Mittwoch 8. Februar 2012
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Theorie und Geschichte

Zum 20. Todestag von Thomas Bernhard

Thomas Bernhard ist wohl einer der bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Autoren, die in Österreich je gelebt haben. Im Februar jährte sich sein Todestag zum 20. Mal – Grund genug für uns, Thomas Bernhard einmal aus der Nähe zu betrachten.


1931 als uneheliches Kind in Herleen in den Niederlanden geboren, wuchs Bernhard bei seinen Wiener Großeltern in Bayern auf. 1941 wurde er nach Konflikten mit der nun verheirateten Mutter in ein nationalsozialistisches Erziehungsheim im thüringischen Saalfeld geschickt, wo er Erfahrungen machte, die ihn schwer traumatisieren sollten. Ab 1943 wurde er im NS-Internat „Johanneum“ in Salzburg untergebracht, wo ihm Violinenunterricht ermöglicht wurde. 1946 siedelte die ganze Familie von Traunstein in den Salzburger Stadtteil Maxglan über. Der Großvater setzte sich trotz ärmlicher Lebensverhältnisse nachhaltig für die künstlerische Ausbildung Bernhards ein.


Seine schriftstellerische Laufbahn begann 1950 als er unter einem Pseudonym mehrere Kurzgeschichten veröffentlichte. Der Tod und die Relativierung anderer Werte angesichts seiner immerwährenden Bedrohung ist eines der zentralen Motive in seinem Schreiben. Protagonisten in Bernhards Werken sind meistens Einzelgänger, Selbstmörder, Kranke, annähernd Wahnsinnige und Philosophen. Die menschliche Existenz, ihre enge Verknüpfung mit dem Leiden und dem Tod und die Banalität dieser in Anbetracht der Allgegenwärtigkeit des Todes stellen des Weiteren zentrale Motive in seinem Hauptwerk dar. Erheiterung finden die oftmals von Selbstmordgelüsten geplagten Hauptdarsteller meistens im Anblick der Lächerlichkeit der Menschen und im Gedanken der Lächerlichkeit aller Existenzen. Man darf aber natürlich nicht davon ausgehen, dass diverse Passagen, die Selbstmord oder Wahnsinn als Thematik beinhalten, als Selbstaussagen gewertet werden dürfen. Markant sind die Monologe Bernhards Einzelgänger.


Land der Spießer


Bernhard mokiert sich in seinen Werken gerne über die „bessere Gesellschaft“ in Wien und in Salzburg, die er oft mit ätzender und schmähvoller Kritik überzieht. Gerne beschreibt er Österreich als das Land der Spießer und schildert die Verhältnisse in finsteren Tönen. Dabei trägt er seine Kritik in stets wiederkehrenden Monologen vor, was auf viele besonders verächtlich wirkt. Die Monologisierenden sind nicht selten Wissenschaftler, durchwegs – um in Bernhards Terminologie zu bleiben – „Geistesmenschen“, die in Schimpftiraden gegen die „stumpfsinnige Masse“ Stellung beziehen und mit ihrem scharfen, geradezu (selbst-)zersetzenden Verstand alles angreifen, was in Österreich heilig ist: den Staat selbst, den Bernhard gerne als „katholisch-nationalsozialistisch“ bezeichnete; anerkannte österreichische Institutionen wie das Wiener Burgtheater, allseits verehrte KünstlerInnen, etc.


„Heldenplatz“


Das wohl bekannteste Drama Bernhards, der Heldenplatz, wurde im November 1988 im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Diese Aufführung löste den größten Theaterskandal in der Geschichte des österreichischen Theaters aus. Das Stück spielt nach dem Tod von Josef Schuster, einem Professor für Mathematik an der Universität Wien. Dieser begeht im März 1988 (also wenige Monate vor der Uraufführung des Stückes) Selbstmord, indem er sich aus dem Fenster seiner Wiener Wohnung, die direkt am Heldenplatz liegt, stürzt. Die handelnden Personen beschäftigen sich in weiterer Folge mit dem Charakter und den Lebensumständen des Verstorbenen, gleichzeitig reflektieren sie das jeweilige Verhältnis und die eigene Lebenssituation. Das Stück gipfelt in den immer lauter werdenden „Sieg Heil“-Rufen, die vom Heldenplatz kommen und am Ende unerträgliche Lautstärke erreichen.


Erhebliche öffentliche Kontroversen über das Stück entstanden, nachdem in der Kronenzeitung und der Wochenpresse unautorisierte Auszüge des Stückes abgedruckt wurden. Aus den Passagen war nicht klar ersichtlich, dass es um Dialoge der handelnden Personen ging und es wurde angenommen, dass es sich um Bernhards Ansichten handelte. Vor allem konservative Kreise wehrten sich gegen die Aufführung des Dramas, weil es das Ansehen Österreichs beschmutzen würde. Prominente wie Helmut Zilk, Bruno Kreisky, Alois Mock verlangten die Nichtaufführung bzw. Absetzung des Stückes.


Bernhard starb am 12. Februar 1989 in Gmunden und wurde wenige Tage später beigesetzt. Das testamentarisch verfügte Aufführungsverbot all seiner Stücke in Österreich wurde mit der Gründung der Thomas Bernhard- Privatstiftung aufgehoben und sein letzter Wille wurde – wie einst schon bei Kafka! - somit nicht respektiert.


Irini Tzaferis

Trotzdem Juni 2009


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