Dienstag 7. Februar 2012
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Inhalt:

Frauenpolitik und Sexismus

Stille Nacht...

Weihnachtsfamilie - Klischee und Wahrheit
Auch heuer wieder wird der vielbesungene Frieden zur Weihnachtszeit für zahlreiche Frauen nur ein Wunschtraum bleiben. Denn es ist nicht der dunkle Park, der für Frauen das größte Gefahrenpotential bietet, es sind die eigenen vier Wände, die „ach so heilige Familie“, die für Frauen oft zur Hölle wird.

Gewalt im sozialen Nahraum ist allgegenwärtig: So wird etwa jede fünfte Frau Opfer von Gewalt in der eigenen Familie, der Bericht der autonomen österreichischen Frauenhäuser 2003 hält dazu fest: „Gewalt gegen Frauen lässt sich nicht auf bestimmte Beziehungsformen beschränken, nach wie vor kann aber die Ehe als gefährlichste Beziehungsform für Frauen betrachtet werden.“

Doch diese Gewalt ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs. Laut einer Studie der Universität Bielefeld geht diese Gewalt soweit, dass in etwa jede 3. Frau, die Opfer eines Mordes wird, von ihrem eigenen Lebenspartner ermordet wird. Bei Totschlag sind es sogar 46 % der Frauen.

In den Herzen ist's warm,
still schweigt Kummer und Harm...


Gerade zu Weihnachten kommt Gewalt gegen Frauen besonders stark zum Ausdruck. Die Gründe dafür sind vielfältig: So kommen aufgestaute Aggressionen an die Oberfläche, der Druck, dass alles perfekt ablaufen muss, ist besonders hoch. „Der auf Weihnachtsfeiern und Punschständen konsumierte Alkohol treibt das Gewaltpotential zusätzlich in die Höhe.“, so Andrea Brem von den Wiener Autonomen Frauenhäusern.

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh;
Maria und Joseph betrachten es froh...


Oft wird die Familie als Ort von Schutz und Geborgenheit dargestellt. Eine Vater-Mutter-Kind-Familie sei die „Keimzelle der Gesellschaft“ hört mensch oft von konservativer Seite. Doch welche Aufgaben erfüllt Familie in unserer Gesellschaft?

Tatsächlich erfüllt die Familie im kapitalistischen System wichtige Aufgaben: sie stabilisiert und reproduziert das System und die dafür notwendigen Botschaften, Werte und Pflichten:

Zum einem wird in der Familie unbezahlte Haus- und Pflegearbeit geleistet. Es handelt sich dabei um ca. 11 Milliarden Stunden pro Jahr. 2 Drittel davon verrichten Frauen.

Zum anderen fällt ihr die wichtige Aufgabe zu, Kindern entsprechende „Werte“ zu vermitteln: das heißt allen voran vorhandene Rollenbilder an die nächste Generation weiterzugeben. So müssen etwa junge Mädchen lernen zu kochen, zu waschen, einzukaufen, ... während jungen Burschen eher die Aufgabe zufällt, mit dem Vater das Auto zu reparieren, ...

Eine für den Erhalt des kapitalistischen Systems in seiner momentanen Phase unerlässliche Aufgabe ist es, die Ware „Arbeitskraft des Mannes“ zu erneuern und wieder herzustellen. Das bedeutet, dass der Frau die Aufgabe zufällt, ihn nach seinem anstrengenden Arbeitstag wieder „aufzupäppeln“. Und dies meist unabhängig davon, ob die Frau selbst berufstätig ist oder nicht. Handelt es sich bei der Frau um eine nichterwerbstätige Frau, also eine Hausfrau, kommt noch hinzu, dass sich der Lebensrhythmus von Ehemann und Ehefrau deutlich voneinander unterscheidet. Während der Mann nach seinem Arbeitstag nach Hause kommt und umsorgt und gepflegt werden will, haben Frauen am Abend oft das erste Mal die Möglichkeit Gespräche mit gleichaltrigen und nicht mit Kindern zu führen. Also das Bedürfnis, soziale Kontakte zu pflegen. Ohnehin ist das nicht so gut vereinbar, denn wenn der Arbeitstag des Mannes vorbei ist, beginnt für Frauen die Arbeit meist erst.

Dies birgt natürlich zusätzliches Konfliktpotential. Besonders belastend ist gerade zu Weihnachten, dass der Frau in der Familie die Aufgabe zukommt, den Schein nach außen zu wahren. Alles muss perfekt sein, die Wohnung blitzblank, die Kekse gebacken, die Kinder besonders artig und das Zusammenleben mit ihrem Ehemann besonders harmonisch. Das ist in konfliktträchtigen Familien oft unerfüllbar und stellt natürlich eine ungeheure Belastung für Frauen dar. Und nur in den seltensten Fällen sprechen sie mit anderen Frauen darüber, da dies ja dem heilen Bild nach außen widersprechen würde und für viele Frauen Familiendasein auch zur Isolation von der Außenwelt führt.

Stille Nacht, dunkle Nacht.
Arbeitsvolk, aufgewacht !


Die wichtigste Vorraussetzung für die Beendigung der Unterdrückung von Frauen ist die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen. Solange Frauen noch immer ein Drittel weniger verdienen als Männer, können sie kein selbstbestimmtes Leben führen. Der Kampf für eine Gesellschaft ohne Gewalt und Unterdrückung muss gleichzeitig der Kampf für eine Gesellschaft sein, in der keine Ausbeutung von Menschen durch andere Menschen existiert. Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau, ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!
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