Dienstag 7. Februar 2012
Naziaufmarsch, Geschichtsrevision und Repression entgegenstellen
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Inhalt:

Frauenpolitik und Sexismus

Wir wollen die Hälfte der Welt!

Skizzen aus der Frauenbewegung
Die Hälfte der Welt wollen sie alle. Doch darüber, worin genau diese Hälfte besteht, herrscht - oder besser "fraut" Uneinigkeit. Und sobald es um die Gleichheit von allen Menschen geht, scheiden sich die Geister.

“Mann, bist du fähig, gerecht zu sein?” ODER “Die bürgerliche Frauenbewegung”
In Deutschland kann der Beginn der organisierten bürgerlichen Frauenbewegung an der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Frauenverein" durch Louise Otto-Peters (1819-1895) und Auguste Schmidt (1833-1902) im Jahre 1864 festgemacht werden. Die Hauptanliegen des Vereins bestanden in der Durchsetzung des Rechts auf Bildung sowie des Rechts auf Berufsausübung für Frauen. Zuvor durften Frauen nur den Beruf der LehrerIn ausüben und dies auch nur, solange sie unverheiratet waren.

Die Durchsetzung des Frauenwahlrechts war lange Zeit kein Thema im ADF. Erst durch die Herausbildung eines "radikalen" Flügels innerhalb des Bundes Deutscher Frauenvereine, dem Dachverband aller bürgerlichen Frauenvereine Deutschlands, wurde 1902 die Forderung nach Wahlrecht für Frauen laut. Dieser "radikale" Flügel ging von einer prinzipiellen Gleichheit zwischen Frau und Mann aus und forderte deshalb auch den Zugang zu Universitäten sowie gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Ein weiterer Streitpunkt innerhalb des BDF war die Streichung des Verbots von Abtreibung. Der konservative Flügel des Vereins setzte sich durch und es kam zu einer Spaltung.

Am augenscheinlichsten wurde der tiefe Graben innerhalb der Frauenbewegung aber, als mit Beginn des 1. Weltkriegs der BDF aus patriotischen Gründen die Teilnahme am Frauenfriedenskongress in Den Haag verweigerte und seine Aufgabe in der nationalistischen Unterstützung des Krieges definierte.

Ähnlich wie in Deutschland verlief auch die Entwicklung in Österreich. Hier war es Karoline von Perin, die 1848 den "Wiener demokratischen Frauenverein" gründete.

Eine besondere Strömung innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegungen bestand in England zwischen 1908 und 1913. Ihr Name - Suffragetten- leitet sich vom französischen Wort für Wahl/Stimme - suffrage - ab. Diese Gruppe von Frauen versuchte mit Hungerstreiks und Großdemonstrationen das Frauenwahlrecht für sich und ihre Schwestern zu erstreiten. An einer Demonstration im Hydepark in London sollen etwa 250.000 Menschen teilgenommen haben. Die Suffragetten schreckten auch vor drastischeren Mitteln der Meinungsbekundung nicht zurück. So sprengten sie am 19.2.1913 das Landhaus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George in die Luft, um ihrer Forderung nach Wahlrecht Nachdruck zu verleihen.

“In jeder Gesellschaft ist der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation!“ ODER “Die proletarische Frauenbewegung”
Anders als bei die bürgerlichen Frauen, die sich aufgrund der Wirtschaftskrise für ihr Recht auf Arbeit einsetzten war es für die Frauen aus der ArbeiterInnenklasse unumgänglich zu arbeiten. Für die Vertreterinnen dieser Bewegung war klar, dass die Unterdrückung der Frauen eng mit der Unterdrückung der besitzlosen Arbeitenden (Proletariat) durch die Herrschenden (Bürgerliche oder Bourgeoisie) - also den Besitzern der Fabriken - verbunden ist. Ihre Forderungen orientierten sich an den Bedürfnissen der Arbeiterinnen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, aufgrund der Doppelbelastung durch Beruf und Familie die Einführung des 8-Stunden-Tages, Mutterschutz, Arbeitsrechtsbestimmungen, und vieles mehr.

Die ArbeiterInnenbewegung hatte erkannt, dass die Aufgabe der bürgerlichen Kleinfamilie größtenteils die Reproduktion von Geschlechterverhältnissen und Geschlechterrollen war und somit eine der bedeutensten Stützen des Patriachats darstellt. Deshalb setzten sie sich auch konsequent für eine Zerschlagung dieser Strukturen ein. Dies führte z. B. in der Sowjetunion dazu, dass eine der ersten Maßnahmen nach der Machtergreifung durch die ArbeiterInnen die Verbesserung des Mutterschutzes, die Legalisierung der Abtreibung sowie die Einführung von Kinderbetreuung und Volksküchen zur Vergesellschaftung der Hausarbeit waren. Auch wurde die Ehe einem Vertrag gleichgestellt, der leicht zu schließen und jederzeit einseitig ohne Angabe von Gründen wieder zu lösen war.

Vieles wurde von diesen Frauen erkämpft, von dem wir auch heute noch profitieren, zum Teil wurden die Errungenschaften durch die Frau-zurück-an-den-Herd-Politik von Schwarz-Blau wieder zerschlagen.

Die Hälfte der Welt gehört uns noch lange nicht. Kämpfen wir gemeinsam - es liegt an uns!
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