Mittwoch 8. Februar 2012
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Neue Rechte

"Was gibt deutscher Jugend Kraft? Apfelsaft!"

Die Leipziger Satiregruppe Front deutscher Äpfel macht es ostdeutschen Neonazis nicht leicht. Mit überspitzten rechten Parolen und Symbolklau führen sie die rechtsextreme Propaganda ad absurdum und unterstützen die antifaschistischen Demonstrationen in einer Region, in der seit kurzem die rechtsextreme NPD im Landtag sitzt.

Deren Vorsitzender, Holger Apfel, ist auch der Namensgeber der Front Deutscher Äpfel - zumindest teilweise. Denn die AktivistInnen der Gruppe haben nicht von ungefähr den „urdeutschen Apfel" - wie sie es nennen - als ihr Zeichen auserkoren. Ausgerüstet mit Fahnen und Armbinden im Stil der NationalsozialistInnen nehmen sie an den Anti-Nazi-Protesten rund um Leipzig teil und sorgen immer wieder für Aufsehen.
Erst auf den zweiten Blick erkennen viele, dass statt dem Hakenkreuz ein großer Apfel auf der Fahne prangt, ehe die Apfelfront - so die Kurzbezeichnung der FDÄ - lautstark ihre Forderungen stellt: „Keine Überfremdung des deutschen Obstbestandes mehr! Südfrüchte raus! Weg mit faulem Fallobst!"


Damit bedienen sich die AktivistInnen derselben Taktik, mit der die Rechtsextremen unter anderem in Ostdeutschland so stark geworden sind. Diese versuchen linke Themen zu besetzen und Symbole der Linken für ihre Zwecke zu missbrauchen. So nahmen zum Beispiel deutsche Neonazis wiederholt an den Protesten gegen Krieg und Sozialabbau teil (Stichwort Irak & Hartz IV) und versuchten mit Che-Guevara-T-Shirts bei den Jugendlichen und linken Slogans wie „Kapitalismus abschaffen" zu punkten.
Die Front deutscher Äpfel macht diese Übernahme der Symbole und Codes der Rechten zum Thema und leistet mit Parodie politischen Widerstand dagegen.
Antifaschismus einmal anders.


Durch ihren Aktionismus will die Apfelfront auch mit dem üblichen Ritual von Nazidemo vs. Gegendemo brechen und setzt statt auf Steine und „Nazis raus"-Rufe auf politische Schauspielkunst, die auch einen gewissen Unterhaltungswert bieten soll.
Diese Schauspielkunst wird der FDÄ und ihrer Jugendorganisation Nationales Frischobst Deutschland immer wieder zum Verhängnis: Fernsehsender bezeichnen sie als Neonazis, die Polizei nimmt ihnen ihre Äpfel ab und prüft, ob Fahnen und Armbinden gegen die Gesetze verstoßen.


Die antifaschistische DemonstrantInnen jedoch sind in den meisten Fällen begeistert, bleiben länger bei den Demos und werden sogar in der Apfelfront aktiv, als NetzwartIn, PropagandaministerIn oder einfache KameradIn.
Politisch wollen sich die AktivistInnen der FDÄ nicht unbedingt einordnen lassen: Zwar sagt der Führer zum Beispiel, dass die Apfelfront Nationalstaaten als solche ablehnen, jedoch ist eher das Gegen-Rechts-Sein das politisch Vereinende der Satiregruppe.
Mit dieser politischen Satire knüpft die Front Deutscher Äpfel an die linksgerichtete Spaßguerilla und die Sponti-Bewegung der Sechziger und Siebziger Jahre an, die damals vor allem von Studentinnen und Studenten getragen wurde.
Trotz dieser aktionistischen Tradition wirkt die Apfelfront - nach eigenen Angaben „der bestangezogenste schwarze Block aller Zeiten" - mit ihrem Aktionstheater erfrischend und bereichert den Widerstand gegen die immer stärker werdende rechtsextreme Szene in Ostdeutschland.

Egmont Weber

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