Mittwoch 22. Mai 2013
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Inhalt:

Verein Jugendlicher Arbeiter

Start einer Erfolgsstory

[die geschichte der sozialistischen jugend österreich]

 

Vor 110 Jahren, im November 1894, wurde die Sozialistische Jugend Österreichs gegründet. Sie ging aus dem "Verein Jugendlicher Arbeiter" hervor, der sich am 4. November 1894 in Wien Margareten im Gasthaus Hamberger konstituierte. Bereits 1893 wird von zwei Jugendgruppen berichtet, die in Ottakring und Hernals ihre Tätigkeit entfalteten. Die Hauptbeschäftigungen der Lehrlinge in der Ottakringer Vereinigung "Bücherskorpion" und der Hernalser Gruppe “Jugendbund" bestanden in gemeinsamem Lernen, Lesen, in Rechtschreibübungen und Vorlesungen aus den Werken revolutionärer SchriftstellerInnen. Soziale und politische Fragen gelangten dabei immer häufiger auf die Tagesordnung, weil ihr eigenes Los die Lehrlinge täglich daran erinnerte.

 

Anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung der beiden Jugendgruppen wurde die Idee, einen gemeinsamen Verein zu gründen, erstmals thematisiert. Mit Unterstützung einiger FunktionärInnen aus der ArbeiterInnenbewegung wurde die organisatorische und inhaltliche Arbeit aufgenommen. Am 3. Juni 1894 wurde bereits zu einer Gründungsversammlung im traditionsreichen Ottakringer Versammlungslokal "Zur Roten Brezen" eingeladen, bei der die Lehrlinge einen Ausschuss wählten, der den Auftrag erhielt, Satzungen auszuarbeiten und bei der Statthalterei die Genehmigung zur Vereinsgründung einzuholen.

 

Am 4. November 1894 erfolgte schließlich die Vereinsgründung und die Vorstellung des Vereins in der Öffentlichkeit. Im Gründungsflugblatt hieß es dazu: "Jedes Tier hat seinen Beschützer, das sind die Tierschutzvereine, die dafür sorgen, dass das Pferd nicht unnötigerweise vom Kutscher geschlagen wird; die Vögel haben ihre Beschützer, die dafür sorgen, dass sie im Winter ihr Futter finden; und existiert für den Lehrling etwa ein Verein, der dafür sorgt, dass er nicht unmenschlich behandelt wird? Nein!"

 

Ab dem 4. November 1894 existierte jedenfalls auch für die jungen Menschen ein Verein zum Schutz und zur Vertretung ihrer Interessen. Dieses Datum markiert auch den Beginn einer Erfolgsstory, die - mit Höhen und Tiefen - bis zum heutigen Tage andauert. Mit der Vereinsgründung wurden auch die Voraussetzungen geschaffen, dass die Probleme und Forderungen der Jugendlichen auch und gerade in der sozialdemokratischen Partei zum Thema gemacht wurden. Die Jugendlichen mussten sich nämlich ihren Platz in der ArbeiterInnenbewegung zuweilen gegen den Widerstand von Teilen der Partei und der Gewerkschaften erkämpfen, die den Wert einer ArbeiterInnenjugendbewegung anfänglich noch nicht in vollem Ausmaß erkannten.

 

Noch 1902, anlässlich des Erscheinens der ersten Nummer der Zeitung der Jugendlichen, "Der Jugendliche Arbeiter", äußerte Ludwig August Bretschneider, ein Exponent der österreichischen Sozialdemokratie, seine Besorgnis über die Tätigkeit des Vereins der jugendlichen Arbeiter. Auf späteren Parteitagen und Gewerkschaftskongressen ist das Recht der Jugend auf eine eigene Organisation oftmals noch hinterfragt worden oder es verbarg sich eine distanzierte Haltung hinter insistenter Kritik. Dieses Misstrauen konnte jedoch überwunden werden. Die sozialistische ArbeiterInnenjugend-Bewegung ist in nur wenigen Jahren zu einem tragenden Element der gesamten österreichischen ArbeiterInnenschaft geworden.

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