Dienstag 7. Februar 2012
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Inhalt:

Frauenpolitik und Sexismus

30 Jahre Fristenregelung

"Ob Kinder oder keine, bestimmt....?
30 Jahre Fristenlösung - Für die Kirche eine „offene Wunde in der Geschichte der Zweiten Republik“ [Kardinal König], für die Frauen, die in Österreich leben, einer der größten frauenpolitischen Erfolge.

Bereits 1926 stellten die SozialistInnen im Linzer Parteiprogramm fest: Wir sind gegen eine Verfolgung des Schwangerschaftsabbruchs und für eine Kostenübernahme des Staates. Während des NS-Regimes wurde ein Schwangerschaftsabbruch mit dem Tod geahndet, nach 1945 galt das Mariatheresianische Gesetz (§144) wonach ein Schwangerschaftsabbruch unter Haftstrafe steht. Frauen haben die gesamte Last der Reproduktion zu tragen, aber sie hatten keine Rechte, darüber zu bestimmen, ob und wann sie ein Kind bekommen.
50 Jahre nach dem Antrag auf Straffreiheit war es 1971 endlich erfolgversprechend, unter der sozialistischen Alleinregierung dem §144 den Kampf anzusagen. Mithilfe des „Aktionskomitees gegen den Paragraphen 144“, dem Eva Kreisky, Rosemarie Fischer, Gertrud Edlinger und viele andere angehörten, und der Aktion Unabhängiger Frauen (AUF) wurde die Bevölkerung auf die missliche Lage der österreichischen Frauen aufmerksam gemacht.
Mit der direkten Aufforderung „Mein Bauch gehört mir“ eroberten sie das Parlament und mit 93 SPÖ-Stimmen gegen 88 ÖVP/FPÖ-Stimmen wurde der §144 entfernt und durch die §§ 96 und 97 ersetzt. Diese besagen, dass ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 3 Monate nach Beginn der Schwangerschaft nach vorhergehender ärztlicher Beratung nicht strafbar ist, wenn er von einem Arzt/einer Ärztin durchgeführt wird. Diese Gesetzesänderung gilt zu Recht als einer der größten Erfolge der Frauenpolitik in der Ära Kreisky.

30 Jahre Fristenlösung Was blieb von der Euphorie? In Österreich herrscht heute in der Thematik ein starkes Stadt-Land- und Ost-West-Gefälle. In Vorarlberg, Tirol und Salzburg nimmt kein öffentliches Spital einen Schwangerschaftsabbruch vor, was Frauen in den „Abtreibungstourismus“ treibt, der oft nach Wien führt. Aber nicht nur die schlechte Infrastruktur macht es den ungewollt schwangeren Frauen schwer. 1974 wurde der Verein „Aktion Leben“ ins Leben gerufen, der mit einem Volksbegehren die Strafrechtsreform verhindern wollte. Mehr noch als die Aktion Leben sind heute Organisation wie „Human Life International (HLI)“ schwer damit beschäftigt, Frauen vor Schwangerenambulatorien abzufangen und die eigene „Realität“ mit realitätsfernen Argumenten auszulegen. Frauen werden von HLI-AktivistInnen unter Druck gesetzt, oft als „Mörderin“ beschimpft und in aller Öffentlichkeit verurteilt. Aus dieser Problematik ist die Schaffung einer Schutzzone rund um Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, eine wichtige Forderung für die Verteidigung des Rechts der fraue über den eigenen körper zu bestimmen, geworden.
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