Noten abschaffen?
Zur Diskussion um die Leistungsbeurteilung
Der Vorschlag in Österreich Schulnoten und Sitzenbleiben abzuschaffen, stößt wie eh und je auf Wiederwillen. Eines der Hauptargumente dagegen ist aus Eltern- wie aus SchülerInnenmund: "Da leistet ja niemand mehr etwas!"
Aber was ist denn diese ominöse Leistung überhaupt, die mensch nur erbringt, um Noten von eins bis fünf in der Schule bzw. um mehr oder auch weniger Lohn in der Arbeitswelt zu erhalten? Leistung ist in dieser Gesellschaft ein konservativ dominierter Begriff. Es wird also Zeit, diesen Begriff zu dekonstruieren. Menschen erbringen nicht nur Leistung, wenn sie Topmanagergehälter verdienen oder nur Sehr Gut in der Schule schreiben. Wir sind vielmehr sogar eine Gesellschaft der LeistungsträgerInnen. Jeder Mensch leistet etwas für das Zusammenleben mit anderen Menschen. In der Gesellschaft sieht das aber eigentlich so aus, dass die, die eigentlich am meisten leisten am wenigsten mit Lohn honoriert werden. Die, die dafür eigentlich nur besitzen und andere für sich leisten lassen, bekommen den meisten Lohn. Umgelegt auf unser Schulsystem würde das heißen, dass die EinserschülerInnen nur noch "Nicht Genügend" bekommen und umgekehrt. So mancher wird jetzt aufatmen und feststellen: "Na wenigstens wird Leistung in der Schule noch gebührend honoriert!" Aber ist das wirklich so?
In der Schule ist alles anders - oder doch nicht?
Leistung in unserem Schulsystem heißt zumeist bis zu einem gewissen Zeitpunkt Wissen - ob nützlich oder nicht - in sich aufzusaugen, um Fragmente davon termingerecht zur Schularbeit oder Prüfung wieder auszuspucken. Am Tag danach ist der meiste Stoff dann auch schon wieder vergessen. Warum auch nicht? Wird ja nie wieder geprüft. Neben viel Allgemeinbildung von der ohnehin nur wenig übrig bleibt, lernt mensch dann doch noch etwas. Man wird für die Gesellschaft geformt, lernt seinen Vorgesetzten zu gehorchen, lernt nicht zu hinterfragen, lernt pünktlich und ordentlich zu sein und natürlich auch das ohnehin nichts mehr veränderbar sei. Man wird also doch zum/r LeistungsträgerIn der Gesellschaft erzogen, der/die aber nie erfahren soll, dass er/sie das ist. Um überhaupt sinnvoll über Leistungsbeurteilung diskutieren zu können, sollte mensch sich diese neue Definition des Begriffes Leistung vor Augen führen.
Leistungsbeurteilung abschaffen!
Leistung heißt also nicht ein Sehr Gut in der Schule bekommen. Jeder Mensch erbringt Leistung. Die Aufgabe des Schulsystems muss es sein, SchülerInnen nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zu fördern. SchülerInnen sollten in der Schule keine Angst haben zu versagen, sondern hinterfragen und verstehen lernen. Darauf ist das jetzige Schulsystem aber nicht ausgelegt. Auch Methoden der alternativen Leistungsbeurteilung würden das prinzipielle Problem nicht lösen. Mündliches Feed-back ist nur eine andere Form von Benotung, in der sich sehr schnell neue Beurteilungscodes einbürgern würden. Zusätzlich bietet diese Art der Beurteilung noch vielmehr Willkür als Noten. Um die Schule zu einem Lebensraum für Schülerinnen und Schüler zu machen reicht es nicht aus, die Machtverhältnisse zu verschleiern. Die Schule muss demokratisiert werden um zu einem Ort des wirklichen Lernens zu werden. Demokratisierung heißt aber nicht nur Mitbestimmung auf allen Ebenen einzuführen, sondern auch Selektionsmechanismen bewusst auszuschalten. Als erster Schritt dafür ist die Einführung von Gesamtschule und verpflichtender Ganztagsschule unbedingt erforderlich. Nur so ist es für Kinder aus ärmeren und reicheren Familien gleichfalls möglich einen freien Zugang zu Bildung zu erlangen und auch die Möglichkeit gegeben das erlernte zu nutzen. Aber auch Leistung darf nicht mehr beurteilt werden, sondern soll nach den Bedürfnissen der SchülerInnen gefördert werden. Natürlich sollen auch Fehler aufgezeigt werden, da das ja bekanntlich ein Mittel zum Lernen sind. Allerdings darf anhand von diesen keine Selektion passieren.
Für eine Demokratisierung von Schule und Gesellschaft
Die Demokratisierung von Schule darf aber nicht allein bleiben. Das ist auch nicht möglich. Die Schule ist immer nur so demokratisch wie die Gesellschaft. Die Schule kann nachhaltig nur geändert werden, wenn auch die Gesellschaft verändert wird. In der Arbeitswelt ist es ähnlich wie in der Schule. Die Beschäftigten sollen ihren Vorgesetzten gehorchen und keine Anordnungen hinterfragen, sie sollen pünktlich und ordentlich sein und möglichst wenig mitbestimmen. Darauf sind sie ja schließlich in der Schule schon vorbereitet worden. Um dies zu ändern muss auch die Arbeitswelt demokratischer gestaltet werden: Arbeit muss vom Übel zur Erfüllung gemacht werden. Unser Ziel darf also nicht darin bestehen, nur die Ziffernnoten abzuschaffen und durch andere unzulässige Methoden der Leistungsbeurteilung zu ersetzen, sondern muss viel weiter gehen.
Für die Demokratisierung aller Gesellschaftsbereiche und Mitbestimmung auf allen Ebenen!
Sandra Breiteneder
Aber was ist denn diese ominöse Leistung überhaupt, die mensch nur erbringt, um Noten von eins bis fünf in der Schule bzw. um mehr oder auch weniger Lohn in der Arbeitswelt zu erhalten? Leistung ist in dieser Gesellschaft ein konservativ dominierter Begriff. Es wird also Zeit, diesen Begriff zu dekonstruieren. Menschen erbringen nicht nur Leistung, wenn sie Topmanagergehälter verdienen oder nur Sehr Gut in der Schule schreiben. Wir sind vielmehr sogar eine Gesellschaft der LeistungsträgerInnen. Jeder Mensch leistet etwas für das Zusammenleben mit anderen Menschen. In der Gesellschaft sieht das aber eigentlich so aus, dass die, die eigentlich am meisten leisten am wenigsten mit Lohn honoriert werden. Die, die dafür eigentlich nur besitzen und andere für sich leisten lassen, bekommen den meisten Lohn. Umgelegt auf unser Schulsystem würde das heißen, dass die EinserschülerInnen nur noch "Nicht Genügend" bekommen und umgekehrt. So mancher wird jetzt aufatmen und feststellen: "Na wenigstens wird Leistung in der Schule noch gebührend honoriert!" Aber ist das wirklich so?
In der Schule ist alles anders - oder doch nicht?
Leistung in unserem Schulsystem heißt zumeist bis zu einem gewissen Zeitpunkt Wissen - ob nützlich oder nicht - in sich aufzusaugen, um Fragmente davon termingerecht zur Schularbeit oder Prüfung wieder auszuspucken. Am Tag danach ist der meiste Stoff dann auch schon wieder vergessen. Warum auch nicht? Wird ja nie wieder geprüft. Neben viel Allgemeinbildung von der ohnehin nur wenig übrig bleibt, lernt mensch dann doch noch etwas. Man wird für die Gesellschaft geformt, lernt seinen Vorgesetzten zu gehorchen, lernt nicht zu hinterfragen, lernt pünktlich und ordentlich zu sein und natürlich auch das ohnehin nichts mehr veränderbar sei. Man wird also doch zum/r LeistungsträgerIn der Gesellschaft erzogen, der/die aber nie erfahren soll, dass er/sie das ist. Um überhaupt sinnvoll über Leistungsbeurteilung diskutieren zu können, sollte mensch sich diese neue Definition des Begriffes Leistung vor Augen führen.
Leistungsbeurteilung abschaffen!
Leistung heißt also nicht ein Sehr Gut in der Schule bekommen. Jeder Mensch erbringt Leistung. Die Aufgabe des Schulsystems muss es sein, SchülerInnen nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zu fördern. SchülerInnen sollten in der Schule keine Angst haben zu versagen, sondern hinterfragen und verstehen lernen. Darauf ist das jetzige Schulsystem aber nicht ausgelegt. Auch Methoden der alternativen Leistungsbeurteilung würden das prinzipielle Problem nicht lösen. Mündliches Feed-back ist nur eine andere Form von Benotung, in der sich sehr schnell neue Beurteilungscodes einbürgern würden. Zusätzlich bietet diese Art der Beurteilung noch vielmehr Willkür als Noten. Um die Schule zu einem Lebensraum für Schülerinnen und Schüler zu machen reicht es nicht aus, die Machtverhältnisse zu verschleiern. Die Schule muss demokratisiert werden um zu einem Ort des wirklichen Lernens zu werden. Demokratisierung heißt aber nicht nur Mitbestimmung auf allen Ebenen einzuführen, sondern auch Selektionsmechanismen bewusst auszuschalten. Als erster Schritt dafür ist die Einführung von Gesamtschule und verpflichtender Ganztagsschule unbedingt erforderlich. Nur so ist es für Kinder aus ärmeren und reicheren Familien gleichfalls möglich einen freien Zugang zu Bildung zu erlangen und auch die Möglichkeit gegeben das erlernte zu nutzen. Aber auch Leistung darf nicht mehr beurteilt werden, sondern soll nach den Bedürfnissen der SchülerInnen gefördert werden. Natürlich sollen auch Fehler aufgezeigt werden, da das ja bekanntlich ein Mittel zum Lernen sind. Allerdings darf anhand von diesen keine Selektion passieren.
Für eine Demokratisierung von Schule und Gesellschaft
Die Demokratisierung von Schule darf aber nicht allein bleiben. Das ist auch nicht möglich. Die Schule ist immer nur so demokratisch wie die Gesellschaft. Die Schule kann nachhaltig nur geändert werden, wenn auch die Gesellschaft verändert wird. In der Arbeitswelt ist es ähnlich wie in der Schule. Die Beschäftigten sollen ihren Vorgesetzten gehorchen und keine Anordnungen hinterfragen, sie sollen pünktlich und ordentlich sein und möglichst wenig mitbestimmen. Darauf sind sie ja schließlich in der Schule schon vorbereitet worden. Um dies zu ändern muss auch die Arbeitswelt demokratischer gestaltet werden: Arbeit muss vom Übel zur Erfüllung gemacht werden. Unser Ziel darf also nicht darin bestehen, nur die Ziffernnoten abzuschaffen und durch andere unzulässige Methoden der Leistungsbeurteilung zu ersetzen, sondern muss viel weiter gehen.
Für die Demokratisierung aller Gesellschaftsbereiche und Mitbestimmung auf allen Ebenen!
Sandra Breiteneder










