Arbeitslosigkeit und Frauen
Statistik zeigt nicht wahres Ausmaß
Die offizielle Arbeitslosenquote zeigt nie das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit. Sie wird beispielsweise durch folgende Umstände verringert: Karenzierte Personen werden zu den Beschäftigten gezählt und TeilnehmerInnen an Kursen des AMS und PensionsvorschussbezieherInnen werden wie Erwerbstätige behandelt. Dadurch erhöht sich die Zahl der Erwerbstätigen, während die Arbeitslosenzahl geringer gehalten wird, als es tatsächlich der Fall ist.
Ein weiteres Indiz dafür ist das frauendiskriminierende Notstandshilferecht. Es ist nämlich davon auszugehen, dass eine beträchtliche Zahl von arbeitssuchenden Frauen gar nicht in der Arbeitslosenstatistik erfasst ist. Der Grund dafür ist, dass sie durch die Höhe des Einkommens des Partners keinen Anspruch auf Notstandshilfe haben und deshalb gar nicht arbeitslos gemeldet sind.
Der Unterschied zwischen der nationalen und der internationalen Berechnungsmethode ist auch ein Zeichen für die falsche Darstellung in der Statistik über Arbeitslosigkeit. Nach der internationalen Berechnungsmethode liegt die Arbeitslosenquote insgesamt stets deutlich unter der nationalen. Im Vergleich zur der in Österreich verwendeten Methode bezieht sie jedoch unter anderem geringfügige Beschäftigung als Beschäftigung mit ein. Das führt dazu, dass die Frauenarbeitslosenquote für Österreich deutlich über jener der Männer mit liegt, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn rund 70% aller geringfügig Beschäftigten Frauen sind.
Verlieren Männer mehr durch die Krise?
Ob es die Proteste bei Continental in Frankreich und bei Opel in Deutschland oder die Banker, die in New York und London ihre Büros räumen, sind, wohin das Auge blickt, sind es Männer, die von der Krise scheinbar am stärksten betroffen sind. Während 217.848 Männer in Deutschland ihren Job verlieren, haben 46.939 Frauen eine neue Stelle gefunden. Wieso zählen dann Frauen mehr zu den VerliererInnen?
Die EU-Kommission berichtet, dass die Schere zwischen den Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen deutlich zurückgegangen ist und nun nur mehr 0,2 % beträgt. Die momentane Veränderung der Arbeitslosenquoten verläuft deshalb so, weil zurzeit gerade die männerdominierte Sachgüterproduktion betroffen ist. Deshalb werden jetzt Maßnahmenpläne erarbeitet und Konjunkturpakete geschnürt.
Die beschlossenen Gelder, die jetzt in Arbeitsstiftungen und Kurzarbeit fließen, kommen in erster Linie Männern zugute. Dass sich die Situation rasch ändern kann, sobald der Dienstleistungssektor, in dem viele Frauen beschäftigt sind, von der Krise betroffen sein wird, wird vollkommen außer Acht gelassen. Weiters ignorieren die Pakete die rasant steigende Anzahl atypischer Beschäftigungen, die im Fall der Arbeitslosigkeit zu nicht-existenzsicherndem Arbeitslosengeld führen.
Außerdem stehen Frauen seit jeher vielen Problemen am Arbeitsmarkt gegenüber, für deren Lösung aktive Frauenförderung unumgänglich ist. Jetzt ist die Gefahr sehr groß, dass schnell damit argumentiert wird, dass das Geld in der Zeit der Krise woanders viel dringender gebraucht wird. Doch gerade jetzt ist es wichtig, in Frauenförderung zu investieren, sonst wird Erreichtes bald verloren sein.
Christine Utzig
Trotzdem Juni 2009










