Mittwoch 8. Februar 2012
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Inhalt:

Armut und Reichtum

Arbeitslos oder „Working poor“

Warum Arbeitslosigkeit und Armut zusammengehören und Arbeit nicht vor Armut schützt


Arbeitslosigkeit ist einer der Hauptgründe für Armut in Österreich. Den Jubelmeldungen über eine Besserung der Lage am Arbeitsmarkt zum Trotz sind in Österreich im Moment 240.000 Menschen, davon 52 000 Jugendliche arbeitslos. 7000 junge Menschen finden keine Lehrstelle und sind so aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen, bevor sie es überhaupt kennen lernen konnten. Arbeit ist in unserer Gesellschaft ein wichtiger Faktor. Wer keine Arbeit hat und keine bekommt, ist von vielen sozialen Aktivitäten ausgeschlossen. Doch selbst Arbeit bietet nicht unbedingt Schutz vor Armut.

Arm trotz Arbeit – Working poor

250.000 Menschen sind in Österreich trotz Arbeit armutsgefährdet. 90.000 Menschen leben in akuter Armut. Erwerbsarbeit schützt also nicht mehr unbedingt vor Armut. Viele dieser Menschen haben mehrere Jobs gleichzeitig und bekommen trotzdem nicht genug Geld, um ihr Leben zu finanzieren. Working poor ist ein Phänomen, das mit dem Ausbau eines Niedriglohnsektors und der Aufweichung und Flexibilisierung von Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen einhergeht.

Jung und flexibel?

Vor allem junge Menschen und Frauen werden unter dem Vorwand der neuen Flexibilität in so genannte atypische Beschäftigungsverhältnisse gedrängt. Dazu zählen neben Teilzeit- und geringfügigen Jobs freie Dienstverträge aber auch schlecht- oder unbezahlte Praktika etc. Wer sein Leben lang unter diesen Bedingungen arbeitet, hat auch im Falle von Arbeitslosigkeit und Krankheit oder in der Pension kein existenzsicherndes Einkommen zu erwarten.

Arbeit für alle!

Armut zu bekämpfen heißt Arbeit zu schaffen, von der Menschen leben können. Eine aktive Arbeitsmarktpolitik muss an den Interessen der arbeitenden Menschen orientiert sein.

Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich

Es gibt genug Arbeit für alle Menschen, sie ist nur nicht gerecht verteilt. Der von der Wirtschaft eingeforderte Trend geht in eine andere Richtung. Die Wochenarbeitszeit soll verlängert werden, und statt neuen Arbeitsplätzen soll die vermehrte Arbeitsleistung durch Überstunden bewältigt werden. Sinnvoller ist es, die vorhandene Arbeit besser zu verteilen und somit zu verkürzen, ohne, wie bei Teilzeitarbeit, das Einkommen zu reduzieren. Das ist keine gesellschaftliche Utopie, sondern Politik, die von Anfang des 20. Jahrhunderts an immer wieder von arbeitenden Menschen und ihren Interessensvertretungen durchgesetzt wurde. Eine Errungenschaft dieser Bewegung ist der 8-Stunden Tag. Die letzte gesetzliche Arbeitszeitverkürzung in Österreich hat in den 1970er-Jahren stattgefunden. Die nächste ist also längst überfällig.

Wertschöpfungsabgabe

Derzeit berechnen sich die Beiträge zu sozialen Sicherungssystemen anhand des Faktors Arbeit, also anhand der Lohnnebenkosten. In der Diskussion um Unternehmen, die Arbeitsplätze abbauen bzw. ins Ausland verlagern, kommt immer wieder als Argument, dass die Lohnnebenkosten in unserem Land zu hoch wären. Um diesem Argument entgegenzuwirken ist es sinnvoll, dass die Wertschöpfung eines Betriebes alternativ zur Lohn- und Gehaltssumme als Beitragsbasis für Sozialleistungen dienen soll. Mit dem Anknüpfen an die Wertschöpfung wird die Bemessungsgrundlage breiter. Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens soll zum Gradmesser werden, nicht allein die Lohnsumme. Dadurch kommt es nicht nur zu einer faireren Verteilung der Abgaben, sondern auch zur Entlastung des Faktors Arbeit.

Vollzeitbeschäftigung statt Flexibilisierung

Flexibilisierung bei Arbeitszeiten dient in der derzeitigen Form nicht der freien Einteilung von Arbeit, sondern schafft Situationen, in denen Menschen sich in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen ohne ausreichenden sozialen Schutz und ohne Rechte (Kündigungsschutz usw.) in einem Ausbeutungsverhältnis wieder finden. Diese Form von Beschäftigung ist nicht anstrebenswert, weil sie Menschen weder gerecht entlohnt, noch ausreichend sozial absichert. Menschen die in diese Arbeitsverhältnisse geraten, sind oft armutsgefährdet.

Wir wollen ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen. Arbeit bedeutet im Kapitalismus Teilhabe am sozialen Leben und ist auch die Voraussetzung dafür, um soziale Kämpfe wie Streiks durchführen zu können. Deshalb ist ein wichtiges Ziel zur Bekämpfung von Armut die Schaffung von Arbeitsplätzen für alle Menschen!

Wir fordern:

  • Arbeitszeitverkürzung bei vollen Lohnausgleich auf 35 Stunden

  • Einführung einer Wertschöpfungsabgabe

  • Voller Sozialversicherungsschutz für alle Arbeitsverhältnisse


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