Mittwoch 19. Juni 2013
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Inhalt:

Drogen

Die Doppelmoral der Drogenpolitik

Geschichtliches aus Europa

Im 17 Jahrhundert verursachte die Substanz Tabak heftige Kontroversen. In seinem Werk „Counterblast to Tabaco“ rief der englische Monarch Jakob I. zumKampf gegen diese Droge auf, mit dem Ziel, dem Hauptfeind Englands, Spanien,eine lukrative Einnahmequelle zu nehmen.


Drastische Zollerhöhungen führten jedoch nur zur Ausbreitung des Schwarzhandels. Der englische Antitabakkampfwurde eingestellt, als die Engländer durch steigenden Eigenanbau in Nordamerika fähig waren, das Tabakmonopol Spaniens zu brechen.


Nicht nur die englische Tabakpolitik zeigt, dass der Umgang mit Drogen massiv durch politische und wirtschaftliche Interessen geprägt war und ist. So verbot beispielsweise die katholische Kirche in Lateinamerika den Anbau und Konsum von Koka als heidnischen Brauch, während die Betreiber von Silber- und Goldbergwerken den Konsum förderten, da sie entdeckten, dass Indianer die Kokablätter kauten, länger gesund und auch trotz schlechter Ernährung leistungsfähiger blieben. Der Anbau von Koka wurde monopolisiert und die spanische Kolonialverwaltung vergab die Anbaugenehmigung an weiße Pflanzer. Koka wurde dadurch zu einem billigen Zahlungsmittel für Grubenarbeiter. Es ließ sich jedoch nicht wie Nikotin gewinnbringend in Europa umzusetzen und wurde schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts verboten.

Zwischen 1840 und 1842 kam es zum sogenannten Opiumkrieg zwischen China und England, da China die englische Opiumeinfuhr verweigerte. Wie andere Europäer, hatten die Briten die Erlaubnis bekommen in Kanton Handel zu treiben. Die chinesische Regierung akzeptierte die Kaufleute des Westens wegen ihres Geldes, da dies zur Aufrechterhaltung des kaiserlichen Steuersystems gebraucht wurde.


Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es den Europäern jedoch, die Kaufleute und Mandarine von Kanton zur Annahme von Opium statt Silber zu bewegen. Schließlich führten die Engländer eine stärkere Variante der Droge ein, die bei den Opiumrauchern und -essern erstmals zur Sucht führte. 1839 entschied die chinesische Regierung die Opiumimporte mit Gewalt zu unterbinden. Doch die chinesischen Truppen wurden geschlagen und China musste Hongkong an England abtreten.

Drogenprohibition und Rassismus

In keinem anderem Land hat die gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit Drogen einen so hohen Stellenwert eingenommen wie in den USA. Für die drogenpolitische Debatte sind zwei Phänomene charakteristisch: Der Drogenkonsum war im Vergleich zu anderen Ländern stets höher und würde auch immer als ganz besonders brennendes gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Historiker vermuten, dass es sich in beiden Fällen um den Ausdruck spezifischer Widersprüche der amerikanischen EinwanderInnengesellschaft handelt.


Dazu kommt, dass die protestantische Ethik der puritanischen EinwandererInnnen das Werte- und Normgefüge der nordamerikanischen Gesellschaft entscheidend geprägt hat. Der Puritanismus forderte Fleiß und Sparsamkeit, Beherrschung des Trieblebens und Zügelung des Genusses als Grundlagen des irdischen Erfolgs, der als Gradmesser der Gunst Gottes galt.

Abweichendes Verhalten wurde nicht nur als unmoralisch bezeichnet, sondern wurde auch als Gefahr für den gesunden Gesellschaftskörper bekämpft. Der Kampf gegen Drogen richtete sich deshalb auch immer gegen gesellschaftliche und ethnische Minderheiten.


So schreibt Lessmann zum Opiumverbot: „Dass die Sorge um den Opiumkonsum weniger dem Gesundheitszustand der chinesischstämmigen Bevölkerung als vielmehr möglicherweise von ihr ausgehenden Gefahren für die Gesellschaft galt, wird auch darin deutlich, dass diese Sorge insbesondere zu dem Zeitpunkt wuchs, da die Chinesen als Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden“(1) .


Auch die Kampagne gegen Marihuana in den 30er Jahren war rassistisch motiviert. So hieß es in einem Leitartikel des „Daily Courier“ aus Almoasa/Colorado: „Ich wünsche ich könnte ihnen zeigen was eine Marihuanazigarette aus einem unserer degenerierten spanischsprachigen Einwohner machen kann. Das ist der Grund für unser Problem: Der größte Teil der Bevölkerung setzt sich aus spanischsprachigen Personen zusammen, die wegen sozialer und rassischer Bedingungen meistens geistig niedrig stehen“.

Marihuana, so hieß es, fördere die Kriminalität und mache sexuellhemmungslos bzw. aggressiv. Das Beispiel Marihuana „zeigt über das übliche Muster der Stigmatisierung von Minderheiten im Zusammenhang mit dem Drogenkonsumhinaus auch, dass diese Argumentationsmuster von den Eigenschaften einer Droge tendenziell unabhängig sind. Die Perzeption der Wirkungsweise einer Droge im Diskurs ist wandelbar und weitgehend subjektiv bestimmt“.(2)


Die Verschärfungdes Kampfes gegen Cannabiskonsum fiel in den USA mit der Niederlage der Alkoholprohibition zusammen. 1930 wurde das Bureau of Narcotics eingerichtet, das in Folge eine massive Anti-Drogen Kampagne startete und das durchaus aus bürokratischen Eigeninteresse, da nach Aufhebung der Alkoholprohibition 1933 ein Großteil der Alkoholfahnder im Kampf gegen Cannabis ein neues Betätigungsfeld fanden. Einer der bekanntesten war Harry J. Asslinger, Comissioner im Bureau of Narcotics, der als der Erfinder der sog. Einstiegsdrogen-Theorie gilt.

Die gegenwärtige Drogenpolitik und die wirtschaftlichen und politischenInteressen der USA und Europas

Das herrschende Drogenproblem ist eng mit der Schuldenproblematik der Dritten Welt verknüpft. Für eine wachsende Zahl an Schuldnerländern bilden illegale Geschäfte eine wichtige Devisenquelle. Damit der Schuldendienst getätigt werden kann, unterscheiden die Gläubiger nicht zwischen „sauberem“ und „schmutzigem“ Geld. Sobald die Drogengelder gewaschen sind, dienen sie den Regierungen der Entwicklungsländer zur Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtungen. Der Wirtschaftswissenschaftler Chossudowsky meint dazu: „Verschuldete und ruinierte Volkswirtschaften sowie eine durch Preisverfall für legale Produkte (Rohstoffe und Fabrikwaren) gekennzeichnete weltweite Überproduktion fördern kaum die Schuldentilgung.


Dagegen ermöglicht die Ausweitung illegaler Geschäfte [. . .] die Überweisung riesiger Summen auf die Konten privater und öffentlicher Kreditgeber. Es besteht eine Logik in dieser Restrukturierung des Bankensystems, denn letztendlich begünstigen die Gläubiger ein System, das die freie Kapitalzirkulation ermöglicht. Die Geopolitik der Drogen geht unmittelbar aus diesem Prozess von Verschuldung und der von den Schuldnerländern vorgeschlagenen Strukturanpassungen hervor“(3).


Der von der USA propagierte Drogenkrieg in Lateinamerika scheint jedoch in Widerspruch zur Position Chossudowskys zu stehen. Ein Essay von Noam Chomsky zum Thema Hegemonialer Kontrolle und Drogenbekämpfung bringt Aufklärung. Chomsky geht davon aus, dass das Ziel des Drogenkriegs die politische bzw. hegemonialeKontrolle ist und nicht primär den Drogen gilt. Während die USA durchwirtschaftspolitische Entscheidungen die Ankurbelung der Drogenproduktion verursacht, legitimiert sie gleichzeitig ihre militärische Präsenz, in dem sie auf den Drogenboom verweist. Die Doppelbödigkeit und der Zynismus der derzeitigen Drogenpolitik ist nicht zu übertreffen.

(1) Lessmann R.: Drogenökonomie und Internationale Politik. Frankfurt/Main.1996 S 28

(2) a.a.O.
(3) Chossudowsky M.: Der Internationale Währungsfond undDrogengelder. in: Labrouesse A./Wallon A.: Der Planet der Drogen. Analyse einerkriminellen Weltmacht. Frankfurt/M. 1996 S 210

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