Dienstag 7. Februar 2012
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Drogen

Sucht als Zivilisationskrankheit


Dass Sucht ein spezifisches Problem der westlichen Welt ist, zeigt der Umgang der Naturvölker mit Rauschdrogen. Die Kenntnis und der Gebrauch von Rauschdrogen kann in der menschlichen Kulturgeschichte bis zu Entwicklungsstufe der Jäger und Sammler zurückverfolgt werden.


Die Menschen waren damals auf Nahrungsmittel angewiesen, die sich im Augenblick anboten. In diese Zeitkönnten auch die ersten Erfahrungen mit Pflanzen fallen, deren Verzehr Rauschzustände auslöste.

Diese Pflanzen wurden jedoch unter die Kontrolle des Schamanen/der Schamanin gestellt. Entweder berauschte sich dieser/diese stellvertretend für den Stamm und stellte so den Kontakt zu den Geistern und Gottheiten her oder der ganze Stamm nahm die Rauschdroge nach streng rituellen Vorschriften zu sich. So wandert der mexikanische Indianerstamm der Huichol noch heute zu den 400 km entfernten heiligen Orten, wo sie sich berauschen. Für den Rest des Jahres gibt es keine Drogen.


Die indigenen Völker Amerikas lernten die Sucht erst durch den Alkohol der Weißen und durch die systematische Zerstörung ihrer Kultur bzw. ihrer sozialen Bindungen kennen.

Die Sucht und ihre wirtschaftliche Bedeutung

Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckte das imperialistische Europa den Marktwert des Rausches. So kam es zwischen 1840 und 1842 zum sogenannten Opiumkrieg zwischen China und England, da China die englische Opiumeinfuhr verweigerte. Wie andere EuropäerInnen, hatten die BritInnen die Erlaubnis bekommen, in Kanton Handel zu treiben. Die chinesische Regierung akzeptierte die Kaufleute des Westens wegen ihres Geldes, da dies zur Aufrechterhaltung des kaiserlichen Steuersystems gebraucht wurde.


Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es den EuropäerInnen jedoch, die Kaufleute und Mandarine von Kanton zur Annahmevon Opium statt Silber zu bewegen. Schließlich führten sie eine stärkere Variante der Droge ein, die bei den OpiumraucherInnen und -esserInnen erstmals zur Sucht führte. 1839 entschied die chinesische Regierung, die Opiumimporte mit Gewalt zu unterbinden. Doch die chinesischen Truppen wurden geschlagen und China musste Hongkonk an England abtreten. Im 20. Jahrhundert wurde der Drogenhandel zu einem bestimmten Wirtschaftsfaktor, so dass heute die illegale "Drogenindustrie" den zweiten Platz in der Weltwirtschaftsstatistikeinnimmt.


Gibt es also überhaupt gesellschaftspolitisch ernstzunehmende Bemühungen,das Suchtproblem in einem größeren Zusammenhang zu sehen, dass heißt als Zeichen zu begreifen, dass in unserer Gesellschaft und in unserer Wirtschaft etwas nicht stimmt?

Verzerrte Wahrnehmung des Suchtproblems durch die Medien

Das Suchtproblem wird durch die betriebene Medienpolitik nur verzerrt wahrgenommen. Großteils wird in den Zeitungen und im Fernsehen die relativ kleine Süchtigengruppe der Heroinabhängigen dargestellt, da ihr Verhalten und der seelische und körperliche Verfall auffälliger ist als jener anderer Gruppen. Die Gesellschaft versucht dadurch aber auch, einer grundlegenden Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht zu entkommen, da dies eine Änderung der gegenwärtigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen zu Folge hätte.

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