Über den Organisationsplan an der Universität Wien
Wie das Universitätsgesetz 2002 in die Praxis gesetzt wird...
Seit Ende letzten Jahres wird auf der Universität Wien über einen neuen Organisationsplan diskutiert, der das Universitätsgesetz 2002 in die Praxis umsetzen soll.
Die Vorgeschichte zum Organisationsplan bildet das neue Universitätsgesetz, das im Mai 2002 von der blauschwarzen Regierung unter dem Motto "Freiheit und Autonomie" eingeführt wurde. Die beiden Schlagworte sind dabei nur einseitig zu verstehen: Dem Bildungsministerium ist es jetzt möglich alle Verantwortung für die miserablen Studienbedingungen auf die Universitäten zu schieben. Die Verantwortlichkeit für die Aufbringung eines ausreichenden Budgets liegt jetzt auf seiten der Universitäten, die sich nun autonom und ohne notwendige staatliche Zuschüsse ihr Geld selber auftreiben können. Das UG 2002 hat die Universitäten in neue Abhängigkeitsverhältnisse zur Privatwirtschaft gebracht. Studienfächer, die ihre Inhalte noch nicht den Bedürfnissen potentieller GeldbringerInnen angepasst haben oder Schwierigkeiten dabei haben, überhaupt einen Anknüpfungspunkt an diese zu finden, werden wohl oder übel zusperren müssen.
Die ohnehin schon eingeschränkten demokratischen Strukturen an den Universitäten wurden endgültig abgeschafft. Während InteressensvertreterInnen der Studierenden vor dem Gesetz noch zu einem Drittel bzw. einem Viertel in allen Gremien vertreten waren, ist ihre Möglichkeit auf Mitbestimmung mittlerweile nicht mehr vorhanden. Darüber können die Versuche, den bestehenden Strukturen "beratende Funktionen" zuzuweisen nicht hinwegtäuschen. Die Unis werden jetzt von sogenannten Universitätsräten angeführt, deren Mitglieder ihre Kenntnisse aus der Privatwirtschaft unwidersprochen ausleben können.
Warum das alles?
Der Umbau der Universitäten hat weniger einen finanziellen, als einen gesellschaftlichen Hintergrund. Der konservative Bildungsbegriff begrenzt sich auf die Ausbildung von unkritischen Fachkräften für den freien Markt. Alles, was nicht unmittelbar der wirtschaftlichen Verwertung zugeführt werden kann, soll besser früher als später vernichtet werden. Dabei soll das neue Bildungssystem auch nur jenen zustehen, die sich ihre Ausbildung auch leisten können. Die Universitätsreformen sind dabei nur ein Schritt zum Ziel, in den sich die Einführung von Studiengebühren und Stipendienkürzungen einreihen: Der Pöbel soll bleiben wo er ist.
Diese Maßnahmen dürfen allerdings nicht als individuelle Bösartigkeit der handelnden Personen gedeutet werden, sie sind vielmehr Teil einer bedachten konservativen Strategie: Die sozialen Errungenschaften eines freien Bildungszuganges sollen endgültig zerstört werden, um die Durchlässigkeit des Systems abzubauen. Darüber hinaus soll der Bildungsbereich auch der Privatisierung zugeführt werden, wie es der GATS-Vertrag vorsieht.
Organisationsplan
Abseits von Streitigkeiten über die künftige Anzahl der Fakultäten an der Universität Wien ist über den Organisationsplan wenig zu Tage gekommen. Klar ist nur eines: Der Organisationsplan wird sich im Rahmen des UG 2002 bewegen müssen und daher heißt die Devise: Sparen, wo es nur geht.
Durch den Protest gegen den Organisationsplan konnte eine Aufschiebung erreicht werden. Schon jetzt ist aber klar, dass ein Aufschub des Organisationsplans nichts an der Abschaffung von demokratischen Strukturen ändern wird können. Es ist bedauerlich, dass die notwendige Debatte über Wesen und Hintergründe des neuen Organisationsplans wochenlang zugunsten einer Diskussion über Legitimität und Kreativpotenzial von Tortenwürfen in den Hintergrund getreten ist. Die grundlegende Änderung der universitären Situation hin zu einer freien und kritischen Universität ist nur zu erreichen durch konsequente Kritik, Aufklärung und Mobilmachung.
Was tun?
Der Konflikt um den Organisationsplan ist ein Spiegelbild einer weit über die Universitäten hinausreichenden Auseinandersetzung. Die Beseitigung demokratischer Mitbestimmungsmöglichkeiten, die Stärkung der Wirtschaft auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung zieht sich wie ein roter Faden durch alle politischen Maßnahmen der Bundesregierung. Diese Entwicklungen gilt es gemeinsam zu bekämpfen.
Armin L. Puller
Die Vorgeschichte zum Organisationsplan bildet das neue Universitätsgesetz, das im Mai 2002 von der blauschwarzen Regierung unter dem Motto "Freiheit und Autonomie" eingeführt wurde. Die beiden Schlagworte sind dabei nur einseitig zu verstehen: Dem Bildungsministerium ist es jetzt möglich alle Verantwortung für die miserablen Studienbedingungen auf die Universitäten zu schieben. Die Verantwortlichkeit für die Aufbringung eines ausreichenden Budgets liegt jetzt auf seiten der Universitäten, die sich nun autonom und ohne notwendige staatliche Zuschüsse ihr Geld selber auftreiben können. Das UG 2002 hat die Universitäten in neue Abhängigkeitsverhältnisse zur Privatwirtschaft gebracht. Studienfächer, die ihre Inhalte noch nicht den Bedürfnissen potentieller GeldbringerInnen angepasst haben oder Schwierigkeiten dabei haben, überhaupt einen Anknüpfungspunkt an diese zu finden, werden wohl oder übel zusperren müssen.
Die ohnehin schon eingeschränkten demokratischen Strukturen an den Universitäten wurden endgültig abgeschafft. Während InteressensvertreterInnen der Studierenden vor dem Gesetz noch zu einem Drittel bzw. einem Viertel in allen Gremien vertreten waren, ist ihre Möglichkeit auf Mitbestimmung mittlerweile nicht mehr vorhanden. Darüber können die Versuche, den bestehenden Strukturen "beratende Funktionen" zuzuweisen nicht hinwegtäuschen. Die Unis werden jetzt von sogenannten Universitätsräten angeführt, deren Mitglieder ihre Kenntnisse aus der Privatwirtschaft unwidersprochen ausleben können.
Warum das alles?
Der Umbau der Universitäten hat weniger einen finanziellen, als einen gesellschaftlichen Hintergrund. Der konservative Bildungsbegriff begrenzt sich auf die Ausbildung von unkritischen Fachkräften für den freien Markt. Alles, was nicht unmittelbar der wirtschaftlichen Verwertung zugeführt werden kann, soll besser früher als später vernichtet werden. Dabei soll das neue Bildungssystem auch nur jenen zustehen, die sich ihre Ausbildung auch leisten können. Die Universitätsreformen sind dabei nur ein Schritt zum Ziel, in den sich die Einführung von Studiengebühren und Stipendienkürzungen einreihen: Der Pöbel soll bleiben wo er ist.
Diese Maßnahmen dürfen allerdings nicht als individuelle Bösartigkeit der handelnden Personen gedeutet werden, sie sind vielmehr Teil einer bedachten konservativen Strategie: Die sozialen Errungenschaften eines freien Bildungszuganges sollen endgültig zerstört werden, um die Durchlässigkeit des Systems abzubauen. Darüber hinaus soll der Bildungsbereich auch der Privatisierung zugeführt werden, wie es der GATS-Vertrag vorsieht.
Organisationsplan
Abseits von Streitigkeiten über die künftige Anzahl der Fakultäten an der Universität Wien ist über den Organisationsplan wenig zu Tage gekommen. Klar ist nur eines: Der Organisationsplan wird sich im Rahmen des UG 2002 bewegen müssen und daher heißt die Devise: Sparen, wo es nur geht.
Durch den Protest gegen den Organisationsplan konnte eine Aufschiebung erreicht werden. Schon jetzt ist aber klar, dass ein Aufschub des Organisationsplans nichts an der Abschaffung von demokratischen Strukturen ändern wird können. Es ist bedauerlich, dass die notwendige Debatte über Wesen und Hintergründe des neuen Organisationsplans wochenlang zugunsten einer Diskussion über Legitimität und Kreativpotenzial von Tortenwürfen in den Hintergrund getreten ist. Die grundlegende Änderung der universitären Situation hin zu einer freien und kritischen Universität ist nur zu erreichen durch konsequente Kritik, Aufklärung und Mobilmachung.
Was tun?
Der Konflikt um den Organisationsplan ist ein Spiegelbild einer weit über die Universitäten hinausreichenden Auseinandersetzung. Die Beseitigung demokratischer Mitbestimmungsmöglichkeiten, die Stärkung der Wirtschaft auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung zieht sich wie ein roter Faden durch alle politischen Maßnahmen der Bundesregierung. Diese Entwicklungen gilt es gemeinsam zu bekämpfen.
Armin L. Puller










