„Reichtum sind die Ersparnisse vieler in den Händen eines einzigen“
Obwohl in Österreich das Volkseinkommen immer größer wird und die Menschen einen immer größeren Wohlstand produzieren, weil die Produktivität steigt, merkt der Großteil der Gesellschaft nichts davon.
Die Vermögensverteilung in Österreich
- Österreich hat 8,3 Millionen EinwohnerInnen. Davon leben 1,2 Millionen Menschen an oder sogar unter der Armutsgrenze
- Das Volkseinkommen (von allen ÖsterreicherInnen erwirtschaftet) betrug in Österreich im Jahre 2005 356 Mrd. €
- 37.000 Menschen bilden das oberste 1 % (die Einkommensreichsten) der Einkommen und verfügen über 5,7 Mrd. € (2003). 739.000 Menschen bilden die untersten 20 % (die Einkommensärmsten) der Einkommen, und verfügen über 2,1 Mrd. € (2003).
- Das Gesamtvermögen (Geldvermögen, Immobilien, Beteiligungen) im Jahre 2002 betrug 944 Mrd. €. Die Reichsten (oberstes 1 %) haben daran einen 34-%-igen Anteil, die Reichen (oberste 2 –10%) einen 35 %-igen und der Großteil der Bevölkerung („unterste“ 90%) einen 32 %-igen. Das bedeutet, dass die reichsten 10 % der ÖsterreicherInnen etwa 70 % des Gesamtvermögens besitzen.
- 10,7 Mrd. €, so viel machen die „untersten“ zwei Drittel der Fraueneinkommen aus, die sich
auf 1,1 Mill. Frauen verteilen. - 10,7 Mrd. €, so viel machen die oberen 5 % der Männereinkommen aus, die sich auf 101.000 Männer aufteilen.
Genug der Fakten. Aus diesen vielen Zahlen lässt sich leicht erkennen, dass das Vermögen in Österreich alles andere als gleichmäßig und gerecht verteilt ist. Sehr Viele haben ganz wenig, und Wenige haben ganz viel.
Luxus für alle!
Obwohl in Österreich das Volkseinkommen immer größer wird und die Menschen einen immer größeren Wohlstand produzieren, weil die Produktivität steigt, merkt der Großteil der Gesellschaft nichts davon. Seit 2002 liegt die Lohnquote unter 70 %, Tendenz fallend. Das bedeutet, dass der Anteil der Löhne und Gehälter am gemeinsam erwirtschafteten Volkseinkommen immer geringer wird. Gegensätzlich dazu steigen natürlich die Gewinn- und Besitzeinkommen rasant, weil immer mehr Geld in Gewinne und Vermögen von UnternehmerInnen wandert. Die Verteilung des Vermögens wird also immer ungleicher.
Die Produktivität (der pro erwerbstätiger Person erwirtschaftete Wert) ist seit 1995 um fast 18 % gestiegen. Der dafür bezahlte Bruttolohn je ArbeitnehmerIn ist seit 1995 jedoch um nur gut 3 % gestiegen. Real und netto (preisbereinigt und nach Abzug der Steuern und Abgaben) hat einE ArbeitnehmerIn heute kaum mehr in der Geldtasche als 1995, was bedeutet, dass die Kaufkraft des Großteils der Bevölkerung seit mehr als einem Jahrzehnt kaum gestiegen ist. Es wäre jedoch nur gerecht, dass der Lohn zumindest im gleichen Ausmaß wie die Produktivität steigt, da sonst die ArbeitnehmerInnen nicht gleichgewichtig an der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung teilhaben können.
Gleichberechtigt?!
Die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern ist in Österreich immer noch erschreckend hoch. Im Österreich-durchschnitt erhält eine weibliche Arbeitnehmerin nur etwas mehr als zwei Drittel (69,2 %) des Jahreslohns oder -gehalts eines männlichen Arbeitnehmers. Etwa 28 % der Allein-erzieherInnen (~ 63.500 Frauen) sind außerdem armutsgefährdet.
Umverteilung? – bitte andersrum!
Seit den 1980ern findet europaweit eine Umverteilung zugunsten des Kapitals statt. Diese passiert zu Lasten der Lebenschancen der ArbeitnehmerInnen und begrenzt deren Massenkaufkraft. So werden niedrige Einkommen steuerlich stark belastet und Zahlungen für sozial Schwache gekürzt. Wie die oben angeführten Zahlen für Österreich ausführen, findet auch hier zunehmend eine Umverteilung von Arbeits- zu Kapitaleinkommen bzw. von niedrigen Lohn- zu Spitzeneinkommen statt. Dazu kommt, dass das Vermögen in wenigen Händen konzentriert ist. Mehr als 50 Mrd. Ä Vermögen sind im Besitz der 100 Reichsten Österreichs. Die ungerechte Verteilung des Vermögens wird in Österreich durch ein ungerechtes Steuersystem bestärkt, das hohe Vermögen niedrig besteuert. Hohe Vermögen können z.B. unproduktiv in Privatstiftungen geparkt werden und sich dort steuerbegünstigt vermehren.
Ungleiche Verteilung führt unausweichlich zu sozialer Ungerechtigkeit und ist auch mit öko- nomischen Problemen verbunden. Einkommensschwächere Schichten müssen gezwungenermaßen jeden zusätzlichen Euro wieder ausgeben, wobei die Spitzenverdienenden den größten Teil ihres ohnehin hohen Einkommens anlegen können und somit mehr sparen als konsumieren. Das bedeutet, dass sich insgesamt der Nachfragemangel verfestigt und schwaches Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosigkeit die Folgeerscheinungen einer ungerechten Verteilung sind.
„Nicht Milch und Quark - Solidarität macht uns stark!“
In einer solidarischen Gesellschaft müssen Menschen, die mehr haben, auch mehr geben. Und jene, die ohnehin fast nichts haben, müssen entlastet werden. Leider ist in unserer Gesellschaft der egoistische Wohlstandsgedanke so tief verwurzelt, dass viele Menschen noch nie über ihre soziale, gesellschaftliche Verantwortung nachgedacht haben oder sich ihrer bewusst sind. Heute geht es darum, zu überleben, zu bestehen und zu profitieren. Und das am besten alleine und ohne Rücksicht auf andere.
Ihr kennt vielleicht die Fabel "Das Pferd und der Esel": Das Pferd trabt unbelastet neben dem, schwerste Körbe und Säcke tragenden, Esel her, weigert sich aber trotz dessen Bitten, ihm etwas von seiner Last abzunehmen. Die geteilte Last hätte keinem von ihnen große Schwierigkeiten bereitet. So aber ist sie zu schwer, und der Esel bricht zusammen. Resultat: Nun bekommt das Pferd alles, was der Esel getragen hat, und dazu noch dessen schweren Sattel obendrauf. Soweit diese Fabel.
Sie lehrt: Solidarische Menschen verweigern sich nicht, sondern helfen einander. JedeR kann einmal auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sein.
„Gerechtigkeit. Gibt es die auf Erden?“
Doch neben dem Appell an den Solidaritätsgedanken, der notwendig ist, damit eine Gesellschaft in der Vermögen gerecht verteilt wird, funktionieren kann, gibt es natürlich zahlreiche mögliche Interventionen zur Umverteilung von oben nach unten.
Eine Lohn- und Gehaltssteigerung ist nicht nur gerecht, sondern schafft auch höhere Kaufkraft und Umsätze, in Folge auch mehr Investitionen sowie insgesamt ein höheres Wirtschaftswachstum. Diese Steigerungen müssen unbedingt über das Ausmaß der Preissteigerung hinausgehen, damit die Produktivität nicht zur Gänze den Unternehmen als Gewinn zufällt.
Das Steuersystem muss so umgestaltet werden, dass niedrige und mittlere Einkommen entlastet werden und gleichzeitig höhere Einkommen keine Steuerprivilegien erhalten. Genauso müssen „atypische“, prekäre Arbeitsformen einem besseren arbeits- und sozialrechtlichen Schutz unter-liegen und Transferleistungen über der Armutsgefährdungsgrenze liegen. Außerdem muss der gesetzliche Mindestlohn, wie alle Löhne und Gehälter an die Umstände angepasst werden.
Für Frauen muss es endlich gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit geben. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und das Recht auf einen Betreuungsplatz müssen angestrebt werden.
Fiona Kaiser
"Trotzdem" Juli 2008
verwendete Quellen:
http://www.arbeiterkammer.com/pictures/Einkommensverteiltung.pdf
http://www.arbeiterkammer.com/pictures/d33/Broschuere_Einkommen.pdf
http://www.armutskonferenz.at/reichtum_0304.pdf










