Mittwoch 8. Februar 2012
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Faschismus

Nationalsozialismus nach 1945 in Österreich


Im Jahr 2005, dem großen Gedenkjahr wird in Österreich stolz zurückgeblickt; Wie heldenhaft der Staatsvertrag erkämpft wurde, wie meisterhaft diverse Krisen gemeistert wurden und, und, und. Die Bundesregierung nutzt diesen Anlass, um in Eigenlob zu baden. Wohin mensch auch schaut, Jubel, Trubel und Heiterkeit überall. Die kritischen Stimmen gehen unter.


Kratzt man jedoch ein bisschen an der Oberfläche der Feststimmung, wird einem/einer ziemlich schnell klar, wie verlogen der Jubel eigentlich ist und wie Recht die kritischen Stimmen haben. Vor allem die Aufarbeitung der Nazi-Herrschaft in Österreich geschah in den letzten 60 Jahren nur sehr schleppend.

Tatsächlich war es so, dass 700.000 ÖsterreicherInnen Mitglieder der NSDAP gewesen waren, dazu kamen deren Familien und zahlreiche SympathisantInnen. Im Mai 1945 beschlossen die Gründerparteien der 2. Republik, SPÖ, ÖVP und KPÖ, die Neugründung der NSDAP sowie jegliche Wiederbetätigung zu verbieten. Auf Druck der Alliierten wurde die so genannte „Entnazifizierung“ beschlossen, d.h. die Säuberung der Gesellschaft von AnhängerInnen der NSDAP. Die Strafen für ehemalige Nazis sahen, je nachdem wie tief sie in die Nazi-Verbrechen verwickelt waren, etwa Berufsverbot oder Entzug des Wahlrechts vor.

1 Million ÖsterreicherInnen konnten also dem nationalsozialistischen, neben Rot und Schwarz das dritte, Lager zugerechnet werden. Mit dem Aufkommen des Kalten Krieges wurde der Antikommunismus bald wichtiger als der Antifaschismus. Das kam den NationalsozialistInnen, die sich ja stets als VorkämpferInnen gegen den Bolschewismus verstanden, entgegen. Die Entnazifizierung konnte unter diesen Umständen nicht funktionieren, auch weil sich PolitikerInnen aller Parteien für diese riesige potentielle WählerInnengruppe zu engagieren begannen.

1948 wurden die meisten Ex- Nazis amnestiert und wieder in die Gesellschaft integriert. Das bedeutete jedoch nicht das Abrücken der Ehemaligen von ihrer faschistischen Ideologie. Diese konnten sie weiterhin, wenn auch nur im mehr oder weniger Verborgenen, pflegen.

Mehr im Verborgenen pflegten es diejenigen, die sich den großen Parteien, der SPÖ und der ÖVP, anschlossen und in diesen, bzw. im Umfeld dieser Parteien zum Teil Karriere machten. Offener zu ihren politischen Wurzeln konnten diejenigen stehen, die sich 1948 im Verband der Unabhängigen (VdU) zusammenfanden. Der VdU war von Anfang an ein Auffangbecken für die ehemaligen Nazis, die bei ÖVP und SPÖ keine politische Heimat fanden. Aus dem VdU ging 1955 die FPÖ hervor. Daneben wurden faschistische Traditionen vor allem in soldatischen Verbänden, wie etwa der Kameradschaft IV, einem Zusammenschluss ehemaliger Waffen- SS-ler, gepflegt.

Ab 1955 war es vor allem die FPÖ, in deren Reihen das Gedankengut der Ehemaligen an jüngere Generationen weitergegeben wurde. In der FPÖ-Führung folgte auf den ersten Vorsitzenden Reinthaller, der SS-Brigadeführer war, der ehemalige Angehörige der berüchtigten I. SS-Infanteriebrigade, Friedrich Peter. Die beiden großen Parteien ÖVP und SPÖ sahen keine Notwendigkeit, sich mit dem dunklen Kapitel „Faschismus in Österreich“ zu beschäftigen. Ein Grund war, dass in ihren Reihen viele Ehemalige inzwischen gut integriert waren. Ein anderer war, dass die ÖVP ja selbst großen Anteil an diesem Kapitel hatte, und viele ihrer WürdenträgerInnen schon im austrofaschistischen Ständestaat, der 1933 bis 1938 den Boden für die Nazis bereitete, Machtpositionen innehatten.

Erst die Wahl des SA-Veteranen und ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten Mitte der 80er Jahre löste breite gesellschaftliche Diskussionen über die Rolle Österreichs bzw. der ÖsterreicherInnen während der Nazi-Diktatur aus. Eine umfassende Aufarbeitung, die auch weite Teile der Gesellschaft mit einband, wurde auch dadurch nicht ausgelöst.

Die blau-orangen Bundesräte Kampl und Gudenus haben vor kurzem wieder deutlich gemacht, welchem Geist das freiheitlich-zukunftsbündlerische Lager anhängt. Von brutaler Nazi- Verfolgung nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sprach Kampl. Und Gudenus leugnete die Existenz von Gaskammern innerhalb der damaligen deutschen Grenzen. Und die Schüssel- Regierung stützt sich auf die Stimmen der beiden im Bundesrat.

In den letzten Monaten gab es aber auch positive Signale aus der Politik. Die SPÖ etwa ließ untersuchen, in wie weit nach dem 2. Weltkr

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