Donnerstag 17. Mai 2012

Inhalt:

Unser Körper

Selbstbestimmt statt FremdbeHERRscht!

Für die körperliche Selbstbestimmung von Frauen


Selbstbestimmung – ein Begriff, der sehr viele Forderungen und Themen von feministischen Bewegungen in sich vereint und der seit Anbeginn des Kampfes von Frauen gegen Unterdrückung auch integraler Bestandteil der jeweiligen Ziele ist. Die Selbstbestimmung über sich selbst, den eigenen Körper, das eigene Leben ist nach wie vor etwas, das für Frauen nicht selbstverständlich ist. Schon gar nicht für Frauen in „Entwicklungsländern“, aber auch nicht für Frauen, die das – verhältnismäßige– Glück hatten, auf der „Sonnenseite“ des Kapitalismus geboren zu werden.

Nicht nur in sogenannten „Dritte- Welt- Ländern“ muss also noch viel getan werden, um ein gewisses Maß an weiblicher Selbstbestimmung gewährleisten zu können, auch hierzulande ist dieser Kampf noch lange nicht vorbei. Gerade in der letzten Zeit sind konservative, rechte Stimmen auf dem Vormarsch und versuchen in verschiedensten Bereichen, das Ruder herumzureißen und zurück in die Vergangenheit zu drängen.

Das Fehlen von Selbstbestimmung drückt sich in sehr vielfältiger Weise aus: In (sexueller) Unterdrückung, Rechtlosigkeit, gesetzlich und gesellschaftlich vorgeschriebener Abhängigkeit, dem Ausgeliefertsein von Gewalt, Genitalverstümmelungen oder sexuellem Missbrauch, Armut, Analphabetismus, fehlendem Recht auf Mitbestimmung, unzureichendem Zugang zu Verhütungsmitteln, dem Verbot von oder fehlenden Möglichkeiten für Schwangerschaftsabbrüche, der Unterrepräsentation von Frauen in Entscheidungsgremien und Führungspositionen, u.s.w.

Diese Aufzählung ist natürlich unvollständig. Je nach Region und Klassenzugehörigkeit treffen mehrere oder auch alle der genannten Aspekte mangelnder Selbstbestimmung auf die jeweiligen Frauen zu.

Nun stellt sich die Frage, warum trotz Jahrhunderte langem, weltweitem Kampf von Frauen noch immer keine Selbstbestimmung für Frauen – weder körperliche, noch soziale – tatsächlich gewährleistet ist. Obwohl man eigentlich meinen könnte, das die Gleichberechtigung der Frau mittlerweile etwas sein müsste, dem sich niemand entgegenstellen würde, ist in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall.

Die Gründe für diese Vielfältigkeit der verschiedenen Formen des Entzugs der weiblichen Selbstbestimmung und das Interesse daran, diese Verhältnisse aufrecht zu erhalten, haben einen gemeinsamen Nenner, unter dem und zugunsten dessen Unterdrückung passiert: Das System, in dem wir leben – der Kapitalismus.

Der Kapitalismus ist ein patriarchales System, das auf der Unterdrückung des Großteils der Menschen aufbaut – und ganz besonders der Unterdrückung der Frauen. Das Absprechen der Bestimmung von Frauen über sich Selbst stellt sich als ein grundlegendes, effektives Mittel heraus, um Interessen durchzusetzen und Profit zu wahren. Schließlich stellen Frauen in dieser Gesellschaft ein großes Potential an kostenloser oder billiger Arbeitskraft dar – je nach Bedarf. Unbezahlte Haus- und Pflegearbeit, die vor allem von Frauen verrichtet wird sowie der nach wie vor ungleiche Lohn, den eine Frau im Gegensatz zu einem Mann bekommt (rund ein Drittel weniger für die gleiche Arbeit), sind zwei Stützpfeiler einer ausbeuterischen Gesellschaft.

Um gewährleisten zu können, dass alles so bleibt wie es war – die Frau zu Hause, die unbezahlte Reproduktionsarbeit leistend, der Mann arbeitend für Lohn – wurden und werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einer weiblichen Selbstbestimmung und Emanzipation vorzubeugen.

Bereits erkämpfte Fortschritte wie das Recht auf Schwangerschaftsabbruch werden wieder in Frage gestellt und reaktionäre, katholische Gruppen stehen Sommer für Sommer in Österreich für den „Schutz des ungeborenen Lebens“ auf der Straße, während das Leben der Frauen damit in den Hintergrund gerückt wird. Hohe Politiker wie Bundeskanzler Schüssel („... bewundert euren Einsatz und sagt herzliche Grüße und ein gutes Gelingen und er ist sehr dankbar, was da gekämpft und gearbeitet wird.“ Grüße Schüssels an den pro – life – Weltkongress 2002) schließen sich den Forderungen der pro – life Bewegung an und stimmen damit dem erneuten Verbot von Abtreibungen, einem drastischen Eingriff in das grundsätzliche, körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frau, zu.

Auch in vielen anderen Bereichen wird Frauen permanent das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen bzw. durch gesellschaftliche Verhältnisse beeinträchtigt. Sei es durch Rollenbilder, die Frauen in vorgefertigte, geprägte Lebens- und Verhaltensweisen zwängen, sei es durch eine Arbeitswelt, die Frauen eine Verwirklichung ihrer individuellen Wünsche und Ziele verunmöglicht oder eine Gesellschaft, in der ein durch Medien und Werbung transportiertes Schönheitsideal Frauen in ihrer körperlichen Selbstbestimmung beeinträchtigt und ihnen aufzwingt, wie eine Plastik – Barbie mit unmöglichen Maßen aussehen zu wollen.

Durch solcherlei gesellschaftliche Reglementierung, deren Ziel ist, Frauen in ein Muster zu fügen, sie auszubeuten und zu unterdrücken wird das Selbstbewusstsein, vor allem aber das Körperbewusstsein von Mädchen und Frauen geschwächt, getrübt und verfälscht. Die Folgen sind so vielfältig wie die Formen der Unterdrückung, schlussendlich führen sie aber gemeinsam zu einer Diskriminierung der Frau in so gut wie allen Bereichen der Gesellschaft, die das kapitalistische System stützt.

Die Initiative „Selbstbestimmt statt frembeHERRscht!“ der Sozialistischen Jugend setzt sich mit dem grundlegenden Recht der Frauen auf körperliche Selbstbestimmung auseinander, das so vielen Mädchen und Frauen in dieser Gesellschaft abgesprochen wird und versucht, Perspektiven und Lösungen für eine selbstbestimmte, gleichberechtigte Existenz von Frauen aufzuzeigen.

Ein Schwerpunkt dieser Initiative, zu der die Sozialistische Jugend unter anderem eine Broschüre herausgegeben hat, ist das Auftreten gegen die radikalen AbtreibungsgegnerInnen von „Jugend für das Leben“. Aber auch das Eintreten gegen sexualisierte Gewalt, die nach wie vor an der Tagesordnung steht, der Kampf für eine befreite, gleichberechtigte Sexualität und für ein unbeeinträchtigtes, positives Verhältnis zum eigenen Körper statt Schlankheits- und Diätwahn ist in diesem Zusammenhang wichtig.

Also: Gemeinsam für weibliche Selbstbestimmung statt fremdbeHERRscht!

Kati Hellwagner


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