Dienstag 7. Februar 2012

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Frauen Freiräume

Den Auftakt zur Gründung vieler verschiedener Frauenvereine in Österreich gab die bürgerliche Frauenbewegung. Karoline von Perin, eine Pionierin der österreichischen bürgerlichen Frauenbewegung gründete 1848 den „Wiener demokratischen Frauenverein“. (Dessen erste Versammlung musste abgebrochen werden, weil Männer, die es skandalös fanden, nicht teilnehmen zu dürfen, den Saal stürmten.


Den Auftakt zur Gründung vieler verschiedener Frauenvereine in Österreich gab die bürgerliche Frauenbewegung. Karoline von Perin, eine Pionierin der österreichischen bürgerlichen Frauenbewegung gründete 1848 den „Wiener demokratischen Frauenverein“. (Dessen erste Versammlung musste abgebrochen werden, weil Männer, die es skandalös fanden, nicht teilnehmen zu dürfen, den Saal stürmten.

Es gab zwar schon vor der Gründung dieses Vereins Zusammenschlüsse von Frauen, diese waren aber lose Verbindungen mit dem Zweck, karitative Arbeit zu leisten. Das lehnte Perin ab. Sie forderte die Gleichberechtigung von Frauen im Bereich der Bildung, soziale Gleichberechtigung und das allgemeine Wahlrecht. Aus der Notsituation der Wirtschaftskrise in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts heraus entstand der „Allgemeine Österreichische Frauenverein“. Gegründet wurde er 1893 von Auguste Fickert, Marie Lang und Rosa Mayreder. Dieser machte, im Gegensatz zu anderen bürgerlichen Frauenvereinen, soziale Unterschiede zum Thema und stellte die Strukturen der Wirtschaft und Gesellschaft in Frage.

Einen weiteren Schritt unternahm Marianne Hainisch. Sie gründete 1902 den „Bund Österreichischer Frauenvereine“, ein Zusammenschluss von zunächst 13 Frauenvereinen in Österreich. Bis zur Auflösung des Bundes durch die NSDAP traten über hundert weitere Vereine bei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu vielen Gründungen von Frauenvereinen, die später als „bürgerliche Frauenbewegung“ zusammengefasst wurden. Doch die proletarische Frauenbewegung blieb nicht untätig. Auf Grund der Tatsache, dass viele Arbeiterinnen keine Ausbildung hatten und seit ihrer Kindheit als ungelernte Arbeiterinnen beschäftigt waren, engagierten sich sozialistische Frauen, um ihren Mitstreiterinnen über Bildungsvereine politisches und praktisches Wissen zu vermitteln.

1890 wurde zu diesem Zweck der Arbeiterinnen-Bildungsverein gegründet. Dort fanden ideologische Vorträge statt und Lehrerinnen unterrichteten ehrenamtlich Themen wie Gesundheit und Schrifttum. Außerdem stand den Frauen eine große Bibliothek zur Verfügung. 1893 wurde der Bildungsverein durch den Lese- und Diskutierclub „Libertas“ abgelöst, der die gleiche Funktion erfüllte.

Die Reaktion – vor allem von Seiten der Männer – auf frauenspezifische Vereine hat sich seit damals größtenteils nicht geändert. Was sich jedoch geändert hat, ist die Vielfältigkeit des Angebotes. Neben zahlreichen „Frauenreferaten“ von Organisationen wie z.B. dem Arbeitsmarktservice oder den einzelnen Landesregierungen, findet nahezu jede Frau mindestens eine Vereinigung, die ihren Interessen und Bedürfnissen entspricht. Von arbeitsmarktpolitischen Beratungs- und Förderstellen, über Betreuungseinrichtungen für Opfer männlicher Gewalt, bis zu gastronomischen Freiräumen wie Frauencafés oder –restaurants ist alles vorhanden. Dazwischen liegt noch eine breite Masse anderer Verbände, die sich mit speziellen Dingen wie u.a. Selbstverteidigung, Krieg, Medien, Lesbianismus oder Frauen- bzw. Geschlechterforschung oder –geschichte befassen. So sieht die Lage in Wien aus. Diese bunte Palette ist jedoch nicht in jedem Bundesland in der Fülle vorhanden. Im Burgenland sieht es im Vergleich dazu katastrophal aus. Dort sind nur wenige Vereine und Beratungsstellen zu finden. Der größte Teil beschränkt sich auf das Standardrepertoire wie Beratung bei Beschäftigungsfragen, berufliche Weiterbildung, Gewalt/sexueller Missbrauch oder Belästigung, Suche nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Konflikte in Familien und psychische und juristische Beratung. Bis auf eine lesbisch-separatistische Zeitung gibt es keinen Verein, der sich nicht auf die oben genannten Themen spezialisiert hat. Das einzige Bundesland neben dem Burgenland, dass ein ähnlich karges Angebot an Freiräumen bietet, ist Niederösterreich.

Sonst sind neben Frauentreffs und –beratungsstellen auch ausgefallenere Freiräume vorhanden. In Wien gibt es unter vielen anderen nennenswerten Vereinigungen z.B. den Frauen und Mädchen Tanzclub „Resis.Dance“ oder das feministische Übersetzerinnenkollektiv „gender et alia“. Mehrere Bundesländer haben auch gastronomische Freiräume. Besonders interessant ist diesbezüglich das mobile Internetcafé für Frauen in Graz. In Tirol haben sich ein paar Frauen etwas Einzigartiges ausgedacht. Sie schufen die erste Kletterschule für Frauen, die „Avventura Donna“.

Es gibt noch sehr viele weitere interessante Verbände, es sind nur zu viele, um alle zu erwähnen. Listen mit in Bundesländer gegliederten Organisationen sind aufwww.ceiberweiber.at/adressen/ zu finden.

Christine Utzig 

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