Der Kampf von Englands Frauen um das Wahlrecht
Über die Anfänge des Frauenwahlrechts
Was heute in Europa selbstverständlich ist, nämlich, dass alle Menschen, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, wählen dürfen, war nicht immer so.
Wie alles begann
Das erste Mal, als in England das Thema Gleichberechtigung in die öffentliche Debatte eingeflossen ist, war es Mary Wollstonecraft, die mit ihrem Werk "Verteidigung der Rechte der Frauen", London 1792, den Stein ins Rollen brachte. Darin prangerte sie an, dass die Revolutionsregierung in Frankreich für Mädchen eine bedeutend kürzere Schulbildung vorsah, als sie dies für den männlichen Teil der Auszubildenden taten. Eine der wenigen Frauen, die sich ebenfalls gegen die Unterdrückung durch das Patriachat zu wehren begonnen hatte, war Mary Anne Radcliffe, deren Buchtitel sowohl Analyse, als auch Programm gegen Frauenunterdrückung beinhaltet: Der weibliche Anwalt oder Versuch, die Rechte der Frauen von Männern zurückzuerobern, die sie sich widerrechtlich angeeignet haben.
Als weiterer wichtiger Meilenstein, und ganz in der Tradition von Wollstonecraft stehend, können John Stuart Mill, Harriet Taylor und ihre Tochter Helen betrachtet werden. Mill und Harriet Taylor lehnten es ab zu heiraten, weil das englische Ehegesetz vorsah, dass nach der Heirat der Mann unbeschränkte Machtbefugnisse über die Frau erlang. Sie wollten ihr Zusammenleben in gleichberechtigter Form gestalten, Freiheit und Gleichheit sollten anstelle eines Verhältnisses von Unterwerfung, Willkür und Macht treten.
Gesellschaft für die Ausdehnung des Wahlrechts auf Frauen
1865 kandidierte Mill für das britische Unterhaus. Sein Ziel war es, so die Debatte um das Wahlrecht ins Parlament hineinzutragen. In vielen Ländern Europas tobten zu dieser Zeit heftige Debatten darüber, ob das Wahlrecht überhaupt auf alle in einem Staat lebenden Männer ausgedehnt werden solle (bisher hatte es ja nur für Reiche gegolten). Mill wurde mit dem klaren Wahlprogramm gewählt, Wahlen allen zugänglich zu machen. Dies glich einer Sensation. Die Debatte um das Frauenwahlrecht war voll ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.
Die Pankhursts und die WSPU
Von allen Parteien enttäuscht, gründete Emmeline Pankhurst 1903 die Women's Social and Political Union. Dies war der Ausgangspunkt der radikalen Frauenrechtsbewegung. Sie setzen auf die Selbstorganisation von Frauen und wollten nicht darauf warten, bis das Wahlrecht für sie erkämpft würde. Vorangegangen war dem eine immer stärker werdende Ungeduld der Frauen, am politischen Leben teilnehmen zu können.
Die Wahlrechtsbewegung war gespalten, mache forderten das Wahlrecht nur für unverheiratete Frauen, die radikaleren Strömungen wie die Women's Franchise League setzen sich neben der Wahlrechtsfrage mit Gewerkschaften, Koedukation (gemeinsame Erziehung von Mädchen und Burschen), Internationalismus sowie Rassismus auseinander.
Ausgehend von Manchster startete eine riesige Kampagne. Die WSPU-Frauen traten bei Wahlkampfveranstaltungen auf, sie hielten Versammlungen ab und erkannten die Wichtigkeit des Mediums Zeitung. Trotz negativer Berichterstattung der Presse strömten die Frauen in Scharen zur WSPU. Bereits 1907 konnten sie eine landesweit eine Monatsschrift herausgeben (Votes for Women), die ab 1909 in einer Auflage von 30.000 bis 50.000 erschien. Bei ihren berühmten Aufmärschen, unter anderem im Londoner Hyde Park, brachten sie bis zu einer halben Million Frauen auf die Straße. Sie zogen durchs Land, um gegen die etablierten Politiker zu agitieren. Dieses Ansinnen war so erfolgreich, dass ihnen der Zugang zu politischen Veranstaltungen unter brutalster Polizeigewalt verwährt wurde. Sie wurden oft zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt; traten sie in Hungerstreik wurden sie zwangsernährt und viele Hundert Frauen starben, weil sie so lange unter unmenschlichsten Bedingungen eingesperrt waren. Nachdem der Kampf auf legalem Weg gescheitert war, begann der Kampf im Untergrund. Ministerien wurden beschädigt, Landsitze von Ministern in die Luft gesprengt und die feinen englischen Herren wurden durch Säureattentate auf Golfplätze von ihren Sport abgehalten.
Es sollte noch fast ein Jahrzehnt dauern, bis 1918 in England erstmals eine Frau an einer Wahl teilnehmen durfte. Auch heute noch gibt es Länder, in denen Frauen das grundlegendste demokratische Recht verwährt wird.
Kämpfen wir gemeinsam gegen Patriachat und für Gleichberechtigung!
Martina Punz
Wie alles begann
Das erste Mal, als in England das Thema Gleichberechtigung in die öffentliche Debatte eingeflossen ist, war es Mary Wollstonecraft, die mit ihrem Werk "Verteidigung der Rechte der Frauen", London 1792, den Stein ins Rollen brachte. Darin prangerte sie an, dass die Revolutionsregierung in Frankreich für Mädchen eine bedeutend kürzere Schulbildung vorsah, als sie dies für den männlichen Teil der Auszubildenden taten. Eine der wenigen Frauen, die sich ebenfalls gegen die Unterdrückung durch das Patriachat zu wehren begonnen hatte, war Mary Anne Radcliffe, deren Buchtitel sowohl Analyse, als auch Programm gegen Frauenunterdrückung beinhaltet: Der weibliche Anwalt oder Versuch, die Rechte der Frauen von Männern zurückzuerobern, die sie sich widerrechtlich angeeignet haben.
Als weiterer wichtiger Meilenstein, und ganz in der Tradition von Wollstonecraft stehend, können John Stuart Mill, Harriet Taylor und ihre Tochter Helen betrachtet werden. Mill und Harriet Taylor lehnten es ab zu heiraten, weil das englische Ehegesetz vorsah, dass nach der Heirat der Mann unbeschränkte Machtbefugnisse über die Frau erlang. Sie wollten ihr Zusammenleben in gleichberechtigter Form gestalten, Freiheit und Gleichheit sollten anstelle eines Verhältnisses von Unterwerfung, Willkür und Macht treten.
Gesellschaft für die Ausdehnung des Wahlrechts auf Frauen
1865 kandidierte Mill für das britische Unterhaus. Sein Ziel war es, so die Debatte um das Wahlrecht ins Parlament hineinzutragen. In vielen Ländern Europas tobten zu dieser Zeit heftige Debatten darüber, ob das Wahlrecht überhaupt auf alle in einem Staat lebenden Männer ausgedehnt werden solle (bisher hatte es ja nur für Reiche gegolten). Mill wurde mit dem klaren Wahlprogramm gewählt, Wahlen allen zugänglich zu machen. Dies glich einer Sensation. Die Debatte um das Frauenwahlrecht war voll ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.
Die Pankhursts und die WSPU
Von allen Parteien enttäuscht, gründete Emmeline Pankhurst 1903 die Women's Social and Political Union. Dies war der Ausgangspunkt der radikalen Frauenrechtsbewegung. Sie setzen auf die Selbstorganisation von Frauen und wollten nicht darauf warten, bis das Wahlrecht für sie erkämpft würde. Vorangegangen war dem eine immer stärker werdende Ungeduld der Frauen, am politischen Leben teilnehmen zu können.
Die Wahlrechtsbewegung war gespalten, mache forderten das Wahlrecht nur für unverheiratete Frauen, die radikaleren Strömungen wie die Women's Franchise League setzen sich neben der Wahlrechtsfrage mit Gewerkschaften, Koedukation (gemeinsame Erziehung von Mädchen und Burschen), Internationalismus sowie Rassismus auseinander.
Ausgehend von Manchster startete eine riesige Kampagne. Die WSPU-Frauen traten bei Wahlkampfveranstaltungen auf, sie hielten Versammlungen ab und erkannten die Wichtigkeit des Mediums Zeitung. Trotz negativer Berichterstattung der Presse strömten die Frauen in Scharen zur WSPU. Bereits 1907 konnten sie eine landesweit eine Monatsschrift herausgeben (Votes for Women), die ab 1909 in einer Auflage von 30.000 bis 50.000 erschien. Bei ihren berühmten Aufmärschen, unter anderem im Londoner Hyde Park, brachten sie bis zu einer halben Million Frauen auf die Straße. Sie zogen durchs Land, um gegen die etablierten Politiker zu agitieren. Dieses Ansinnen war so erfolgreich, dass ihnen der Zugang zu politischen Veranstaltungen unter brutalster Polizeigewalt verwährt wurde. Sie wurden oft zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt; traten sie in Hungerstreik wurden sie zwangsernährt und viele Hundert Frauen starben, weil sie so lange unter unmenschlichsten Bedingungen eingesperrt waren. Nachdem der Kampf auf legalem Weg gescheitert war, begann der Kampf im Untergrund. Ministerien wurden beschädigt, Landsitze von Ministern in die Luft gesprengt und die feinen englischen Herren wurden durch Säureattentate auf Golfplätze von ihren Sport abgehalten.
Es sollte noch fast ein Jahrzehnt dauern, bis 1918 in England erstmals eine Frau an einer Wahl teilnehmen durfte. Auch heute noch gibt es Länder, in denen Frauen das grundlegendste demokratische Recht verwährt wird.
Kämpfen wir gemeinsam gegen Patriachat und für Gleichberechtigung!
Martina Punz










