Donnerstag 17. Mai 2012

Inhalt:

Geschichte der Frauenbewegung

Geschichte der Frauenbewegung

Lebensumstände und erreichte Ziele
  • Das „aufgeklärte“ Weltbild gab den Anstoß
  • Die bürgerliche Frauenbewegung
    • Bürgerliche Frauenbewegung in Österreich
    • Das feine Leben der adeligen Frau...
    • ...wird je unterbrochen
    • Frauenvereine
    • Frauen gehen an die Öffentlichkeit
    • Bund Österreichischer Frauenvereine
    • Mariannne Hainisch
    • Deutsche Frauenbewegung
    • „Die Bürgerlichen“
  • Die proletarische Frauenbewegung
    • Das Leben einer Arbeiterin
    • Frauen kämpfen...
    • ...auch innerhalb der Partei
    • Forderungen
    • Adelheid Popp
    • Streitpunkt Wahlrecht
    • Internationaler Frauentag
    • Auswirkungen der russischen Revolution auf die Frauenbewegung
  • Erste Republik
  • Faschismus
    • Ständestaat und Austrofaschismus
    • Die Rolle der Frau in der Nationalsozialistischen Ideologie
  • Zweite Republik
    • 1968 – StudentInnenbewegung
    • Legale Abtreibung: Ein Thema bringt Frauen auf die Strasse
    • Die „neue“ Frauenbewegung
    • Sozialistische Alleinregierung und die Rechtsreform
    • 80er und 90er Jahre
  • Feministische Theorie
  • Und heute?


Frauenbewegung – seit wann?


Es ist anzunehmen, dass es seitdem Frauen unterdrückt werden (dieser Zeitpunkt wird von vielen mit der Sesshaftwerdung der Menschen und dem Entstehung von Privateigentum festgemacht) auch „Bewegung" dagegen gab.

Nur war das lange keine Bewegung, wie man sich das heute vorstellt. Aber kann man überhaupt heute von "der Bewegung" sprechen? Immer schon vertraten Frauen unterschiedliche Interessen. Wenn Frauen auch das "Frau sein" und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten gemein haben, so treffen sie diese doch auf ganz unterschiedliche Weise. Das drückte sich auch immer in den unterschiedlichen Zielsetzungen, Forderungen und Herangehensweisen innerhalb der Frauenbewegung aus. Dieser Text versucht einen Überblick zu geben.     

Das "aufgeklärte" Weltbild gab den Anstoß


Die Phase der Aufklärung und der Gedanke, dass alle Menschen gleich sind, war ein wesentlicher Anstoß für die Frage nach Geschlechtergleichheit und für den Beginn der organisierten Frauenbewegung. Nur gerade jene, die sich für die „Freiheit und Gleichheit der Menschen" einsetzten verstanden darunter nicht gleichzeitig auch, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten haben sollen wie Männer.

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) französischer Aufklärer, schreibt in seinem Erziehungsroman "Emile“: „Die Frau [ist] eigens geschaffen, um dem Mann zu gefallen."

Die bürgerliche Frauenbewegung

Die bürgerliche Frauenbewegung fand ihren Anfang vor allem in Frankreich und England. 1789 wurde nach der Französischen Revolution die „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" verkündet, da jedoch an eine Verbesserung der Situation von Frauen dabei nicht gedacht wurde, verfasste Olympe de Gouges 1791 die „Erklärung der Frauen- und Bürgerinnenrechte", die sie der Nationalversammlung vorlegen wollte.

Die „Revolutionäre" ließen Olympe de Gouges daraufhin köpfen (1793).    

Sie gilt als die erste Vertreterin der modernen Frauenbewegung. Sie forderte die volle politische, ökonomische und rechtliche Gleichstellung der Frauen, zweifelte aber Besitzverhältnisse als solche nicht an.

Bürgerliche Frauenbewegung in Österreich

In Österreich nahm Karoline von Perin einer Pionierinnenstellung für die bürgerliche Frauenbewegung ein. Sie gründete 1848 den „Wiener demokratischen Frauenverein“ als umittelbare Reaktion auf die gewaltsame Niederschlagung der Arbeiterinnendemonstration, der ersten Frauendemonstration in Österreich. Der damalige Arbeitsminister Ernst Schwarzer senkte den ohnehin niedrigen Lohn für 8000 Erdarbeiterinnen, worauf es am 21.8.1848 zu einer Frauendemonstration durch die Innenstadt kam. Als einige Tage später eine weitere Demonstration durch den Prater zog, griff die kaiserliche Nationalgarde zu den Waffen. Das Resultat der sogenannten „Praterschlacht“ sind 18 Tote und 282 Verwundete, darunter viele Frauen.

Der „Wiener demokratische Frauenverein“ lehnte den bisherigen Zweck aller Frauenvereinigungen, nämlich karitative Arbeit zu leisten, ab. Politische Ziele standen im Vordergrund. Ziel des Vereins war es „das demokratische Prinzip in allen weiblichen Kreisen zu verbreiten“. Sie forderten die soziale Gleichberechtigung der Frauen und die Gleichberechtigung von Frauen im Bereich der Bildung. Männer konnten sich bei dem Verein nur als finanzielle Förderer beteiligen. Reaktionen, wie wir sie bis heute gewohnt sind, waren die Folge: die Presse berichtete vom „Treffen der Freudenmädchen“, wo sich „hässliche“ Frauen, „die keinen Mann mehr bekommen“ und „nicht geheiratet werden würden“ zusammen tun.

Nach der Niederwerfung der Revolution wurde unter Metternich jede politische Aktivität verboten. Karoline von Perin wurde verhaftet, misshandelt, ihr Eigentum konfisziert und das Sorgerecht über ihre Kinder wurden ihr entzogen. Schließlich flüchtete sie nach München. Die Rückkehr wurde ihr nur durch die Rücknahme der programmatischen Aussagen und Dementierung jeder Beteiligung an der Aufruhr gestattet.

Das feine Leben einer adeligen Frau...

Für Frauen des Adels und des wohlhabenden GroßbürgerInnentums kam Frauenerwerbstätigkeit nicht in Frage. Gelassenes Nichtstun galt als Beweis für die finanzielle Sicherheit, die der Ehemann bot. Arbeit bedeutete, der charmante Schmuck des Hauses zu sein, Kinder in die Welt zu setzen und die Dienstboten zu koordinieren. Handarbeiten und Klavierspielen unterbrachen den Müßiggang, Repräsentationspflichten und karitativer Einsatz ergänzten die Pflichten.

..wird je unterbrochen

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Wirtschaftskrise. Viele bürgerliche Frauen, die bis dahin vom Ehemann versorgt wurden und dem skizzierten Bild entsprachen, begannen sich Fragen zu stellen: Was passiert wenn der Ehemann die Arbeit verliert oder stirbt und die Familie trotzdem ernährt werden muss? Viele erkannten, dass die Existenz durch die Ehe allein nicht abgesichert war.

Die damalige Mädchenbildung war keine geeignete Berufsvorbereitung. Aus dem Wunsch auch für Frauen Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, wurde der „Wiener Frauenerwerbsverein“ gegründet. Näh- und Strickstuben, Fortbildungsschulen und eine Frauenhandelsschule wurden errichtet. Das Berufsspektrum war nicht breit: Erzieherin, Kindergärtnerin, Krankenpflegerin standen bürgerlichen Frauen zur Auswahl.

Frauenvereine

Auguste Fickert gründet gemeinsam mit Marie Lang und Rosa Mayreder 1893 den „Allgemeinen Österreichischen Frauenverein“. Sie forderten absolute staatsbürgerliche Gleichstellung, die Zulassung zu allen Bildungsstätten, gleiche Berufsmöglichkeiten für Frauen bei gleichem Lohn. Fickert setzte sich auch für Prostituierte ein und initiierte 1895 die erste Frauenrechtsschutzstelle Österreichs. Sie arbeiteten phasenweise mit den Sozialdemokratinnen zusammen.

Frauen gehen an die Öffentlichkeit

Die verschiedenen Frauenvereine wandten sich am Ende des 19. Jahrhunderts auch mit eigenen Zeitschriften an die Öffentlichkeit:

In dieser Zeit entstanden die „Dokumente der Frauen" von Fickert, Mayreder und Lang, „Österreichische Frauenzeitung" von katholischen Frauenorganisation „Wiener christlich-sozialer Frauenbund“ und die „Arbeiterinnen-Zeitung" der sozialistischen Frauen. Auch wenn die Positionen zum Teil sehr unterschiedlich war, waren sich alle einig, dass der erste Schritt zum Kampf um Gleichberechtigung Bildung für Frauen sein muss. Fickert schreibt in den „Dokumenten“: „Diese Zeitschrift (...) ist allen kämpfenden Frauen gewidmet. Sei es der Kampf um des Lebens Nothdurft oder der Kampf um das höchste Gute des menschlichen Daseins, das Ringen nach Erkenntnis – er (der Kampf) wird ohne Menschenfurcht und unermüdlich geführt werden. Alle, die mühselig und in harter Arbeit ihr tägliches Brot verdienen, sollen aus diesen Blättern Hoffnung und Erquickung schöpfen (..).“

Bund Österreichischer Frauenvereine

Einen weiteren Schritt in der österreichischen bürgerlichen Frauenbewegung machte Marianne Hainisch. Sie gründete 1902 den „Bund Österreichischer Frauenvereine“, ein Zusammenschluss von zunächst 13 Frauenvereinen in Österreich. Bis zur Auflösung des Bundes durch die NSDAP traten über hundert weitere Vereine bei.

Marianne Hainisch

Marianne Hainisch stammte aus einer wohlhabenden FabrikantInnenfamilie, wurde jedoch aufgrund der aussichtslosen finanziellen Situation einer Freundin politisch wachgerüttelt. Der Mann der Freundin war krank und konnte die Familie nicht ernähren. Obwohl die Frau mehrere Sprachen beherrschte, fand sie keinen Beruf. Hainisch: „Unsere Arbeiterinnen konnten sich und ihre Kinder ernähren (...) Warum konnten wir Bürgerlichen nichts erwerben? (...) Nun wurde mir plötzlich klar, dass bürgerliche Mädchen für den Erwerb vorbreitet werden müssten. Ich war tief ergriffen und wurde an diesem Tag zur Frauen-Vorkämpferin.“ Sie hielt vor der Generalversammlung eine Rede „Zur Frage des Frauenunterrichts“ , in der sie Mädchenklassen in Realgymnasien und eigene Mädchenschulen forderte. Konservativ blieb sie trotzdem. Anstand galt als höchst erstrebenswert, freie Liebe war tabu. Einmal entschuldigte sie ihre Verspätung bei einer Versammlung mit den Worten: „Die Anteilnahme am öffentlichen Leben darf die Familienmutter nie und nimmer der Pflichterfüllung gegen ihre Familie entziehen.“ 1929 gründete sie die „Österreichische Frauenpartei“. Eine Partei, die sich hauptsächlich als Friedenspartei verstand. Sie verstand die Frauen Natur aus als „friedfertig, sittlich und mütterlich“ und darum als Friedensträgerinnen prädestiniert.

Deutsche Frauenbewegung

In Deutschland hatte die Entwicklung starke Parallelen: 1848 entstand die erste Frauenzeitung von Loise Otto und Mathilde Anneke. Erste Frauenbildungsvereine gingen der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“ 1865 mit der Vorsitzenden Loise Otto vorraus. 1876 gründete die radikal bürgerliche Hedwig Dohm den Frauenstimmrechtsverein, der sich gegen die Reduzierung von Frauen auf die Mutterrolle wandte und die Erschließung wissenschaftlicher Berufe für Frauen forderte. 1894 wurde der „Bund deutscher Frauenvereine“ gegründet.
Hedwig Dohm     

„Die Bürgerlichen“


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu vielen Gründungen von Frauenvereinen, die später als „bürgerliche Frauenbewegung“ zusammengefasst werden. Das ist etwas irreführend, da es sehr unterschiedliche Forderungen gab. Zwar kamen die Frauen aus dem bürgerlichen Umfeld, so hatten sie doch (zumindest zum Teil) radikale Forderungen (Suffragetten in England, Auguste Fickert oder Hedwig Dohm etc). Zum Teil wurde aber auch die grundsätzliche Rollenverteilung und Geschlechterzuschreibung nicht angetastet (Bsp. Hainisch).

Zusammengefasst waren die zentralen Forderungen der bürgerlichen Frauen der Zugang zu Bildung, Berufsfreiheit, Rechtsfragen, soziales Wirken aber auch Wahlrecht. Teile der bürgerlichen Bewegung (vor allem in Deutschland) unterstützten den 1. Weltkrieg aktiv. „Nationalistischer Frauendienst ist der eigentliche, tiefste Sinn der Frauenbewegung“, meinte Bäumer, eine führende Frau im „Bund deutscher Frauenvereine“.

Die Frage der Gleichberechtigung war für die bürgerliche Bewegung ausschließlich eine Geschlechterfrage. Hainisch meinte, die Welt sei nicht durch einen sozialen Umsturz zu verändern, sondern durch eine allgemeine Hebung der Moral. Sie traten für Reformen im bestehenden System ein.

Die proletarische Frauenbewegung

"Die Befreiung der Frau ist nur durch den Sozialismus möglich, weil ein untrennbarer Zusammenhang zwischen der Frauenfrage und sozialer Frage besteht. Jede Klasse hat auch ihre eigene Frauenfrage. Die proletarische Frau muss sich deshalb auf ihre eigene Klassengrundlage stellen und sich fest in den Kampf der Arbeiterklasse für den Sozialismus eingliedern. Die Befreiung der Arbeiterklasse von der Klassenherrschaft verbirgt deshalb auch für die Frau erst ihre volle Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit. Die wahre Ursache aller Unterdrückung liegt auch für die Proletarierinnen in der Klassengesellschaft." Clara Zetkin      

Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung sind eng verbunden mit der Entwicklung des Kapitalismus, der Entstehung der ArbeiterInnenbewegung und der Entstehung der sozialistischen Emanzipationstheorie. Das Ausbreiten der kapitalistischen Arbeitsweise brachte völlig neue soziale Strukturen mit sich. Arbeiterinnen wurden voll in die kapitalistische Wirtschaft eingliedert und sahen ihre doppelte Ausbeutung: die der Arbeitgeber und die der Männer. Die proletarischen Frauen sahen ihren Kampf um eine Verbesserung ihrer sozialen Situation in Zusammenhang mit der Situation der gesamten ArbeiterInnenschaft. Der Kampf um ein menschenwürdiges Arbeitsrecht deckte sich mit den Anliegen der männlichen Kollegen. Sie unterschieden sich in Methoden und Zielen grundlegend von den bürgerlichen Frauen.

Am Anfang stand die Diskussion innerhalb der ArbeiterInnenschaft um Frauenarbeit. Viele Genossen (auch der von Lasalle gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein) wollten ein Frauenarbeitsverbot. Einerseits mit dem Argument der Lohndrückerei und andererseits mit dem Argument, es widerspreche der weiblichen Natur. Clara Zetkin hielt ihnen entgegen: „Die Frauenarbeit sei eine gesellschaftliche Notwendigkeit, auf der ökonomischen Unabhängigkeit oder Abhängigkeit beruhe die Freiheit oder die soziale Sklaverei. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau sei die Vorraussetzung für die Beseitigung der Unterdrückung der Frau.“

Das Leben einer Arbeiterin

Das Recht auf Erwerbsarbeit war für die Arbeiterinnen in der Praxis kein Thema: Sie mussten Geld beschaffen, auch wenn viele ihrer männlichen Kollegen sie lieber aus der Fabrik draußen haben wollten. Für Proletarierinnen begann die Erwerbsarbeit im Alter zwischen 11 und 15. Sie teilten sich oft ihr Bett als „Bettgeherin“ mit anderen Frauen, die in einer anderen Schicht arbeiteten. Ihre Arbeit in der Fabrik stand der „schweren Männerarbeit“ um nichts nach: dort, wo Männer zuviel kosteten, rücken Frauen an ihre Stelle. Mit dem Argument, dass Frauen aufgrund ihrer schwächeren körperlichen Konstitution weniger leisten können, und Männer als „Familienernährer“ gesehen wurden, bekamen Frauen für die gleiche Arbeit oft nicht einmal 40% des männlichen Lohns. Existenzsicherung war damit nicht möglich.

Waren die Arbeiterinnen einmal verheiratet, eröffnete sich ihnen eine neue Arbeitswelt. Hausarbeit war (und ist) Frauensache. Arbeiterinnen mussten ihre Erwerbstätigkeit kurz vor und nach der Geburt aufgeben. Mutterschutz gab es nicht. Sie verloren ihr Arbeit von einem Tag auf den anderen. In dieser Zeit verrichteten Frauen Heimarbeit. Diese fabriksmäßige Heimarbeit wurde häufig noch durch zusätzliche Arbeiten aller Art (Wäschewaschen für BettgeherInnen etc) ergänzt. Wenn die Kinder größer waren, wurde -wenn möglich- wieder Fabrikarbeit angenommen. Frauen blieben immer Hilfsarbeiterinnen, die um ihre Existenz bangen mussten und der Unterdrückung der Männer im Betrieb, im Haus und in der Partei ausgeliefert waren.

Frauen kämpfen...

Doch die proletarischen Frauen sahen diesem Ausgeliefert-Sein nicht tatenlos entgegen: Sowohl bei der bürgerlich (-proletarischen) Revolution 1848 (siehe Praterschlacht) als auch bei der Verteidigung der Pariser Commune (1871) spielten Frauen eine große Rolle und kämpften bewaffnet mit. Es wurden revolutionäre Frauenclubs und eine Union der Arbeiterinnen gegründet. Diese mussten aber nach der Zerschlagung der Revolution wieder aufgelöst werden.

Für die sozialistischen Frauen war/ist die Möglichkeit der Befreiung der Frauen nur im Zusammenhang mit der Befreiung von Kapitalismus und Klassenherrschaft (dh. in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung) vorstellbar.

Sie organisierten sich innerhalb der ArbeiterInnen- und Gewerkschaftsbewegung und kämpften vor allem für Verbesserungen für Arbeiterinnen. "Sozialdemokratinnen haben es seit jeher als ihre Aufgabe betrachtet, gemeinsam mit den Männern der Partei gegen politische und wirtschaftliche Unterdrückung zu kämpfen. Gleichzeitig war ihnen immer klar, dass dieser Kampf, und sei er auch noch so erfolgreich, nicht automatisch auch die Überwindung patriarchalischer Strukturen bedeutet. Die österreichischen Sozialdemokratinnen haben den Anspruch auf eine eigene Frauenorganisation nie aufgegeben - aus der Überzeugung heraus, dass es in der jetzigen Gesellschaft Problemstellungen gibt, von denen Frauen in stärkerem Maße betroffen sind als Männer und die geschlossene Vorgangsweise von Frauen die Durchsetzung ihrer Forderungen erleichtert.“

...auch innerhalb der Partei

Beim Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Partei 1888 werden keine weiblichen Mitglieder zugelassen. Die einzige weibliche Delegierte, Anna Altmann, wurde abgewiesen. Später erinnerte sich sich: „Ich war damals in Österreich die einzige Agitatorin. Im Jahre 1889 wurde der Parteitag nach Hainfeld einberufen, und auch die Polzentaler Genossen wurden davon in Kenntnis gesetzt, mit der Aufforderung, zu delegieren. Ich wurde als Delegierte gewählt und erstattete nach Wien die Meldung. Die Wiener Genossen schrieben damals, dass sie einen männlichen Delegierten wünschen, die Frauen wären noch nicht so weit. Ich ließ es sein und dachte, 'wir geigen wieder'."

1898 betonte Clara Zetkin beim Gründungskongress der II. Internationalen die Notwendigkeit der engen Verbundenheit der proletarischen Frauenbewegung mit den revolutionären Arbeiterparteien und den Gewerkschaften.

Die proletarischen Frauen ließen sich nicht entmutigen: sie arbeiteten mit Flugblättern und Plakaten, in Fabriken, Betriebsversammlungen und auf der Straße. Sie wollten ihre Rechte mit Streiks und Agitation erkämpfen. Viele von ihnen hatten keine Ausbildung und arbeiteten seit Kinderjahren als ungelernte Hilfskräfte. Deshalb versuchten die sozialistischen Frauen über Bildungsvereine ihren Mitstreiterinnen politisches und praktisches Wissen zu vermitteln. 1890 wurde der Arbeiterinnen-Bildungsverein am Neubaugürtel gegründet. Dort fanden jeden Samstag ideologische Vorträge statt. Unter der Woche unterrichteten Lehrerinnen ehrenamtlich über Gesundheit und Schrifttum. Eine große Bibliothek stand den Frauen zur Verfügung. 1893 wurde der Bildungsverein durch den Lese- und Diskutierclub „Libertas“ abgelöst, der die gleiche Funktion erfüllte.

Forderungen

Zu den zentralen Forderungen der proletarischen Frauenbewegung gehörte die Reduzierung der Tagesarbeitszeit, ein Verbot der Kinderarbeit, die Vergesellschaftung der Hausarbeit, demokratische Gestaltung des Mutter- und Kinderschutzes. Sie forderten volle politische Rechte, also die Aufhebung der frauenfeindlichen Vereins- und Versammlungsrechte (Frauen durften bis 1911 keine Vereinsmitglieder werden) und das freie, gleiche und geheime Wahlrecht, besonders Frauenwahlrecht. Außerdem kämpften sie für die Gleichwertigkeit von Bildung, Beruf und Verdienst für Frau und Mann. Sie forderten die freie Wahl des Partners und freiwillige Eheschließung. Sie kämpften für Frieden und Abrüstung. Sie sahen die Frauenfrage als wesentlichen Teil der sozialen Frage. Sie ordneten die Frauenfrage der Klassenfrage unter.

Ab 1892 erschien die Arbeiterinnenzeitung. Ihre wichtigste Autorin, Schriftleiterin und Vorreiterin der österreichischen sozialistischen Frauen war Adelheid Popp.

Eine entscheidende Rolle spielte auch die deutsche sozialistisch-feministische Zeitschrift "Die Gleichheit", die ab 1891 (ab 1892 von Clara Zetkin) herausgegeben wurde. Eigene Frauenzeitungen waren nicht nur Zeichen für das Erstarken an Selbstvertrauen für die proletarischen Frauen, sondern auch ein innerparteiliches Signal: „Wir sind hier! Man(n) kann uns nicht übersehen!“

1893 kam es zum ersten von den Sozialistinnen organisierten Arbeiterinnenstreik in Gumpendorf. 600 Frauen demonstrierten 3 Wochen lang gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen mit den Behörden, ihre Zeitungen wurden zensuriert. Eine Ausgabe der Arbeiterinnenzeitung mit leeren Blättern machte unmissverständlich darauf aufmerksam.

Noch beim Linzer Parteitag 1898 wurde den Genossinnen jede eigenständige, politische Handlung abgesprochen. Ihre Aufgabe sei es, durch Bewältigung der Alltagssorgen den Genossen die Ausführung ihrer öffentlichen politischen Pflichten zu erleichtern. Frauen übernahmen in Partei und Gewerkschaft aufwendige organisatorische Aufgaben, während die politischen Richtlinien weiter von Männern festgesetzt wurden.

Erst 1902 kam es zu einer eigenen Struktur: Der „Verein sozialdemokratischer Frauen und Mädchen“ wurde gegründet. Ihre Gründerinnen waren Adelheid Popp, Gabriele Proft, Anna Boschek und Amalie Seidl.

Adelheid Popp

Adelheid Popp blieb sehr engagiert. Sie war eine Arbeiterin aus sehr ärmlichen Verhältnissen und machte Erfahrungen über die miserablen Arbeitsverhältnisse am eigenen Leibe. Mit 10 Jahren begann sie mit Heimarbeit, 12 Stunden täglich häkelte sie. Sie arbeitete danach in verschiedenen Fabriken (Korkstoppelfabrik und Metalldruckerei). Dazwischen erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und musste in die Psychiatrie. Dort wurde sie für „dauerhaft arbeitsunfähig“ erklärt. So landete sie mit 14 im Armenhaus. Sie sollte abgeschoben werden, aber ihre Mutter entschloss sich, sie an sich zu nehmen. Adelheid Popp arbeitete wieder in der Fabrik, aber unter besseren Bedingungen. Sie begann sich dort mit politischen Fragen auseinander zu setzen, bekam Kontakt mit der Sozialdemokratie, studierte Broschüren und Bücher. Bei einer Versammlung ergriff sie das Wort und ging auf die Notwendigkeit von Bildung für alle, vor allem aber für Frauen ein. Danach begann sie sich in der Partei und der entstehenden Frauenorganisation zu engagieren. Wenig später übernahm die Schriftleitung für die Arbeiterinnenzeitung.

Streitpunkt Wahlrecht

Nach 1905 wurde verstärkt die Forderung nach dem Frauenwahlrecht laut.

Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht brachte große Konflikte mit sich. Innerhalb der Frauenbewegung sowie innerhalb der Partei.

Obwohl die Forderung seit dem Brünner Parteitag 1891 im Programm der Sozialistischen Partei war, waren viele Genossen in der Partei skeptisch. Es müsse zuerst das „allgemeine“ Wahlrecht für Männer erkämpft und danach erst Frauenwahlrecht gefordert werden. Ansonsten hätte beides keine Chance auf Erfolg.    

Victor Adler kommentierte die Forderung des Frauenwahlrechts noch 1903 so: „.. es fragt sich, ob die politische Lage reif ist, um einen Feldzug für das Frauenwahlrecht zu unternehmen. Und da sage ich Ihnen rundweg, in Ländern wie Österreich, Belgien usw., wo das Männerwahlrecht noch nicht einmal erkämpft ist, wo wir alle Kraft auf diesen Punkt konzentrieren müssen, wäre es eine politische Torheit, diesen Kampf abzulenken auf einen Punkt, der voraussichtlich erst später zu erreichen sein wird. Von diesem Standpunkte der politischen Taktik muss ich sagen: Wir müssen bei jeder Gelegenheit erklären, dass wir für das Frauenwahlrecht sind, dass wir auch den ersten Schritt auf diesem Gebiete machen wollen, aber dass der letzte Schritt erst gemacht werden kann, wenn der erste Schritt gemacht ist, und der ist: die Erkämpfung des Wahlrechtes für die Männer.“

Auch innerhalb der Frauenbewegung wurde dem Frauenwahlrecht unterschiedliche Bedeutung zugemessen: die reformistischen Frauen glaubten dadurch die volle Gleichberechtigung erreichen zu können, während die revolutionären Frauen vor diesem Schein warnten (siehe dazu: Rosa Luxemburg: „Frauenwahlrecht und Klassenkampf" ). Sie sahen das Frauenwahlrecht als zentrale Forderung und als einen wichtigen Schritt zur Mitbestimmung, die endgültige Befreiung der Frau, so argumentierten sie, kann aber nur gemeinsam mit der Überwindung des Kapitalismus geschehen.

1907 fand in Stuttgart die erste sozialistische Internationale Frauenkonferenz statt, bei der es hauptsächlich um das Entwickeln von gemeinsamen Aktionen für den Kampf um das Frauenwahlrecht ging. Clara Zetkin wurde zur Vorsitzenden des Internationalen Frauensekretariats gewählt. Die Österreicherinnen waren dort mit Adelheid Popp vertreten, die es dem Ermessen der jeweiligen Länder überlassen wollte, das Frauenwahlrecht zugunsten des allgemeinen Männerwahlrechts hintan zu stellen.

Bei den Wahlen im Mai 1907 gelang es der Sozialdemokratie erstmals als stärkste politische Kraft mit 87 von insgesamt 510 Mandaten in den Reichstag einzuziehen. Die Frauen mussten trotzdem noch 11 Jahre auf ihr Wahlrecht warten.

Internationaler Frauentag


Bei der Frauenkonferenz der II. Internationalen 1910 in Kopenhagen beschlossen die Frauen auf Initiative von Clara Zetkin alljährlich einen Kampftag der Frauen zu begehen, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dienen und internationalen Charakter haben sollte. Der Internationale Frauentag, der heute noch am 8. März jedes Jahres gefeiert wird, war damit geboren.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Konferenz war der Kampf gegen den drohenden 1. Weltkrieg. Die sozialistischen Frauen riefen zur internationalen Solidarität der ArbeiterInnen auf, um den Krieg zu verhindern. Bekanntlich gab es aber im Endeffekt auch in den Sozialdemokratischen Parteien mehrheitlich eine Unterstützung für diesen Krieg.

Sowohl der erste als auch der zweite Weltkrieg brachte gesellschaftliche Umwälzungen, von denen Frauen –so zynisch es klingen mag- profitierten. Durch das Abziehen der Männer an die Front und die aufflammende Rüstungsindustrie kam es zu einem massiven Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit. Natürlich unter dementsprechenden Bedingungen. Während der Kriegsjahre war das Leben waren geprägt von Hunger und Elend und Tod, der Frauenlohn betrug weniger als die Hälfte des Männerlohns. Trotzdem erfuhren Frauen in dieser Zeit, dass all das, wovon man ihnen jahrhundertlang sagte, sie wären dafür nicht geeignet, Realität wurde. Frauen mussten harte Arbeit leisten und Frauen mussten sich selbstständig um das eigene Überleben und das ihrer Kinder kümmern.

Immer wieder gab es Proteste und Arbeitsniederlegungen gegen den Krieg. Der Internationale Frauentag 1917 stand unter dem Motto der Russischen Revolution „Friede und Freiheit".

Erst nach dem Krieg wurde in Österreich das Frauenwahlrecht eingeführt. Es kam erstmals 1919 zur Anwendung. Im März 1919 zogen acht Frauen in die gesetzgebende Versammlung ein: sieben Sozialdemokratinnen (Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schesinger, Amalie Seidel, Maria Tusch) und eine Christlichsoziale (Hildegard Burjan).

Auswirkungen der russischen Revolution auf die Frauenbewegung

Die Oktoberrevolution in Russland veränderte die Situation der Frauen in Russland entscheidend und schlug weltweit Wellen. Einerseits waren Frauen selbst maßgeblich an der Revolution beteiligt und andererseits gab es danach eine Reihe von Veränderungen zugunsten der Frauen: Gleicher Lohn, gleiches Recht auf Ausbildung, Scheidung und Legalisierung der Abtreibung. Außerdem wurde die Hausarbeit durch Errichtung von Volkskantinen und Kinderbetreuungsstellen vergesellschaftet. Das ermöglichte Frauen, erwerbstätig zu sein. Viele dieser Gesetze und Maßnahmen wurden von Stalin wieder rückgängig gemacht, Abtreibung wieder verboten und die Rolle der Frauen wieder auf die der Mütter und der Ehefrauen reduziert.

Erste Republik

Die Sozialdemokratinnen forderten in der Ersten Republik die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter ein. Einiges wurde umgesetzt, vieles davon wurde erst in der zweiten Republik umgesetzt und einige der Forderungen sind bis heute nicht erreicht: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, unbeschränkter Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten und Berufen, viele sozialpolitische Maßnahmen, Änderung des patriachalen Familienrechts, Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern, gemeinsame Erziehung beider Geschlechter oder die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs.

Auch innerhalb der SPÖ fanden die Forderungen Niederschlag. Seit 1919 existierte ein eigenständiges Frauenkomitee innerhalb der Partei, das auch über die Frauenkonferenz Beschlüsse fassen konnten. Ab 1920 organisierte die Partei „Frauenschulen“ um weibliche Mitglieder und Funktionärinnen ebenfalls Bildungsangebote zukommen zu lassen. Viele davon befassten sich allerdings nicht mit politischen Fragen, sondern mit medizinischen und hauhalterischen Inhalten. Nichts desto trotz gelang es den sozialistischen Frauen in diesem Zeitraum Frauen innerhalb der Partei zu stärken und sozialistische Männer von der Notwendigkeit des Kampfes umd die Gleichberechtigung der Geschlechter zu beeinflussen. Viele Forderungen fanden sich im „Linzer Programm“, das 1926 beschlossen wurde, wieder.

Faschismus

Ständestaat und Austrofaschismus

Die Illegalität der Sozialistischen Partei beendete auch die Organisation der sozialistischen Frauen. Viele Sozialistinnen beteiligten sich aktiv am Widerstand . Rosa Jochmann, Käthe Leichter und viele andere wurden verfolgt und kamen in Konzentrationslager.

Die Rolle der Frau in der nationalsozialistischen Ideologie


Das nationalsozialistische Frauenbild war eigentlich kein Frauen- sondern ein Mutterbild. Die Frau galt als ein naturbestimmtes Wesen. Daher sei „die Welt der Frau die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim" (Reden des Führers am Parteitag der Ehre 1936). „Das Eindringen der Frau in die Welt des Mannes" war für die Nationalsozialisten „eine Fehlentwicklung, die im Interesse der Frau wieder rückgängig gemacht werden musste". Die „Rückführung in den natürlichen Lebens- und Arbeitsbereich“ sollte aber nicht bedeuten, dass die Frau minderwertig ist. Die Propaganda versuchte genau das Gegenteil zu vermitteln, indem die traditionelle Rolle der Frau nicht nur gutgeheißen, sondern gefördert und ideologisch überhöht wurde. „Denn gerade ihr Muttertum, die Fähigkeit zur Mutterschaft ist es, was eine Frau dem Manne gleichberechtigt und überlegen macht". In ihrer Verantwortung lag, in den Augen der Nazis, der „biologische und der geistige Bestand des Volkes“.

Die Nationalsozialisten verbreiteten ein Uneigennützigkeitspathos, das in besonderem Maße den Frauen galt. „Die deutsche Frau, wie wir sie uns denken, muss, wenn es die Lage des Volkes erfordert, verzichten können auf Luxus und Genuss, sie muss arbeiten können, geistig und körperlich gesund sein, und sie muss aus dem harten Leben, das wir heute zu leben gezwungen sind, ein schönes Leben machen können". Das Pathos gipfelte in der Forderung nach dem „Recht des Dienendürfens" und sah für die Mutter in der Selbstaufopferung das höchste Glück. Dieses von den Nationalsozialisten propagierte Frauenbild warf die Frauen hinter das bisher von der Frauenbewegung erreichte weit zurück. Die Frau wurde wieder unter die Herrschaft des Mannes gestellt. Es wurden kleine, massenwirksame Maßnahmen getroffen, um dieses Ziel zu erreichen. Dazu gehörten zum Beispiel die Instrumentalisierung des Muttertags und die Stiftung des Mutterkreuzes ab 1938. Das Mutterkreuz als Symbol für die Reduktion der Frau auf ihre Fähigkeit, Kinder zu gebären und dem Staat als kostenlose Erzieherin „rassisch wertvollen", einsatzfähigem und gehorsamen „Menschenmaterials" zu dienen. Da nicht alle Frauen den propagierten Idealzustand als Mutter und Begleiterin des Mannes erreichen konnten, wurden für Frauen „arteigene" Berufe definiert. Diese lagen vor allem im pflegerischen und fürsorgerischen Bereich. Für das Verhältnis der Geschlechter zueinander und ihre Beurteilung galt das Prinzip „gleichwertig nicht gleichartig". Hieraus leitete sich die „artgemäße" häusliche und außerhäusliche Arbeitsteilung ab.

Im Lauf des zweiten Weltkriegs hielt die faschistische Propaganda der Frau als Hausfrau und Mutter in der Realität nicht stand. Nach und nach wurden immer mehr Frauen für die Rüstungsindustrie eingezogen und schufteten in Bereichen, die zuvor klar als „Männerberufe" deklariert waren.

Zweite Republik

Der Krieg hat massive Trennlinien in die Erfahrungen der Geschlechter gezogen: Fast alle Männer waren als Soldaten im Krieg. Frauen hatten mit der schwierigen Situation allein fertig zu werden. Auch nach Kriegsende waren viele Frauen auf sich allein gestellt: 240 000 gefallene Männer, 100 000 schwerverletzte Heimkehrer. Die Tatsache, dass viele Frauen während des Kriegs und auch danach oft alleinges „Familienoberhaupt" waren und für einige Jahre die Existenz der übriggebliebenen Familie sichern musste, brachte ein neues Selbstvertrauen mit sich.

Es gab ein verändertes Frauenbewusstsein. Wenn viele Frauen das neu gewonnene Selbstvertrauen kurz nach Kriegsende auch bewusst zurücksteckten, die heimgekehrten Männer pflegten und versuchten, sie nach dem "Frontschock" psychisch zu stabilisieren, so zeigt sich an der sprunghaft ansteigenden Scheidungsrate doch, dass viele alte Muster nicht mehr funktionierten. Die während des Krieges aufgebauten Erwartungen stimmten nicht mehr mit der Realität überein. Die Frauen entsprachen nicht den männlichen „Schützengrabenphantasien“ . Ließen sich im ersten Halbjahr 1945 nur 2000 Ehen scheiden, so waren es im zweiten Halbjahr 7500. Für viele ließ sich der im Krieg „erzwungene“ Emanzipationsschub in Richtung Selbstbehauptung, Zugewinn an Kompetenz und Konfrontation mit neuen Aufgaben nur schwer in das eigene Leben integrieren.

Ab 1948 kam es zu einem Mangel an Arbeitsplätzen, was diese Tendenz noch verstärkte: natürlich wurden zuerst Frauen entlassen. Sie fanden sich als Hausfrauen wieder.

Die Fünfziger und frühen Sechziger Jahre kann als die Blütezeit der Kernfamilie bezeichnet werden. Sie verdeutlicht die Sehnsucht nach Ruhe und Ordnung. Viele Frauen zogen sich bewusst zurück. Frauenzeitschriften rieten zum sich „schwach stellen“: „Zeigen wir uns ruhig einmal schwach, auch da, wo wir es gar nicht sind. Fragen wir um Rat und Unterstützung, beweisen wir durch Wort und Tat, dass wir den Mann brauchen, dass wir ja noch das beschützenswerte Geschlecht sind- und wie rasch wird sich der Beschützerinstinkt regen, wird der Mann seine Autorität fühlen und sie dann im Rechten Moment einzusetzen wissen.“  

Mit dem Babyboom der frühen 60er manifestierte sich das Modell Mann als Familienernährer, Frau als Mutter und Hausfrau.    

Eine Wende gab es erst in den Jahren von 1965-1975. Das „Wirtschaftswunder" brauchte viele neue Arbeitskräfte. Der Bedarf an weiblichen Arbeitskräften stieg und die Erwerbstätigkeit von Frauen nahm wieder zu. Auch wenn die ursprüngliche Motivation, arbeiten zu gehen in den meisten Fällen ökonomische Zwänge waren, ist die Arbeit immer auch ein Schritt in die persönliche Freiheit und Eigenständigkeit. Außerdem ist ökonomische Unabhängigkeit die Grundvoraussetzung für persönliche Freiheit.     

Die technischen Innovationen in den 60ern und 70ern brachten für den Haushaltbereich eine enorme Zeitersparung mit sich. Davon profitierten vor allem Frauen. Die Entwicklung der Waschmaschine oder auch fertige Babynahrung erleichterte das Leben von Frauen entscheidend. Der technische Fortschritt schaffte erst die Vorraussetzung für eine breite Frauenerwerbsarbeit.

Die Einführung der Pille in dem 60er-Jahren kam einer Revolution für die weibliche Sexualität gleich. Erstmals war es für Frauen möglich, sich zu entscheiden, ob sie Kinder bekommen wollen oder nicht und es oblag ihrer eigenen Kontrolle. Die Rolle der Mutter war von da an keine "automatische und natürliche" mehr. Frauen mussten fortan nicht bei jedem Geshlechtsverkehr Angst vor einer Schwangerschaft haben.

1968 – StudentInnenbewegung

Während die Studierendenrevolten in Österreich eher unspektakulär waren, spielten in den starken Bewegungen in Frankreich und Deutschland u.a. im SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) Frauen eine entscheidende Rolle. In dieser generellen gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung und den weitreichenden Forderungen für eine gerechte Gesellschaft war auch die Geschlechterfrage ein wesentlicher Aspekt.

In dieser Zeit zeigte sich wieder, wie schwer es sozialistische Frauen oft in den eigenen Reihen hatten und wie wenig Männer (auch in sozialistischen Organisationen) bereit waren, nicht nur verbal sondern im tatsächlichen Leben für Frauenanliegen einzutreten.

Auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS 1968 in Frankfurt kam es zum Eklat als Helke Sanders sich für den „Aktionsrat zur Befreiung der Frauen“ zu Wort meldete. Sie machte eindeutig darauf aufmerksam, dass Politik und Privatleben nicht getrennt voneinander verlaufen kann und prägt die Aussage, die von der Neuen Frauenbewegung aufgenommen wird: „DAS PRIVATE IST POLITISCH!“ (siehe dazu: Helke Sanders: Rede des Aktionsrates zur Befreiung der Frau , und Ulrike Meinhof: Frauen im SDS ). Nachdem die Reaktion der männlichen Genossen darauf mehr als höhnisch, beschlossen die Frauen autonome „Weiberräte", und Diskussionsrunden an denen ausschließlich Frauen teilnehmen durften, einzurichten. Diese Rede und ihre Folgen wird von vielen in Deutschland als die Geburtsstunde der Autonomen Frauenbewegung gesehen.

Legale Abtreibung: ein Thema bringt Frauen auf die Straße!

Zu Beginn der 70er Jahre bekam die Diskussion um die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruch internationalen Aufwind.

Im Jänner 1971 legte der damalige Justizminister Christian Broda einen Entwurf für ein neues Strafgesetz zur Fristenregelung vor. Es enthielt eine „Indikationenlösung“. Das heißt, der Abbruch sollte nicht prinzipiell straffrei sein, aber unter bestimmten Umständen (Indikationen) sollte von einer Bestrafung Abstand genommen werden. Vielen Frauen war dieser Entwurf zu wenig weitreichend. Am Muttertag 1971 gingen rund 100 Frauen für ihr Anliegen auf die Straße. Eine tragende Gruppe war der „Arbeitskreis Emanzipation der Frau“ in der Jungen Generation der SPÖ.

Das Thema Schwangerschaftsabbruch wurde nicht nur in Österreich heiß diskutiert. In Folge der Studierendenbewegung formierte sich in vielen Ländern die „neue Frauenbewegung“, die sich intensiv um das Thema bemühte.

In Österreich wurde Anfang der 70er Jahre die „Aktion unabhängiger Frauen“ (AUF) gegründet.

Im April 1971 veröffentlichte die französische Zeitschrift „Le Nouvel Oberservateur“ ein Manifest, in dem sich 343 bekannte Frauen (unter ihnen auch Simone de Beauvoir) öffentlich selbst bezichtigten, Abtreibungen vorgenommen zu haben. Im Juni desselben Jahres gelang es Alice Schwarzer  eine ähnliche Aktion im deutschen „Stern“ zu publizieren: 374 Frauen, darunter Romy Schneider, beteiligen sich daran.

In den anschließenden Jahren kam es immer wieder zu Demonstrationen und öffentlichen Bekundigungen für das Recht auf Selbstbestimmung.

In Österreich brauchte es noch vier Jahre und viele hitzige Diskussionen bis die Fristenregelung 1975 tatsächlich eingeführt wurde.

Die „neue“ Frauenbewegung

Immer stärker unterschied sich diese „neue“ Frauenbewegung von der „alten“. Sie stellten gesamtgesellschaftliche Verhältnisse in Frage, Rollenbilder sollten endlich über Bord geworfen werden. Natürlich gab und gibt es auch in dieser Bewegung unterschiedliche Zugäng.

Die neue Frauenbewegung geht auf die StudentInnenbewegung zurück und verstand sich zunächst als feministische Gegenkultur. Sie rückte Bereiche ins Blickfeld, die vorher nicht oder kaum beachtet wurden, wie die Gesundheitssituation von Frauen und ihre Sexualität, Gewalt gegen Frauen, die Situation von Frauen in Forschung und Lehre und Frauen in der Kultur. Sie widmete sich auch der Pornographie und Prostitution und den Problemen von Frauen am Arbeitsmarkt.

Es entstanden Frauenverlage, Frauenzeitschriften, Frauenbuchläden, Frauencafes, Frauenkulturgruppen, Frauenferienhäuser, Frauengesundheitszentren, Frauenhäuser und Notrufe für misshandelte und vergewaltigte Frauen und Mädchen.

Ein Teil der neuen Frauenbewegung vertrat das radikale Konzept der „Autonomie“. Das bedeutete für sie das Loslösen aus der patriachalen Gesellschaft. Sie schufen Freiräume für Frauen, zu denen Männer keinen Zutritt hatten. Sie verweigerten die Zusammenarbeit mit den „Verursachern“ der Unterdrückung. Sie waren der Meinung, Frauen können sich nur gegen die Unterdrückung wehren, wenn sie sich vollständig von der patriachalen Welt verabschieden.

Eine Front tat sich zwischen heterosexuellen und lesbischen Feministinnen auf. Nach dem Motto „Feminsimus ist die Theorie – Lesbianismus ist die Praxis“ warfen manche radikale Lesben den Hetero-Frauen vor, sie würden allein schon durch die Beziehung mit einem Mann Verrat an der Bewegung begehen und die einzig „wahren“ Feministinnen seien lesbisch.

Die neue Frauenbewegung hat in Österreich -abseits des Kampfes um die Legalisierung der Abtreibung- nie eine Massenbasis erreicht. Ein Grund dafür dürfte sein, dass viele Forderungen ihre Unterstützung und Umsetzung durch die sozialistische Alleinregierung fanden.

Die sozialistische Alleinregierung und die Rechtsreform

1970 erreichte die SPÖ die relative Mehrheit bei den Parlamentswahlen. Sie bildete eine Minderheitsregierung. Ein Jahr später kam es nach einer mit der FPÖ verhandelten Wahlrechtsreform zu Neuwahlen, bei denen die SPÖ die absolute Mehrheit gewann. Diese behielt sie bis 1983. In der Zeit der SPÖ Alleinregierung wurden zahlreiche Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern entwickelt und umgesetzt. Maßgeblich dazu beigetragen hat Johanna Dohnal. Zu Beginn der „Ära Kreisky“ noch Frauensekretärin der Wiener SPÖ-Frauen, ab 1979 erste Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und ab Jänner 1990 erste Frauenministerin in Österreich.

Soziale Maßnahmen wie Karenzgeld oder Sondernotstandshilfe für alleinstehende, arbeitslose Mütter zeigten neben dem sozialen Aspekt auch die gesellschaftspolitischen Hintergründe, mit denen die Politik für Frauen umgesetzt wurde. Frauen, die ohne Trauschein lebten, sollten von den Zwängen einer konservativen Gesellschaft befreit werden.    

1975 wurde in Österreich die Familienrechtsreform verabschiedet. Damit wurde das bis dahin rechtlich gültige patirachalische Versorgungszehemodell durch ein partnerschaftlich orientiertes ersetzt. Das davor gültige Recht, des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches aus dem Jahr 1811 hatte eine Form der Familie zur Rechtsnorm gemacht, die sich um das Vermögen bzw. den Erwerb des Mannes konstituierte und die Leitungsgewalt und der Führungsanspruch in der Familie dem Mann zugeteilt war: „Der Mann ist das Haupt der Familie. In dieser Eigenschaft steht ihm vorzüglich das Recht zu, das Hauswesen zu leiten; es liegt ihm aber auch die Verbindlichkeit ob, der Ehegattin nach seinem Vermögen den anständigen Unterhalt zu verschaffen und sie in allen Vorfällen zu vertreten." (ABGB §91, Alte Fassung von 1811). Außerdem war bis 1976 (also bis zum Inkrafttreten der Reform) österreichichisches Gesetz dass „die Gattin den Namen des Mannes erhält und die Rechte seines Standes genießt. Sie ist verbunden, dem Mann in seinen Wohnsitz zu folgen, in der Haushaltung und Erwerbung nach Kräften beizustehen und, soweit es die häusliche Ordnung einfordert, die von ihm getroffenen Maßregeln sowohl selbst zu befolgen als befolgen zu machen." (ABGB § 92, alte Fassung von 1811).     

Die Neuordnung der persönlichen Rechtswirkung der Ehe -die Familienrechtsreform- geht vom Grundsatz aus, dass Mann und Frau in der Ehe gleiche Rechte und Pflichten haben. Der Mann ist nicht länger „Haupt der Familie" und kann seiner Ehefrau nicht mehr verbieten, berufstätig zu sein. Hausarbeit wird erstmals als gleichwertiger Beitrag zum Unterhalt anerkannt, die EhepartnerInnen konnten nun erstmals auch entscheiden, ob sie den Namen des Mannes oder der Frau als Ehenamen führen wollten.     

Die Fristenregelung, und damit die Entkriminalisierung der Abtreibung, trat 1975 in Kraft. Bis dahin galt -mit Ausnahme der von „rassehygienischen" Prämissen getragenen nationalsozialistischen Bestimmungen- der berühmt-berüchtigte Paragraph 144 des Strafgesetzbuchs aus dem Jahr 1852: „Eine Frauenperson, welche absichtlich was immer für eine Handlung unternimmt, wodurch die Abtreibung ihrer Leibesfrucht verursacht oder ihre Entbindung auf solche Art, dass das Kind tot zur Welt kommt, bewirkt wird, macht sich eines Verbrechens schuldig." §145: „Ist die Abtreibung versucht, aber nicht erfolgt, so soll die Strafe auf Kerker zwischen sechs Monaten und einem Jahr ausgemessen; die zustande gebrachte Abtreibung mit schwerem Kerker zwischen einem und fünf Jahren bestraft werden." Im Rahmen der Fristenlösung kann in Österreich seit 1975 eine Schwangerschaft bis zum dritten Monat straffrei abgebrochen werden (danach nur noch aufgrund medizinischer Indikation). Vorraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch ist eine vorhergehende ärztliche Beratung und die Durchführung von einem Arzt oder einer ärztin. ÄrztInnen können sich aber aus Gewissensgründen weigern, eine Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Die tatsächliche Durchführung der Fristenregelung ist damit nicht in allen österreichischen Bundesländern gewährleistet.

Mit der Neuregelung des Kindschaftsrechts (1977 beschlossen, 1978 in Kraft getreten) wurde die „väterliche Gewalt" über die Kinder beseitigt. Vater und Mutter hatten fortan gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Auch Mütter waren ab dann berechtigt, Dokumente für ihre Kinder zu unterschreiben.    

Im Zuge der Neuordnung des Güterrechts (1978 beschlossen und in Kraft getreten) wurde die bis dahin geltende Rechtsvermutung, dass das während der Ehe erworbene Vermögen vom Mann stammt, eliminiert. Im Falle der Auflösung eine Ehe wurde die Teilung des in der Ehe erworbenen Vermögens vorgenommen.

1979 wurde das Gesetz über die Gleichbehandlung von Mann und Frau bei der Entlohnung beschlossen und eine Gleichbehandlungskommission eingerichtet, die bis heute als Anlaufstelle bei Nicht-Einhaltung existiert.

1979 bildete Bruno Kreisky die Regierung um. Er schuf vier neue Staatssekretariate, die alle vier mit Frauen besetzt wurden. Eine davon war Johanna Dohnal, fortan Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen im Bundeskanzleramt. Die Rekationen waren heftig. Die Partei reagierte auf diesen „Paukenschlag“ heftig. Kreisky zog es durch. Sein Fazit: „Bei der Todesstrafe und der Emanzipation der Frau darf man die Basis nicht Fragen.“ Nicht nur innerhalb der Partei war die Einsetzung der Frauen zutiefst umstritten, auch die Öffentlichkeit kommentierte die Poltikerinnen höhnisch: Vom „Vier Mäderl Haus“, von „Gehilfinnen“, von „Puppen“ oder vom „Damenquartett“ war in den Zeitungen zu lesen .

In diesen Jahren wurde von der sozialistischen Frauenbewegung nicht nur die formal-rechtliche Gleichstellung erlangt . Es wurden auch viele Themen enttabuisiert, die Frauen in ihrer Realität massiv betreffen. Viele Initaitiven der autonomen Frauenbewegung wurden unterstützt, Frauenhäuser errichtet und Kulturprojekte gefördert.

80er und 90er Jahre

Engagierte Feministinnen versuchten in dieser Zeit vor allem die Spannung zwischen „öffentlich" und „privat" abzubauen. Es ging ihnen darum, „die Öffentlichkeit zu femininisieren“. Das bedeutet einerseits auf „private" Probleme von Frauen aufmerksam zu machen und „öffentliche" Verantwortung dafür zu fordern. Erst 1989 wurde in Österreich die innereheliche Vergewaltigung unter Strafe gestellt (in Deutschland passierte eine Gesetzesänderung dahingehend übrigens erst 1996).

Kultur- und Kommunikationszentren waren verstärkt im Trend. Allerdings machten fehlendes Interesse, grundlegende Differenzen zwischen den feministischen Gruppen und personelle Schwächen der Bewegung zu schaffen. Viele „alte“ Feministinnen festigten ihr Engagement in politischen Organisationen. Der neuen Generation schienen die Konzepte der 70er-Jahre verstaubt zu wirken. Es kam zu Diskussionen über das „autonome“ Konzept das richtige ist. Der Separatismus wurde auch von anderen Feministinnen kritisiert. Viele Frauen verstanden die Abgrenzung nicht nur als eine von Männern, sondern auch als Abwendung von anders denkenden Frauen.

Ein wichtiger Punkt war auch das „präsent Machen" von Frauen in und durch öffentlichen Funktionen. In der kleinen Koalition von 1986-1986 gab es erstmals in der Geschichte Österreichs mehr als 10% Frauen bei den Nationalratsabgeordneten . Heute sind 34,8% aller Abgeordneten zum Nationalrat Frauen. Immer noch entspricht das keineswegs der Bevölkerungsstruktur, die der Nationalrat vertreten soll.

Ein weiteres Thema der Frauenbewegung war (und ist es bis heute) die traditionellen Berufsbilder aufzuweichen. Frauen arbeiten bis heute eher in Dienstleistungssektoren, die traditionell schlecht bezahlt sind. Mittlerweile gibt es viele Ansätze (vom Interesse-Wecken in der Schule und bei Berufsorientierung, bis zu speziellen Vereinen, die Mädchen und Frauen in „untraditionellen“ Berufen unterstützen) dem gegenzuwirken.      

Ein anderer Bereich, in dem seit den 80ern versucht wird, Bewusstsein zu schaffen, ist die Sprache. Frauen sollen auch in der Sprache präsent gemacht werden. Der Gedanke dahinter ist das Loslösen vom „Mitgemeint" sein, mitgemeint sein bei der männlichen Norm. Sprachwissenschaftlerinnen gaben Studien zu geschlechtsspezifischem Kommunikationsverhalten heraus, analysierten Geschlechterverhältnisse in heterogenen Gruppen und entwerfen Maßnahmen, um der Unterrepräsentation von Frauen gegenzusteuern.

Feministische Theorie

Das Ende des 20 Jhdt. brachte eine Vielfalt von neuen „Frauenthemen“ mit sich. Wissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung findet mittlerweile an vielen Universitäten interdisziplinär (dh. in vielen verschiedenen Bereichen u.a. Geschichte, Soziologie, Ethnologie, Jus) statt. Feministische Theorie und Gender Forschung entwickelten sich als selbständiger, wissenschaftlicher Zweig.

Weiterhin treffen viele feministische, unterschiedliche theoretische Zugänge aufeinander.

„Differentialistische“ Feministinnen gehen z.B. davon aus, dass Männer und Frauen von „Natur“ aus verschieden sind, und diese Unterschiedlichkeit nicht weggeredet werden soll, aber das auch kein Grund ist, ein Geschlecht zu benachteiligen. Sie sind für Gleichberechtigung, nicht aber für Gleichheit. Nur der „Wert“ die, den jeweiligen Eigenschaften zugeschrieben wird, müsse sich wandeln.

„Universalistische“ Feministinnen gehen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Menschen, und somit auch der Geschlechter aus. Nicht der biologische Unterschied, sondern die sozialen, ökonomischen und politischen Unterschiede sind die Ursachen für die Differenz der Geschlechter.

Seit den 90er Jahren dominierten „dekonstruistische“ Ansätze die feministische Debatte. Es wird von einer „Konstruktion“ des Geschlechts ausgegangen. „Wir werden nicht als Frauen geboren, wir werden dazu gemacht“. Menschen und Geschlechter sind nicht gleich. Aber sie sind nicht von Natur aus unterschiedlich, sondern weil sie je nach Geschlecht unterschiedliche Erziehung, Bildung, Erfahrungen und Kultur erleben. Es wird unterschieden in das biologische Geschlecht „Sex“ und das kulturelle „Gender“.

Und heute?

Nach aktuellen Schätzung der UNO erzeugen Frauen 80 % der Weltnahrungsmittel,
verrichten 2 Drittel der Weltarbeitsstunden, erhalten dafür 10 % des Welteinkommens, und besitzen 1 % des Welteigentums.

Selbst in Österreich sind die Unterschiede und Benachteiligungen von Frauen derart eklatant, dass von der „erreichten Gleichberechtigung“ keine Rede sein kann. In den letzten 150 Jahren wurde von Frauen vieles erkämpft und vieles erreicht. Aber es liegt an uns, das fortzusetzen.

Wer, wenn nicht wir – wann, wenn nicht jetzt?

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