Dienstag 7. Februar 2012
Wir zahlen nicht für eure Krise!
flickr facebook
Link zu den Bundesländern Vorarlberg Burgenland Tirol Kärnten Niederösterreich Wien Oberösterreich Salzburg Steiermark

Inhalt:

Bildung und Ausbildung

Gesamtschule - Integration statt Selektion

Die Gesamtschulidee hat in Österreich eine lange Geschichte. Die Umsetzung dieser Idee wurde jedoch aus Angst vor der Entstehung eines intellektuellen Proletariats von konservativer Seite blockiert.

Die ersten Versuche eine gemeinsame Schule für alle 10 bis 14-jährigen einzuführen, wurden in Österreich in der Zwischenkriegszeit gemacht. In den zwanziger Jahren starteten in Wien die ersten Gesamtschulversuche. Mit dem Schuljahr 1922/23 wurden sechs Wiener Bürgerschulen, ab 1927/28 achtzehn weitere, zu "Allgemeinen Mittelschulen" erklärt. Es kam jedoch nicht zu einer Einführung einer "Allgemeinen Mittelschule" für alle SchülerInnen, im Gegenteil: Mit der Schulreform 1927 entstand die Hauptschule.

Seit den siebziger Jahren werden vor allem in Wien Schulversuche mit "integrierten Gesamtschulen" durchgeführt. Viele dieser Schulversuche laufen bis heute. Das großflächigste Projekt stellt dabei der Schulversuch Mittelschule im 13./23. Bezirk und im 21./22. Bezirk dar, bei dem Hauptschulen und allgemeinbildenden höheren Schulen der gesamten Region kooperieren. Auch diese Schulversuche führten nur zu einer weiteren Reform der Hauptschule. Mit den sozialen Hürden, die von Seiten der schwarz-blauen Regierung im Bildungssystem installiert werden, rückt die Verwirklichung eines gerechten Bildungssystems in immer weitere Ferne.

Obwohl in der Pisa-Studie jene Länder am besten abschnitten, die bereits ein Gesamtschulsystem haben, beschreitet "Zukunftsministerin" Gehrer einen Weg in die entgegengesetzte Richtung. Nur SchülerInnen die einen Aufnahmetest nach der Volksschule bestehen sollen in Zukunft in die AHS aufgenommen werden. Jene die es sich leisten können werden ihre Kinder mittels Nachhilfeunterricht auf einen solchen Test vorbereiten, was zu einer Verstärkung des sozialen Auswahlcharakters im österreichischen Schulsystem führen wird.

Die Notwendigkeit einer einheitlichen Schulform für alle SchülerInnen im Pflichtschulbereich ist nicht nur mit bildungspolitischen, sondern auch mit pädagogischen Argumenten begründbar. Das derzeitige Modell der Zwei-Klassen-Schule kann das demokratische Grundrecht der Bildungschancengleichheit nicht gewährleisten. Es findet hier keine Differenzierung nach Begabungen, sondern eine eindeutige Differenzierung nach sozialer Herkunft statt. Die beiden Schultypen haben wortidente Lehrpläne. Die Hauptschule hat jedoch die für das Weiterbestehen der etablierten Gesellschaftsstrukturen unentbehrliche Funktion mittels sozialer Selektion dafür zu sorgen, dass die sogenannten bildungsfernen Schichten auch weiterhin von universitärer Bildung ferngehalten werden.

Die Gesamtschule garantiert allen SchülerInnen eine sowohl organisatorisch als auch qualitativ idente schulische Ausbildung. Alle Kinder erhalten eine wissenschaftsorientierte Grundbildung und haben daher gleichermaßen die Chance auf einen Maturaabschluss und eine universitäre Ausbildung.

Schullaufbahnentscheidungen werden bis zum Ende der Schulpflicht aufgeschoben und können so in höherem Maße von den SchülerInnen selbst getroffen werden. Die ausschließlich auf problematischen und unsicheren Begabungsdiagnosen gegründete Schullaufbahnentscheidung am Ende der Volksschule wird durch die Gesamtschule überflüssig. Die Feststellung von Lernbefähigungen und Interessen erfolgt in einem längeren Prozess und kann dem Entwicklungsprozess der SchülerInnen entsprechend verändert und revidiert werden, ohne einen Schulwechsel notwendig zu machen. Alle SchülerInnen können ihren individuellen Befähigungen und Begabungen entsprechend gefördert werden. Auch die Selbsteinschätzung kann in der Gesamtschule im Gegensatz zu der derzeit praktizierten Fremdeinschätzung durch VolksschullehrerInnen eine wesentlich größere Rolle spielen. In der Gesamtschule steht allen Kindern ein weitaus größeres Feld an Möglichkeiten zur Verfügung. Die Hauptschule mit ihrem Restschulcharakter und die elitäre Segregation des Gymnasiums beschränkten die Handlungsspielräume der SchülerInnen.

Toleranz, Kooperation und Solidarität werden in der Gesamtschule gefördert. Durch gemeinsame soziale Erfahrungen für Kinder aus allen Gesellschaftsschichten können soziale Unterschiede bewusst gemacht und kritisch bearbeitet werden. Nur soziale Koedukation kann die Vorbereitung für eine sozial integrierte demokratische Gesellschaft sein!
vorheriges Bild Bild Pause/Fortsetzen nächstes Bild
vorheriges Video Video Pause/Fortsetzen nächstes Video
IMPRESSUM © sozialistische jugend
http://www.sjoe.at/