Rollenbilder
Die Unterschiede im Verhalten und der Interessen von Mann und Frau sind ein oft diskutiertes Thema. Die Frau, auch als das „schwächere Geschlecht“ bezeichnet, hat vorwiegend schön zu sein, ist verantwortlich für den Haushalt, die Kindererziehung, für das Kochen, etc. Es heißt wir sind schwach, oft ohne eigene Meinung, beeinflussbar, wir haben treu zu sein, sind angewiesen auf den „STARKEN“ Mann, nicht talentiert bzw. interessiert an technischen Sachen. Der Mann ist stark, intelligent, das „Familienoberhaupt“, versorgt seine Familie, indem er hart arbeitet; technisch begabt, selbständig, etc.
Was ist, wenn „Frau“ anders ist?
Wenn eine Frau zunimmt, lässt sie sich gehen. Wenn ein Mann dicker wird, dann bekocht ihn seine Frau gut. Wenn eine Frau eine Führungsposition eingenommen hat, dann ist sie ein „Mannsweib“. Wenn ein Mann eine Führungsposition erreicht, hat er viel und hart dafür gearbeitet. Wenn eine Frau Kinder hat und trotzdem ihrem Job nachgeht, dann ist sie „karrieregeil“ und eine „Rabenmutter“, weil sie ihre Kinder vernachlässigt. Wenn ein Mann arbeitet, ist das ganz normal. Wenn eine Frau fremdgeht, ist sie eine „Schlampe“. Wenn der Mann fremdgeht, dann fehlt ihm zuhause etwas und er kann gar nichts dafür, denn er muss doch seinen Trieb ausleben. Das sind einige wenige der typischen Rollenklischees, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind.
Wie werden wir dazu gemacht?
Kleinkindalter
Nach der Geburt wird zwischen Mädchen und Junge unterschieden und von diesem Moment an wird das Kind geschlechtsspezifisch behandelt. Weibliche Babys werden überwiegend als zart, hübsch und niedlich, als schwächer und ihren Müttern ähnlicher beschrieben, während die Jungen als robust, kräftig und widerstandsfähig gelten. Obwohl es wissenschaftlich erwiesen ist, dass sich Kinder bis zum zweiten Lebensjahr in ihrer Entwicklung und ihrem Verhalten nur kaum nach dem Geschlecht unterscheiden, werden sie jedoch schon im frühen Säuglingsalter unterschiedlich behandelt.
Die Geschlechtsrollenzuweisung erfolgt am offensichtlichsten, wenn die Eltern Spielzeug für ihre Kinder auswählen. Ein Mädchen bekommt vorwiegend Puppen und Gegenstände, die mit dem Haushalt zu tun haben. Jungs hingegen bekommen Autos, Eisenbahnen, Computerspiele, etc. Die berufsbezogenen Spielmöglichkeiten für Mädchen beschränken sich auf Krankenschwesternausrüstung, Koch- und Putzutensilien, einer Tafel, wo das Mädchen als Lehrerin ihre Puppen unterrichten kann, Verkaufsstand und Friseursalon. Dies führt meistens dazu, dass das Interesse der Mädchen für Technik gering ist, da sie es von Kind auf vermittelt bekommen, dass dies „Männersache“ ist. Auch bei Jungen wird später erkannt, dass sie die Haushaltsführung nur mangelhaft beherrschen und sie dies als „Frauensache“ betrachten.
Die Bedeutung des kindlichen Spielens für das weitere Leben ist enorm groß, da das Kind spielerisch auf das Leben als Erwachsener vorbereitet wird. Die typische Geschlechtsrolle im späteren Leben ist also vorprogrammiert! Das Mädchen wird auf Haushalt und Kinder vorbereitet und der Junge auf das Berufsleben. Die Eltern projizieren ihr Bild von dem, wie ein Mädchen oder ein Junge zu sein hat, auf ihre Kinder, indem sie ein Verhalten fördern, also zB dem Mädchen Anerkennung schenken, wenn es ihre Puppenkinder gut versorgt, oder ihr Ablehnung zeigen und sie zurechtweisen, wenn es mit Autos oder Plastiksoldaten spielt. Also sie fördern oder beschränken ihre Kinder dementsprechend in ihrem Tun.
Kinderbücher
Aber es sind nicht nur die Eltern, die ihren Kindern dieses geschlechtsspezifische Verhalten erlernen. Werden zB Kinderbücher betrachtet, so muss festgestellt werden, dass die meisten Bilder- und Kinderbücher noch immer ein eindeutiges Bild von den jeweiligen Rollenklischees vermitteln. Studien bestätigen, dass in Kinderbüchern nur etwa ein Viertel der Hauptpersonen Mädchen sind, dagegen sind sie zu zwei Dritteln in Nebenrollen zu finden. In Kinderbüchern kommen berufstätige Frauen nur selten vor und wenn, dann üben sie die typischen „Frauenberufe“ aus, wie zB Lehrerin, Krankenschwester, Bäuerin, oder Marktfrau. Mädchen werden überwiegend als ängstlich, schüchtern, tollpatschig und als nicht gerade klug dargestellt und meist sind sie auf die Hilfe der Mutter oder des Vaters angewiesen. Jungen werden hingegen als lebens- und unternehmungslustig, heldenhaft, stark und selbständig dargestellt. Die Mädchen bzw. Frauen werden in den Märchen und anderen Geschichten, aber nicht nur als schwach, abhängig und eitel dargestellt. Aber auch Negativfiguren werden fast nur von Frauen verkörpert. z.B.: die gefühlslose Stiefmutter, die böse Hexe.
Das Mädchen wird oft als zu schwach dargestellt, sich mit eigener Kraft z.B.: aus der Unterdrückung durch die Stiefmutter zu befreien und sie ist meist auf die Rettung durch den Märchenprinzen angewiesen, der sie von ihrem Schicksal erlöst. Dieses Bild kann nicht nur in Aschenputtel erkannt werden, es lässt sich leicht auf Rotkäppchen, Rapunzel, Schneewittchen, etc. übertragen. Mit zunehmendem Alter beginnt ein Mädchen sich mit diesen Rollen zu identifizieren und beginnt sie nachzuahmen.
Die Barbie
Hervorzuhebendes Beispiel eines Mädchenspielzeugs, das die Geschlechtsrollenzuweisung verdeutlicht, ist die „Barbie“. Sie fehlt wohl in keinem Mädchenzimmer. Die Barbie ist keine gewöhnliche Puppe, die an- und ausgezogen, bekocht und bemuttert werden kann. Die Barbie verkörpert eine makellose Frau, die einen perfekt proportionierten Körper hat (wenngleich auch der Busen etwas zu groß geraten, die Taille zu dünn und die Beine zu lang zu sein scheinen, um sie mit einer realen Frau vergleichen zu können). Neben Frisier- und Kleidungsmöglichkeiten bietet Barbie Anreiz für zahllose sexuelle Phantasien. Barbie wird geliebt. Die Gründe liegen klar auf der Hand. Sie trägt immer ein betörendes Lächeln im Gesicht, sieht immer gut aus (und das schon seit einem Vierteljahrhundert), sie ist das typische Beispiel für unvergängliche Jugend und Schönheit und sie hat Sex-Appeal.
Barbie vermittelt Mädchen, wie Frau zu sein bzw. auszusehen hat, um geliebt und begehrt zu werden. Als traurig ist aber anzusehen, dass Barbie zwar in purem Luxus lebt, jedoch nicht im Stande ist, auf eigenen Beinen zu stehen! Würde eine Frau tatsächlich die Proportionen der Barbie aufweisen, wäre sie nicht im Stande zu leben.







