Braune Schwestern
Frauen im Nationalsozialismus
Im dritten Reich galten Frauen überwiegend als „natürliche Gefolgschaft" des Mannes, und ihre Hauptaufgabe bestand im Gebären von rassisch reinen Kindern. Bildung und Ausbildung der jungen Mädchen wurde darauf beschränkt, sie auf ihre Aufgaben als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Die Ehe und somit die Familie dienten nur der Stärkung und dem Wachsen der Volksgemeinschaft. Am Arbeitsmarkt wurden Frauen nur nach den wirtschaftlichen Notwendigkeiten eingesetzt. Erst während des Krieges, als die Männer an der Front waren, bestand Nachfrage an Frauenarbeit.
Ebenso wie Jungen und Männer waren auch die Frauen entsprechend organisiert. Um nicht in der Gesellschaft benachteiligt zu werden, waren Mädchen und Frauen gezwungen, den verschiedenen Organisationen beizutreten. Gegliedert nach Altersgruppen gab es drei verschiedene Organisationen: Die Jungmädchen, den Bund deutscher Mädel (BDM) als Gegenstück zur Hitlerjugend (HJ) und eine dritte Gliederung namens „Glaube und Schönheit". Erst dann war der Eintritt in die NS-Frauenschaft möglich.
In Konzentrationslager wurden Frauen aus denselben Gründen wie Männer eingewiesen. Das bekannteste Frauenkonzentrationslager war das KZ Ravensbrück, in dem insgesamt annähernd 200.000 Frauen inhaftiert waren. Neben der generellen Entwürdigung und Entweiblichung der Frauen im KZ wurden viele von ihnen in den Lagern auch zur Prostitution gezwungen.
Frauen wurden lange Zeit ausschließlich als Opfer des Nationalsozialismus betrachtet, doch wurde in den 80-iger Jahren herausgefunden, dass es durchaus Möglichkeiten gegeben hat, sich als Täterin zu beteiligen. Vor allem Fürsorgerinnen, die wichtige Daten sammelten, Krankenschwestern, die Aktionen in Tötungskliniken für psychisch kranke Menschen unterstützten und Sekretärinnen, die Verfolgungen und Deportationen organisierten, kann man zu den MittäterInnen zählen. Viele Frauen profitierten auch von den Enteignungen verfolgter Menschen (Häuser, Wohnungen, Wertsachen, etc.).
Vor allem bei den Berichten über den Widerstand wird die Rolle der Frau völlig ausgeklammert. Vorwürfe, dass Frauen nie wirklich gegen den Feind gekämpft hätten, sondern nur weiblichen, passiven Widerstand (z.B. als Sanitäterinnen) geleistet hätten, wurden häufig laut. Doch tatsächlich waren viele Frauen wichtige Mitglieder der Widerstandsbewegung und nahmen auch an Aufständen in KZs teil.
Frauen in der aktuellen rechten Szene
Rechtsextremismus und rechtsextreme Aktivitäten sind immer noch von Männern dominiert. Doch es beteiligen sich immer mehr Frauen und Mädchen in rechten Organisationen. Frauen, die in rechten Organisationen aktiv sind, agieren meist im Hintergrund und fallen höchstens durch Propagandadelikte auf. Grundsätzlich sind Frauen für rechtsextreme Einstellungen nicht weniger anfällig als Männer.
Was Frauen an der aktuellen Rechten anzieht, sind die Modernisierungsversuche im Bereich der Geschlechtergleichberechtigung. In der rechten Szene finden sich Ansätze von feministischen Positionen (wie z.B. Kritik an Sexismus, Ablehnen von Frauenhandel, etc.). Hier lassen sich eindeutig Parallelen zu linken Standpunkten aufweisen, jedoch muss erkannt werden, dass die Ideologien, die dahinter liegen, keinesfalls gleich zu setzen sind. Die Ausgangspunkte der rechten Theorien sollen immer nur für die „deutsche Volksgemeinschaft" gelten. Unter Sexismus wird z.B. nur die Bedrohung der deutschen Frau durch „fremde Männer" verstanden, was zugleich auch deren rassistische Standpunkte widerspiegelt.
Wenn man aber von den oberflächlichen Ähnlichkeiten absieht, kommt man zu dem Schluss, dass keine Überschneidungen von linken mit rechten Ideologien möglich sein können. Diese Modernisierungsversuche finden sich auch in den Programmen österreichischer rechter Parteien. Sie wollen damit ihre gesellschaftliche Akzeptanz vergrößern und mehr weibliche Wählerinnen gewinnen.
Seit Ende der 1990er Jahre steigt die Zahl rechtsextremer Frauengruppen ständig. In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere rechte Frauenorganisationen. Während der Freie Mädelbund (FMB) sich vor allem der Betreuung von inhaftierten Neonazis und ihren Angehörigen widmet und zur Teilnahme „am Kampf für Deutschland" aufruft, vertritt die Gemeinschaft deutscher Frauen (GDF) ein reaktionäres Frauenbild und sieht die zentrale Rolle der Frau im Kinderkriegen/-erziehen und in der Unterstützung des Mannes.
Der nationale Sanitätsdienst Braunes Kreuz ist 1998 aus dem selbst aufgelösten Skingirl Freundeskreis Deutschland (SFD) entstanden und kümmert sich um die medizinische Erstversorgung von nationalen DemonstrationsteilnehmerInnen. Das Braune Kreuz ist keine reine Frauengruppe, wird aber von vielen Neonazi-Frauen unterstützt.
Vor allem die Frauenorganisation Mädelschar Deutschland und die Frauen der Fränkischen Aktionsfront (F.A.F.) weisen moderne Tendenzen im Bezug auf frauenspezifische Themen innerhalb der Rechten auf. Sie setzen sich nicht nur mit Themen wie Mutterschaft, Abtreibung, Kinder und Familie auseinander, sondern streben auch ein Frauenbild an, das die Frau als modern, anständig, selbstbewusst, national und deutsch darstellt.
Das bekannteste Frauenmagazin in der rechtsextremen Szene, das auch als Online-Ausgabe erscheint, ist die „Triskele" (die Triskele ist ein heidnisches Symbol, das in eckiger Form einem dreiarmigen Hakenkreuz ähnelt). Im Internet finden sich sowohl „Aktionsberichte" als auch ein Bereich namens „Kultur und Brauchtum" sowie ein Bereich „Mutter und Kind" mit Tipps für junge Mütter, Spielen und Rezepten.
In Österreich sind Frauen in rechten Sport- und Kulturorganisationen, wie dem „Österreichischen Turnerbund" vertreten. Der ÖTB baut laut seinen Leitsätzen auf den „zeitlosen Grundlagen des Turnens nach Friedrich Ludwig Jahn" auf und möchte seine Mitglieder zu „heimat-, volks- und staatsbewussten Menschen" erziehen, die das „deutsche Volkstum und das heimische Brauchtum" pflegen und fördern. Der „Turnerwahlspruch" lautet seit 1846 "Frisch, fromm, fröhlich, frei" (4 F-Turnerkreuz) und der „Turnergruß" seit 1817 "Gut Heil!".
Das weibliche Gegenstück zu den Burschenschaften ist die Wiener akademische Mädelschaft Freya, „Wiens erste national-freiheitliche Studentinnenverbindung". Ihre Mitglieder studieren oder haben an einer Universität studiert und werden in der Mädelschaft in Fähigkeiten wie Rhetorik, Organisation und Gruppenführung geschult. Durch monatliche „Budenfeste, Lieder- und Spieleabende" werden die „selbstbewussten, heimatverbunden Frauen" auf das spätere Berufs- und Gesellschaftsleben vorbereitet.
Fiona Kaiser










