Mittwoch 8. Februar 2012
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Inhalt:

Armut und Reichtum

Zeig mir deine Eltern und und ich zeig dir deine Bildung!

Warum das österreichische Bildungssystem ungerecht ist

Der Zugang zu Bildung ist in Österreich nach wie vor keine Frage von Interesse und Berufswunsch, sondern eine Frage der Herkunft. Haushaltseinkommen und Ausbildung der Eltern entscheiden über den weiteren Weg des Kindes. Die frühe Selektion in Hauptschule und Gymnasium verstärkt diese Entwicklung. Im Alter von 10 Jahren wird so für die Kinder die Entscheidung über ihr zukünftiges Leben getroffen.

Bildung für alle!

Die soziale Auslese ist in Zahlen messbar: Nur ein Drittel aller Kinder in Hauptschulen haben Eltern mit Matura, in den AHSen sind es hingegen zwei Drittel. Bei Eltern mit Pflichtschulabschluss ist das Bild genau umgekehrt: Der Anteil von Kindern, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben ist in Hauptschulen fast dreimal so hoch wie in der AHS.

Noch stärker wird dieses Bild an der zweiten Schnittstelle, beim Übergang in die obere Sekundarstufe bestätigt. In der fünften Klasse AHS haben wiederum knapp zwei Drittel der Elternhaushalte (62%) eine Matura oder einen noch höheren Abschluss aufzuweisen. Auch der Weg an die Universitäten ist Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Haushalten nach wie vor durch ökonomische Hindernisse versperrt.

Neben dem erschwerten Zugang zu Bildungsabschlüssen ist Studieren für viele Menschen nicht leistbar. Das österreichische Bildungssystem trägt nicht dazu bei, soziale Unterschiede aufzuheben sondern zementiert sie ein. Bildung ist derzeit nicht für alle da. Das liegt nicht daran, dass Kinder aus unteren sozialen Schichten „dümmer“ sind, sondern dass sie keine Möglichkeit erhalten, bestehende Bildungsprivilegien auszugleichen. Verantwortlich dafür sind nicht die Eltern, sondern eine Gesellschaft, die diesen Zugang nicht ermöglicht. Zugang zur Bildung ist immer eine Frage, wie Schule in einer Gesellschaft organisiert wird. Eine Schulform, die eine frühe Selektion in Gymnasium und Hauptschule verhindern würde, ist die Gesamtschule.

Was ist die Gesamtschule?

Gesamtschule ist die gemeinsame Schule aller Kinder und Jugendlichen einer Altersstufe. Im Moment gibt es in Österreich schon eine sehr gut funktionierende Gesamtschulform: die Volksschule. Da es aber nicht sinnvoll ist, mit 10 Jahren eine Entscheidung über den weiteren Bildungsweg und somit eine Entscheidung über den Beruf zu fällen ist, sollte diese Form des gemeinsamen Unterrichts verlängert werden.

Die Einführung der Gemeinsamen Schule der 6 bis 15 Jährigen ist eine Möglichkeit soziale Ungerechtigkeiten im Bildungssystem auszugleichen und die Entscheidung über das weitere Leben den 15-Jährigen überlassen. Ab 2008 sollen trotz hartnäckigem Widerstand der ÖVP erste Schulversuche für diese gemeinsame Schule beginnen. Wirklich effizient kann aber nur die flächendeckende Einführung dieser neuen Schule sein. Diese gemeinsame Schule soll sich aber auch von der Schule, wie wir sie heute kennen grundlegend unterscheiden.

Schule als Lebensraum

Schule soll nicht mehr der Ort sein, wo wir gesellschaftlichen Zwängen unterworfen sind und Leistungsdruck, Konkurrenz, schlechte Noten und Ungerechtigkeiten hinnehmen müssen. Schule soll zum Lebensraum für SchülerInnen werden. Anstatt Unterrichtsstunden zu kürzen und die Lernarbeit auf Hausaufgaben und private (und vor allem privat zu finanzierende) Nachhilfeinstitute auszulagern, soll Schule ein Raum sein, in dem gelernt wird und auch SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten geholfen wird.

In der Schule soll auch aber auch Platz sein, seine Freizeit zu verbringen und seinen Hobbies nachzugehen. Um alle diese neuen Herausforderungen unterzubringen, ist natürlich eine weitere Neuerung in der Schulorganisation notwendig. Die Ganztagsschule. Das soll keine Verlängerung der Schule sein, sondern eine besser verteilte Zeit. Zwischen Unterrichtszeiten können Lern-, Hausaufgaben und Freizeitstunden eingebaut werden. Die Freizeit muss natürlich je nach Alter eine selbstbestimmte, nicht unter Aufsicht der LehrerInnen, sein. Das heißt nicht, dass die Schule mehr Zeit einnimmt als jetzt, es heißt dass Lernen und Hausaufgaben in der Schule stattfinden und die freie Zeit ab dem späten Nachmittag wirklich frei ist.

Bildung als Weg aus der Armut?!

Eine schlechte Ausbildung ist nicht der einzige Grund für Armut, entscheidend dafür sind ökonomische Gründe. Ein gerechter und kostenloser Zugang zu Bildung hilft aber, der Armutsfalle zu entkommen. Im Moment wird Armut vererbt, und das kann durch einen offenen Zugang zum Bildungssystem ausgeglichen werden.

Wir fordern:

  • Flächendeckende Einführung der Gesamtschule der 6 – 15 Jährigen als Ersatz für Hauptschule und AHS-Unterstufe und Polytechnikum
  • Flächendeckende Einführung der Ganztagsschule
  • Abschaffung des Selbstbehaltes für Schulbücher
  • Wiedereinführung der SchülerInnenfreifahrt
  • Abschaffung der Studiengebühren


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