenden haben ein oder mehrere Kinder. Der Anteil der Frauen ist dabei in allen Altersgruppen höher als der der Männer. Frauen befinden sich meist in einem früheren Stadium ihrer Ausbildung und unterbrechen diese oft, um sich der Betreuung des Kindes zu widmen. Studierende Frauen verbringen mehr Zeit als studierende Männer mit ihrem Kind/ ihren Kindern (53,9 gegenüber 24,3 Stunden pro Woche), was sich natürlich auch auf die übrig bleibende Zeit zur Beschäftigung mit dem Studium auswirkt.
Das heißt, Studentinnen mit Kind müssen länger studieren und somit auch mehr bezahlen. In nur wenigen Hochschulen gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen, und das trifft vor allem Frauen hart. Gerade im Zeitalter von Studiengebühren, wo der Frauenanteil unter den Studierenden zurückgeht, ist es unübersehbar, wie Frauen aus dem Hochschulbereich gedrängt werden –einerseits durch die allgemeine Bildungshürde, und dann auch noch durch mangelhafte strukturelle Maßnahmen wie ein unflexibles Studienbeihilfesystem und wenig bis gar keine Kinderbetreuungseinrichtungen.
Resumée:
Frauen werden in allen Teilen des Lebens systematisch benachteiligt. Dementsprechend kann der Bereich Schule nicht gesondert betrachtet werden. Die Schule reflektiert und reproduziert unsere gesellschaftlichen Verhältnisse und Rollenbilder. Was wir in der Schule lernen prägt uns meistens für den Rest unseres Lebens. Die Veränderung von Schule und Gesellschaft kann nur Hand in Hand gehen. Dazu sind aber mehrere Schritte notwendig. Lehrerpersonen müssen sensibilisiert werden um SchülerInnen zur Gleichstellung erziehen zu können.
Dazu wird eine spezielle Ausbildung in diese Richtung notwendig sein, in der zukünftige LehrerInnen lernen, auf die jeweilige Situation von Mädchen und Frauen einzugehen. Weiters ist es notwendig Schulbücher zu überarbeiten um die bisher transportierten Rollenbilder zu entfernen und Frauen und Mädchen in einem angemessenen, gleichgestellten Licht erstrahlen zu lassen. Auch Sprache schafft Bewusstsein, und da in unserer Sprache Frauen einfach nicht explizit erwähnt werden sondern immer einfach nur mitgemeint sind, ist es an der Zeit dies zu ändern!
Wir wollen daher geschlechtergerechte Sprache in allen Bereichen; angefangen bei den Schulbüchern, über die Tageszeitungen bis hin zu den Nachrichten und öffentlichen Aussendungen. Auch im Jahr 2005 stellen geschlechterspezifisch gewählte Berufe keine Seltenheit dar. Natürlich ist dies ein Produkt der bestehenden Rollenbilder. Um dem entgegenzuwirken fordern wir eine Förderung von Mädchen in männlich dominierten Bereichen, Berufsorientierung in der Unterstufe und ein Beraterin in jeder Schule, die Mädchen dabei gezielt unterstützt.
Ein weiteres Problem ist die mangelhafte Aufklärungsarbeit, die an den Schulen geleistet wird. Sexualität sollte stark thematisiert werden um einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit dem Thema zu gewährleisten. Die gratis Ausgabe von Verhütungsmittel an Schulen und öffentlichen Plätzen wäre der nächste Schritt um Jugendlichen einen entspannteren Umgang mit Sexualität zu ermöglichen. Dies soll keine Aufforderung zum Sex sein, sondern viel mehr einen respektvollen, risikobewussten Zugang zu Sex herstellen.
Weiters wäre es wichtig, AnsprechpartnerInnen im Falle von sexueller Belästigung zu haben und dieses Thema auch im Unterricht zu thematisieren. Es darf nicht mehr passieren, dass Schülerinnen aus Angst vor Konsequenzen oder aus Angst, dass ihnen niemand Glauben schenkt, schweigen, wenn sie sexuell missbraucht und genötigt werden. Mädchen und Frauen müssen selbstbewusst und selbstbestimmt durch das Leben gehen können!







