Mittwoch 8. Februar 2012
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Faschismus

Blutige Februartage im Mühlviertel


Der im März 1944 vom Oberkommando der Deutschen Wehrmacht herausgegebene geheime Keitel-Erlass besagte, dass alle nicht-arbeitenden Kriegsgefangenen, Unteroffiziere und Offiziere, mit Ausnahme von Engländern und Amerikanern, die bei einem Fluchtversuch ertappt wurden, der so genannten „Aktion K“ zugeführt werden sollten. Das „K“ stand dabei für das Wort „Kugel“, was bedeutete, dass die Betroffenen mit einem Genickschuss hingerichtet werden sollten.

Bei den meisten Gefangenen, die unter diesen Erlass fielen, handelte es sich um sowjetische Kriegsgefangene. Sie wurden entweder sofort liquidiert oder in das Lager der „Stufe III“, dass Konzentrationslager Mauthausen, eingewiesen. Insgesamt sind von März 1944 bis Februar 1945 etwa 4700 „K-Häftlinge“ in das KZ Mauthausen überstellt worden, ohne dass sie dort – im Gegensatz zur normalen Prozedur – namentlich erfasst wurden.

Im KZ Mauthausen wurden die „K-Häftlinge“ im Block 20 untergebracht, der vom restlichen Häftlingsbereich durch eine 2,5 Meter hohe Steinmauer mit starkstromführendem Stacheldraht isoliert wurde. Bewacht wurde die Baracke von 2 mit Maschinengewehren ausgestatten Wachtürmen aus. Die Häftlinge bekamen kaum zu essen, ärztliche Versorgung gab es für sie keine. Die meisten wurden nicht wie vorgesehen erschossen, sondern zu Tode misshandelt oder man ließ sie verhungern.

Der Ausbruch

Im Jänner 1945 plante eine Gruppe der gefangenen sowjetischen Offiziere den Ausbruch des gesamten Blocks aus dem Konzentrationslager, nachdem sie vernommen haben, dass der gesamte Block aufgrund der herannahenden Front in Kürze zur Gänze liquidiert werden sollte. Geplant wurde der Ausbruch für die Nacht von 28. auf 29. Jänner 1945. Der Ausbruchsversuch wurde aber offenbar verraten und am 27. Jänner wurden unter 25 Häftlingen auch all jene ermordet, die diesen Plan aufgestellt hatten.

Dennoch wurde der Ausbruch in der Nacht von 1. auf 2. Februar 1945 durchgeführt. Mit Feuerlöschern und Wurfgeschossen (Seife und Kohlestücke) wurden die Wachen auf den Wachtürmen außer Gefecht gesetzt, mit nassen Decken wurde der starkstromführende Stacheldraht kurzgeschlossen und die Häftlinge flüchteten über die Mauer. Etwa 75 Häftlinge konnten an der Flucht nicht teilnehmen, weil sie zu schwach dazu waren. 100 weitere starben noch vor der Überwindung der Außenmauer, beziehungsweise kurz danach. Die Zurückgebliebenen wurden noch in der selben Nacht von der SS ermordet.

All jene, die die ersten Meter überlebt hatten, versuchten weiter in Richtung Norden, zur tschechischen Grenze zu fliehen. Von der SS wurde sofort eine Großfahnung eingeleitet, wobei die Weisung ausgegeben wurde, die „Wiederergriffenen nicht lebend ins Lager zurückzubringen“. Die folgende Menschenhatz, die ungefähr 3 Wochen dauerte, ging später unter dem von der SS geprägten Terminus „Mühlviertler Hasenjagd“ in die Geschichte ein. Beteiligt haben sich neben SS, SA und Hitlerjugend auch der Volkssturm und Teile der Bevölkerung.

Widerstand

Unter Gefährdung ihres Lebens gab es aber auch Menschen, die Widerstand leisteten, indem sie den SS-Anordnungen nicht Folge leisteten, den Häftlingen Kleidung oder Lebensmittel zukommen ließen und einige wenige, die den Mut aufgebracht haben und Häftlinge versteckten. Letztendlich haben von den mehr als 500 Geflohenen nur 11 die Menschenhatz überlebt. Alle anderen wurden ermordet oder starben an den Folgen der schweren Misshandlungen im Konzentrationslager.

Sabine Schatz

Trotzdem April 2005

Weiterführende Materialien:

Die Hatz – Bilder zur Mühlviertler Hasenjagd, Thomas Karny, Edition Geschichte der Heimat, 1992
Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, Hans Marsalek
Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen, Film von Andreas Gruber, 1994

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