Donnerstag 17. Mai 2012

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Theorie

Feminismus – brauch ma des nu?


Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt keine „Kleidungsvorschriften“ mehr, die Frauen z.B. das Tragen von Hosen anstelle von Röcken untersagen. Heute kann jede Frau für sich selbst entscheiden, was sie anzuziehen und wie sie zu agieren hat. Sie muss sich nicht mehr dem Diktat einer von Männern dominierten Gesellschaft unterwerfen. Aber entspricht diese Vorstellung wirklich der Realität? Sind Frauen des 21. Jahrhunderts wirklich keinen Beeinträchtigungen ausgesetzt?

Hier teilen sich die Ansichten. Ein Beispiel für konservative und reaktionäre Weltanschauung ist die Zeitschrift „Woman“, die alles bringt, was die moderne Konsumentin wissen muss. In ihr wird propagiert, dass das ganze „Emanzenzeugs“ Schnee von vorgestern sei und „Feministin und Emanze Schimpfwörter aus der Steinzeit“ seien. Außerdem vertritt sie die Meinung: „Wir brauchen keine Frauenquote, herzlichen Dank für die Idee, das waren Parolen unserer Mütter, mit denen wollen wir nichts mehr zu tun haben“.

Das Bild von lila Latzhosen tragenden und BHs verbrennenden Emanzen der 70er Jahre passt nicht in das stereotype Frauenbild der heutigen Gesellschaft und somit kann sich die moderne, Wonderbra tragende Frau von heute nicht damit identifizieren.

Frauenpolitik ist nicht überholt
Aber obwohl sich viele Frauen im „Woman“ und anderen, ähnlichen Magazinen über die „wirklich wichtigen“ Dinge informieren, dürften die Meinungen in Sachen Gleichstellungspolitik doch davon abweichen. Das belegt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Diese sagt aus, dass 2/3 der Bevölkerung noch Handlungsbedarf in punkto Gleichberechtigung sehen. Bei den Frauen sind es fast 80%.

Entgegen jeder Propaganda der „schon gleichberechtigten“ Frauen und der Männer die um ihren privilegierten Status bangen, ist Frauenpolitik nicht überholt, sondern sehr aktuell. 70% der befragten Frauen gehen laut Allensbach von gemeinsamen Interessen der Frauen aus. Und trotz einer insgesamt selbstbewussten Einschätzung ihrer persönlichen Situation halten 73% der Frauen eine organisierte Interessensvertretung für notwendig.

Insbesonders junge Frauen sind aufgeschlossen für Emanzipationsbestrebungen. Das zeigt ihre Reaktion auf Begriffe wie Emanzipation, Frauenquote und Feminismus. Für junge Frauen haben sie einen guten Klang. So reagierten 70% der unter 30-jährigen auf die Bezeichnung Emanzipation positiv, knapp über die Hälfte auf Feminismus und 48% auf Frauenquote.

Insgesamt hat die Identifikation von Frauen mit emanzipatorischen Zielen zugenommen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, schließlich sind Frauen in vielen Bereichen der Gesellschaft nach wie vor massiv benachteiligt. Und das einzige Mittel dagegen ist, gemeinsam, als Feministinnen und Sozialistinnen dagegen aufzutreten.

„Frauen, wacht auf! Was auch immer die Hürden sein werden, die man euch entgegenstellt, es liegt in eurer Macht, sie zu überwinden.“ (Olympe de Gouges)

Christine Utzig

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