Donnerstag 17. Mai 2012

Inhalt:

Gewalt

My body is not your battleground!

25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauen stellen jenen Teil der Bevölkerung dar, der am allumfassensten von der Gesellschaft unterdrückt wird. Einen besonders ausgeprägten Bereich dieser Unterdrückungen stellt das Problemfeld Gewalt dar. Diese Gewalt dringt in alle Lebensbereiche von Frauen ein.

Nicht nur in sogenannten „Dritte- Welt- Ländern“ muss also noch viel getan werden, um ein gewisses Maß an weiblicher Selbstbestimmung gewährleisten zu können, auch hierzulande ist dieser Kampf noch lange nicht vorbei. Gerade in der letzten Zeit sind konservative, rechte Stimmen auf dem Vormarsch und versuchen in verschiedensten Bereichen, das Ruder herumzureißen und zurück in die Vergangenheit zu drängen.

Die 4. Weltfrauenkonferenz in Bejing von 1995 hält fest:

„Der Begriff „Gewalt gegen Frauen“ bezeichnet jede Handlung geschlechtsbezogener Gewalt, die der Frau körperlichen, sexuellen oder psychischen Schaden oder Leid zufügt oder zufügen kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsberaubung in der Öffentlichkeit oder im Privatleben.“

Diese umfasst folgende Bereiche:

  • Körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Familie, Misshandlung, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung in der Ehe, Genitalverstümmelung, ...
  • Körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Gemeinschaft, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Einschüchterung am Arbeitsplatz, Frauenhandel und Zwangsprostitution, ...
  • Vom Staat ausgeübte oder geduldete körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, wo immer sie auftritt.

Außerdem wird in diesem Bericht festgestellt, dass in den allermeisten Ländern keine statistischen Daten über Gewalt gegen Frauen existieren. Dies macht eine umfassende Analyse des Problemfeldes Gewalt besonders schwierig. Auch in Österreich gibt es keine solche Statistik. Deshalb muss auch in diesem Artikel auf Zahlen aus Teilbereichen von Gewalt zurückgegriffen werden.

„Die Keimzelle der Gesellschaft“

Gerade dort, wo immer von Schutz und Geborgenheit die Rede ist, ist Gewalt besonders stark ausgeprägt. Die eigenen vier Wände, die „ach so heilige“ Familie, bergen eines der größten Gefahrenpotentiale für das körperliche und seelische Wohlergehen von Frauen und Mädchen. Der Bericht der autonomen österreichischen Frauenhäuser 2003 hält dazu fest: „Gewalt gegen Frauen lässt sich nicht auf bestimmte Beziehungsformen beschränken, nach wie vor kann aber die Ehe als gefährlichste Beziehungsform für Frauen betrachtet werden.“

Etwa 65 % der 2003 in Frauenhäusern betreuten Frauen waren verheiratet. Laut einer Studie der Universität Bielefeld geht diese Gewalt sogar soweit, dass in etwa jede 3. Frau, die Opfer eines Mordes wird, von ihrem eigenen Lebenspartner ermordet wird. Bei Totschlag sind es sogar 46 % der Frauen.

Wir sehen also, dass sich die strukturelle Unterdrückung von Frauen keineswegs auf den sogenannten „öffentlichen“ Bereich beschränkt, sondern allgegenwärtig ist. Auch im „Privaten“, in Beziehungen, in der Familie herrschen patriarchale Strukturen, die aufgebrochen werden müssen. Ein erster Schritt dazu ist das österreichische Gewaltschutzgesetz.

Das Gewaltschutzgesetz

Das österreichische Gewaltschutzgesetz zählt zu den weltweit besten. Nach dem Alarmieren der Polizei (egal durch wen) muss die Polizei (egal, ob das Opfer die Misshandlung bestätigt oder nicht), den Täter aus der Wohnung weisen. Dies gilt dann für 10 Tage, kann aber auf bis zu 3 Monate ausgeweitet werden. Trotzdem reicht dieses an sich fortschrittliche Gesetz alleine nicht aus, um die strukturelle Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft zu beseitigen – diese massive Form der Unterdrückung hängt schließlich wesentlich zusammen mit der ökonomischen Benachteiligung.

Vergewaltigung ist sexualisierte Gewalt. Keine Frau kann auch nur in geringster Form dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie vergewaltigt wurde. Nicht die „Triebe“ des Täters sind es, die zu einer Vergewaltigung führen, sondern Ausübung von Macht, Kontrolle und (Fremd)Bestimmung über Frauen. Vergewaltigungen dienen dazu, Frauen zu demütigen und einzuschüchtern. Ziel ist es, das Opfer zu entmenschlichen, die Frau auf ihr Geschlecht zu reduzieren.

Bei 2 Drittel der Vergewaltigungen ist der Täter dem Opfer persönlich bekannt, der Mythos vom Vergewaltiger, der in Parks hinter Büschen seinem Opfer auflauert, kann keinesfalls aufrechterhalten werden. Vergewaltigungen innerhalb der Ehe stellen keine Seltenheit dar, laut einer US – Studie sind 55 % der Täter Lebenspartner der betroffenen Frau. Laut einem UNO Bericht von 1995 wird jede 4. Frau als Erwachsene vergewaltigt.

Strukturelle Benachteiligung

Bei sexistischen Witzen, sexueller Belästigung, häuslicher Gewalt, Psychoterror, Vergewaltigung bis hin zu Mord handelt es sich um Facetten ein und derselben Tatsache: Frauen werden in allen Bereichen des täglichen Lebens unterdrückt. Sei es auf dem Arbeitsmarkt, wo Frauen noch immer ein Drittel weniger verdienen als Männer, sei es die unbezahlte Arbeit, wie zum Beispiel die Arbeit im Haushalt, wo Frauen 2 Drittel der Arbeit leisten. In Medien und Werbung werden Frauen als Objekte dargestellt, ihre Rolle beschränkt sich darauf, schön zu sein.

Außerdem wird in der Öffentlichkeit ein Frauenbild propagiert, dass Frauen vorschreibt, wie sie auszusehen haben, wie viel sie wiegen dürfen, wie sie sich kleiden müssen, welche Rollen sie im gesellschaftlichen Leben zu übernehmen haben,… Selten werden Frauen danach beurteilt was sie können, viel wichtiger ist es, wie sie aussehen.

Solange Frauen nicht ökonomisch unabhängig sind, werden sie auch im körperlichen Bereich unterdrückt sein – das heißt, der Kampf für eine Gesellschaft ohne Gewalt gegen Frauen muss gleichzeitig der Kampf für eine Gesellschaft sein, in der keine Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen existiert. Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau, ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!

25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Seit 1981, als die UNO diesen Tag als Kampftag gegen Gewalt an Frauen bestimmt hatte, finden auf der ganzen Welt Aktionen zu diesem Thema statt. Der Hintergrund dieses Datums ist, dass die 3 Schwestern Mirabal wegen ihrer Aktivitäten gegen den Diktator Trujillo vom Geheimdienst der Dominikanischen Republik gefoltert, vergewaltigt und schließlich am 25. November 1960 ermordet wurden. Auch die Sozialistische Jugend Österreich wird sich an diesem internationalen Kampftag gegen Gewalt wieder mit öffentlichen Aktionen beteiligen. Gewalt hat ihren Ursprung im Patriachat, der systematischen Unterdrückung von Frauen in allen Bereichen des täglichen Lebens. Für Frauen existiert kein sicherer Raum, (fast) kein Platz, an dem sie nicht befürchten müssen, Opfer von Gewalt zu werden.

Wir müssen uns diesen Raum wieder zurückerobern, uns organisieren um gegen Sexismus und Patriachat, gegen Kapitalismus und Ausbeutung aufzutreten. Ein Tag im Jahr ist zuwenig, um diesen Kampf zu gewinnen.

Nur wenn wir uns zusammenschließen, können wir etwas bewegen!

Martina Punz

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