Dienstag 7. Februar 2012
Naziaufmarsch, Geschichtsrevision und Repression entgegenstellen
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Inhalt:

Frauenpolitik und Sexismus

... deshalb sind wir FeministInnen

Zur Frauenkampagne der SJÖ
So lautet der Slogan der aktuellen Frauenkampagne der Sozialistischen Jugend Österreich. Die Frage, die uns von PassantInnen beim Aktionstag am häufigsten gestellt wird, lautet: „Ja weshalb seid ihr eigentlich Feministinnen?“

Weshalb sind wir FeministInnen? Wie bei vielem anderem stand am Anfang die Erkenntnis. Wenn mensch die Gesellschaft genau betrachtet, ist festzustellen, dass es viele Bereiche gibt, in denen Frauen immer noch mehr oder weniger benachteiligt werden. Das allein macht aber noch keineN zur FeministIn. Dazu gehört der Wille, diese Verhältnisse zu ändern, die Ungerechtigkeiten abzuschaffen. Wie sehen diese Ungerechtigkeiten aus und wo finden wir sie?

Weil Frauenarbeit nie aufhört und unterbezahlt oder unbezahlt, langweilig und monoton ist...weil wir die ersten sind die entlassen werden...
Frauen sind einer doppelten Arbeitsbelastung ausgesetzt. Die meisten kümmern sich nicht nur um die „normale Hausarbeit“ sondern gehen nebenher noch einer bezahlten Arbeit nach. Arbeit von Frauen wird im Durchschnitt um ein Drittel schlechter bezahlt als die von Männern. Frauen arbeiten Teilzeit, weil sie nebenbei ihre Familie versorgen müssen. Und seit Antritt der Schwarz-blauen Regierung klafft die Lohnschere noch weiter auseinander. Anstatt dass sich die Regierung darum bemüht, die Situation zu ändern haben ihre Novellen deutlich gezeigt, in welche Richtung sie sich Frauen- und Arbeitspolitik vorstellen kann: Kinder- und Pflegegeld sollen und werden von Frauen in Anspruch genommen. Da sie sowieso meistens weniger verdienen als Männer, entgeht der Familie weniger Geld, die Frau unterbricht ihre Arbeit und wird dann oft nicht mehr in der selben Position angestellt. Ist die Konjunkturlage schlecht, sind Frauen die ersten, die gekündigt werden, da sie selten in besseren Positionen beschäftigt sind und so leicht ersetzbar sind.

...weil es wichtiger ist, wie wir aussehen, als was wir können...
Frauen werden vor allem nach ihrem Aussehen beurteilt. Entspricht eine Frau nicht der gängigen Norm, wird sie dafür kritisiert. Werbung, Fernsehen und die Gesellschaft geben perfekte Frauen vor, denen die Durchschnittsfrau nacheifern soll. In manchen Fällen führt dieses Nacheifern von der x-ten Diät in eine Essstörung. Für Männer gilt dieses Ideal hingegen nicht. Nicht umsonst heißt es: „Männer werden reifer, Frauen alt“

...weil es unsere Schuld ist, wenn wir vergewaltigt werden und weil wir es provoziert haben, wenn wir geschlagen werden...
Vom dummen Witz über die mangelnden Kenntnisse von Frauen beim Autofahren bis zur sexuellen Belästigung oder Vergewaltigung ist es zwar ein weiter Schritt, im Prinzip funktioniert jedoch beides nach dem selben Schema. Frauen wird vermittelt, dass sie gegenüber Männern nicht gleichgestellt sind. Dasselbe gilt für die Gewalt an Frauen – eine von fünf in Beziehung lebenden Frauen hat Erfahrung mit Gewalt. Reicht strukturelle Gewalt nicht aus, sichern Männer ihre „Herrschaft“ mit anderen Mitteln.

...weil wir frustrierte Emanzen sind, wenn wir unsere Stimme erheben...weil wir aggressiv und unweiblich sind, wenn wir für unsere Rechte eintreten und weil wir schwach sind, wenn wir es nicht tun...
Feminismus ist schon als reines Wort verpönt, es weckt in den Köpfen der meisten Menschen negative Assoziationen wie „Kampflesbe“ oder „Emanze“. Frauen haben brav zu sein und auf ihre Errettung durch den Märchenprinzen zu warten. Wenn aber nicht wir diejenigen sind, die etwas ändern wollen, wird das keinE AndereR für uns tun.

...weil wir nymphomanisch sind, wenn wir Freude am Sex haben und frigide, wenn wir keine haben...
Frauen und Männer haben Sex, doch während Männer offen darüber reden können – ja sogar mit ihren „Abenteuern“ prahlen – wird Frauen beigebracht zu schweigen, um sich ihren Ruf nicht zu verderben. Tut frau es doch ist sie als „Schlampe“ oder „Flittchen“ abgestempelt. Hat frau Probleme beim Sex, so erduldet sie ihn - dem Mann zuliebe - oder wird - falls sie das nicht tut - sehr bald als frigide abgestempelt. Auch hier ist es Zeit, veraltete Rollenbilder und Klischees zu überwinden und einen offenen, toleranten Zugang zu finden.

...weil wir egoistische Rabenmütter sind, wenn wir staatliche Kinderbetreuung fordern...
Nicht jede Frau findet ihre Erfüllung in der Kinderbetreuung, aber während es Männern nicht nachgetragen wird, dass sie zwar Familie haben, aber dennoch fast nie zu Hause sind, hören Frauen oft den Vorwurf, sie seien kaltherzige Rabenmütter, die ihrer „natürlichen“ Aufgabe nicht nachgehen wollen. Neben diesem Vorwurf – den frau ja ignorieren könnte, macht ein fehlendes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen den Frauen das Leben schwer. Vergleicht man die Geburtenraten in den skandinavischen Ländern oder Frankreich mit denen in Österreich, so kann man feststellen, dass ein gutes Kinderbetreuungsangebot dazu führt, dass sich mehr Leute dazu entschließen, Kinder zu haben, als der polemische Vorwurf auf Parties und das Ferienhaus in Lech zu verzichten.

...weil wir gewissenlos sind, wenn wir abtreiben...
Ganz abgesehen davon, dass wohl kaum eine Frau, die abtreibt, diese Entscheidung ohne Nachdenken trifft, ist das Recht auf Abtreibung in einer Welt, in der Frauen immer noch Opfer von Vergewaltigung werden oder Verhütung nicht hundertprozentig schützt notwendig. Die Gegner dieses Rechtes sterben jedoch nicht aus. Im Gegenteil, sie erhalten Unterstützung von der Kirche und Symphatiebekundungen hochrangiger ÖVP-Politiker.

...und weil an Spaziergängen auf dem Mond immer noch mehr Interesse besteht, als an der Verbesserung von Verhütungsmitteln...
Die Welt, in der wir leben ist eine männlich beherrschte Welt, Frauen spielen nur die Nebenrollen. Geschichte wird von „großen“ Männern gemacht. Auch die Forschung ist männlich dominiert. Krankheiten und Medikamente werden großteils an männlichen Versuchspersonen erforscht und getestet. Verhütungsmittel, die auf hormoneller Basis funktionieren gibt es bisher jedoch nur für Frauen...

...deshalb und aus vielen, vielen anderen Gründen sind wir FeministInnen!
Und zum Schluss kommen wir doch wieder zurück zu unserem Slogan. Oft fühlen sich Männer davon gar nicht angesprochen, sehen nicht, dass sie durch das große „I“ doch „mitgemeint“ sind. Von Frauen wird aber tagtäglich erwartet, sich bei maskulinen Endungen mitgemeint zu fühlen....

Deshalb sind wir also FeministInnen - und damit wir nicht allein bleiben haben wir unsere Kampagne gestartet. Wir wollen Bewusstsein schaffen, wollen Verbündete und MitstreiterInnen finden, um all das ändern zu können.

Bei Straßenaktionen in allen Bundesländern, haben wir Infomaterialien verteilt, Diskussions- und StreitpartnerInnen getroffen, dumme Bemerkungen gehört und hoffentlich den oder die eineN dazu bewegen können, seine/ihre Meinung zu ändern und in Zukunft bewusster mit dem Thema Gleichberechtigung umzugehen.

Am 19. Dezember hatte die erste Aktionstagsrunde in Salzburg geendet, aber im Jänner und Februar 2004 starteten wir noch eine Tour durch die Länder. Alle weiblichen Interessierten waren herzlich zu dem Mitte März stattfindenden Frauenseminar eingeladen. Hier gab es die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, Neues über die Situation der Frauen und den Stand der Gleichberechtigung zu erfahren oder einfach nur Spaß zu haben.

Katharina Luger
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