Dienstag 7. Februar 2012
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Inhalt:

Geschichte der ArbeiterInnen -bewegung

Die Russische Revolution

Von der Revolution 1917 bis zur Gründung der Sowjetunion
Die Ursachen
Als Ursachen für die revolutionäre Lage sind die unmenschlichen Bedingungen unter denen viele Menschen lebten, zu nennen. In den Städten bildete sich ein immer größer wachsendes unzufriedenes und von den Industriellen brutal ausgebeutetes Proletariat. Am Land gab es für die Bauern kaum die Möglichkeit eigenes Land zu erwerben. Sie mussten unter schweren Bedingungen für die Großgrundbesitzer arbeiten. Außerdem wurde Russland brutal von den Zaren regiert und politisch Andersdenkende wurden verfolgt. Dazu kam eine schwere Wirtschaftskrise, infolge des japanisch-russischen Krieges 1904-1905.

Es kam zur Gründung revolutionärer, am Marxismus orientierter Parteien. 1898 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands gegründet, die sich 1903 in die Fraktion der Bolschewiki und Menschewiki spaltete. Zwischen Bolschewiken und Menschewiken gab es einen großen Unterschied im Bezug auf die Struktur der Partei. Die Bolschewiki waren der Meinung, dass ein Parteikader (Avantgarde der Arbeiterklasse) die Revolution durchführen muss, und man/frau eine Kaderpartei braucht, während die Menschewiki Anhänger einer revolutionären Massenpartei waren. 1902 gründete sich aus dem Narodniki-Gruppen die Partei der Sozialrevolutionäre.

Die Revolution 1905
Am 22. Januar 1905 schossen zaristische Truppen in eine vor dem Winterpalais in Sankt Petersburg friedlich für wirtschaftliche und soziale Reformen demonstrierende Menschenmenge (Blutsonntag). Daraufhin kam es beinahe überall im Land zu Unruhen, Streiks und Aufständen. Am 3. März 1905 kündigte Zar Nikolaus II. die Einberufung einer beratenden Versammlung an, woraufhin die Unruhen vorübergehend abflauten. In den folgenden Monaten entstanden in der Intelligenz, unter den Arbeitern und den Bauern revolutionäre Gruppen, auch Teile des Militärs schlossen sich dem Aufstand an (Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potjomkin am 14. Juni 1905). Im Oktober weiteten sich die Aktivitäten zum Generalstreik aus; in Sankt Petersburg trat erstmals ein Rat (Sowjet) der Arbeiterdeputierten zusammen, Moskau und schließlich das ganze Land folgten dem Petersburger Beispiel.

Nikolaus sah sich nun zu Zugeständnissen gezwungen und erließ am 30. Oktober das so genannte Oktobermanifest, in dem er die Einberufung einer Volksvertretung mit eingeschränkter gesetzgebender Gewalt und den Erlass einer Verfassung zusagte sowie die bürgerlichen Grundrechte wie Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit zugestand. Die sozialdemokratischen und -revolutionären Gruppen, insbesondere die Bolschewiki, setzten unterdessen die Unruhen und Erhebungen gegen die Regierung fort. Am 16. Dezember 1905 wurde der Petersburger Sowjet verhaftet; der anschließende Arbeiteraufstand in Sankt Petersburg (22. Dezember 1905 bis 1. Januar 1906) wurde blutig niedergeschlagen, ebenso die spontanen Bauernaufstände auf dem Land.

Die Russische Revolution 1917
Die erste Revolution, die "Februarrevolution", die mit dem Aufstand vom 8. bis 12. März 1917 (23. - 27. Februar nach dem damals in Russland gebräuchlichen julianischen Kalender) begann, führte zum Sturz der autokratischen Zarenherrschaft. Die zweite, die "Oktoberrevolution", war der bewaffnete Aufstand der Bolschewiki gegen die im März eingesetzte Provisorische Regierung am 6. und 7. November (24. und 25. Oktober) und endete mit dem Sturz der Provisorischen Regierung und der Einsetzung einer Räteregierung.

Die Februarrevolution
Die unmittelbare Ursache der Februarrevolution von 1917 war der Niedergang des Zarenregimes unter der gewaltigen Belastung des 1. Weltkrieges sowie die Weigerung des Zaren Nikolaus II., längst überfällige politische, wirtschaftliche und soziale Reformen durchzuführen. In den Schützengräben hungerten die Soldaten und hatten oft weder Schuhe noch Munition, manchmal nicht einmal Waffen. Die Verluste der Russen waren so hoch wie nie zuvor in irgendeinem Krieg oder irgendeiner Armee. Hinter der Front wurden die Waren knapp, die Preise stiegen rapide an, und 1917 standen vor allem die großen Städte vor einer Hungersnot. Die Verbitterung der Zivilbevölkerung wuchs zusehends, und auch in der Armee litt die Moral unter der katastrophalen Versorgungslage und zusätzlich noch unter einer Reihe von militärischen Niederlagen. Anfang 1914 waren in Russland wie fast überall in Europa alle Parteien außer einer kleinen Gruppe von Sozialdemokraten für den Krieg. Aber bereits ab 1915 kam es zu empfindlichen Engpässen in der Versorgung, die besonders die großen Städte zu spüren bekamen, die von Flüchtlingen aus dem Frontgebiet überschwemmt wurden. Die Protestbereitschaft der Zivilbevölkerung stieg, und immer häufiger kam es zu Streiks und Demonstrationen.

1915 schloss sich die Mehrheit der Duma zu einem interfraktionellen, progressiven Block zusammen und forderte angesichts der wachsenden Unzufriedenheit und der Versorgungslage politische Reformen. Der Zar lehnte ab und verschärfte seinen innenpolitischen Kurs noch. Seit Jahresbeginn 1917 riss in der russischen Hauptstadt Petrograd (heute Sankt Petersburg) die Welle der Hungerdemonstrationen und Streiks nicht mehr ab. Am 3. März (dem 18. Februar nach dem julianischen Kalender) traten die Arbeiter des Putilow-Werkes in Petrograd, eines der größten Industriebetriebe in Russland, in den Ausstand. Fünf Tage später, am 8. März, schlossen sich Zehntausende von Frauen der sich ausweitenden Protestbewegung an und demonstrierten gegen Hunger, Krieg und Zar, und am folgenden Tag kam es in Petrograd schließlich zum Generalstreik. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten die Demonstranten und Streikenden die sofortige Beendigung sowohl des Krieges, als auch der autokratischen Zarenherrschaft. Auf Befehl des Zaren wurden schließlich zur Niederschlagung der Demonstrationen die gefürchteten Kosaken mobilisiert; die aber blieben neutral oder verbrüderten sich sogar offen mit den Aufständischen. Am 11. März erteilte Nikolaus II. den Truppen der Petrograder Garnison den Befehl, den Aufstand niederzuschlagen. Einige unbewaffnete Arbeiter fielen zunächst im Kugelhagel; trotzdem zogen sich die Demonstranten nicht zurück, bis schließlich Teile der zaristischen Truppen auf die Seite der Arbeiter wechselten und sich weigerten, weiter auf das Volk zu schießen. Die Revolution war nun nicht mehr aufzuhalten.

Am 12. März setzte sich die Revolution in der Hauptstadt durch. Regiment um Regiment der Petrograder Garnison ging auf die Seite des Volkes über. Innerhalb von 24 Stunden hatte sich die gesamte Garnison bis auf einige hundert Soldaten den Aufständischen angeschlossen. Die Regierung erkannte ihre Machtlosigkeit und trat geschlossen zurück. Etwa gleichzeitig mit dem Provisorischen Komitee konstituierte sich auf Initiative der Menschewiki ein "Provisorisches Exekutivkomitee des Arbeiterdeputiertenrates", und bereits am 13. März wurde in Petrograd ein Arbeiter- und Soldatenrat (Sowjet) gewählt.

Die Macht lag jetzt in den Händen zweier neuer Organe, des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten und des Provisorischen Komitees der Duma, eines revolutionären und eines bürgerlichen Organs.

Der Petrograder Sowjet
Am 14. März erließ der Sowjet den berühmten Befehl Nr. 1. Dieser Befehl wies die Soldaten und Matrosen an, sich in allen politischen Angelegenheiten dem Sowjet und seinen Ausschüssen unterzuordnen, nur die Befehle zu befolgen, die den Weisungen des Sowjets nicht widersprachen, und Ausschüsse zu wählen, die die ausschließliche Verfügungsgewalt über die Waffen hatten. Vorerst waren die Bolschewiki im Petrograder Sowjet aber noch eine unbedeutende Minderheit; die Mehrheit hatten die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre. Im Gegensatz zu den Bolschewiki definierten die Menschewiki die Februarrevolution als bürgerliche Revolution, in deren Folge sich die kapitalistische Gesellschaft und ihre demokratische Verfassung erst voll entwickeln mussten, bevor, laut Karl Marx, die wesentliche Voraussetzung für eine sozialistische Revolution gegeben war. Vor allem aber waren Menschewiki und Sozialrevolutionäre auch für die Fortsetzung des Krieges, damit sich Russland nicht etwa einem Diktatfrieden unterwerfen musste. Unter Führung der gemäßigten menschewistisch-sozialrevolutionären Mehrheit erklärte sich der Petrograder Sowjet dann auch zur Zusammenarbeit mit der Provisorischen Regierung bereit, was von den Bolschewiki als Verrat an der Revolution strikt abgelehnt wurde.

Die Bolschewiki sahen aber das kapitalistische System in Russland soweit fortgeschritten, daß die Periode der bürgerlichen Demokratie übersprungen werden und der Sozialismus gleich aufgebaut werden konnte.

Die provisorische Regierung
Am 12. März 1917 verkündete das Provisorische Komitee der Duma, es übernehme die Verantwortung für die Wiederherstellung der Ordnung. Am 13. März übernahm es kommissarisch die Leitung der Ministerien. Das Provisorische Komitee bildete in Absprache mit dem Sowjet eine "Provisorische Regierung" und forderte die Abdankung des Zaren, was auch geschah.

In Bezug auf die wesentlichen sozialen Problemen erklärte die Provisorische Regierung, dass sie, eben weil sie ein Provisorium sei, grundsätzlich keine einschneidenden Veränderungen wie die Enteignung des adeligen Grundbesitzes zugunsten der Bauern durchführen könne. Alle grundlegenden Reformen mussten bis zur Entscheidung durch eine konstituierende Versammlung verschoben werden, aber die Wahlvorbereitungen zogen sich in die Länge, der Wahltermin wurde immer wieder verschoben. Denn für die liberale Mehrheit in der Provisorischen Regierung stand zu befürchten, dass nicht sie, sondern die verschiedenen sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien die Mehrheit in der konstituierenden Versammlung erhalten würden. Die einzige Chance der Provisorischen Regierung zum Machterhalt bestand in einem Sieg an der Seite der Alliierten im 1. Weltkrieg.

Der Juliaufstand
Die Arbeiter und Bauern kamen zu der Überzeugung, dass ihre Probleme nicht von der Regierung, sondern nur von den Sowjets gelöst werden könnten. Diese Überzeugung war nach Lenins Rückkehr nach Petrograd von den Bolschewiki entscheidend mitgeprägt worden.

Gleich nach seiner Rückkehr nach Petrograd legte Lenin seine später so genannten Aprilthesen vor: die Übernahme der Macht durch die Sowjets; sofortige Beendigung des Krieges nach dem Sturz des Kapitals; keinerlei Zusammenarbeit mit der Provisorischen Regierung und den sie unterstützenden Parteien; Enteignung des adeligen Grundbesitzes und die Übernahme der Produktionsmittel durch die Arbeiter. Lenin erkannte aber auch, dass die Bolschewiki als vorläufig noch kleine Minderheit diese Ziele nicht durch eine sofortige Machtübernahme würden verwirklichen können, sondern indem sie durch geduldige Propaganda und Aufklärung die Mehrheit der Arbeiter von ihrer Politik überzeugten und so die Sowjets eroberten. Mitte Mai kehrte auch Lew Dawidowitsch Trotzki aus dem amerikanischen Exil zurück und schloss sich nach kurzem Zögern Lenin und den Bolschewiki an.

Die Arbeiter vollzogen Streiks mit der Aufforderung an die Regierung, Maßnahmen zur Beilegung der Krise zu treffen. Für die neue Regierung hatte jedoch genau wie für ihre Vorgängerin die Fortführung des Krieges Vorrang vor allen anderen Problemen. Am 29. Juni befahl Kerenskij eine Offensive gegen die Mittelmächte, die so genannte Brussilow-Offensive, die in einem Misserfolg und praktisch der Auflösung der Armee endete: Die Disziplin in der Armee brach völlig zusammen, und Hunderttausende Soldaten strömten von der Front nach Hause.

Während der verhängnisvollen Brussilow-Offensive organisierte der Sowjet eine riesige Arbeiterdemonstration in Petrograd. Am 16. Juli rief ein Petrograder Regiment, möglicherweise unter dem Einfluss der Bolschewiki, zu einer bewaffneten Demonstration gegen die Regierung auf. Zehntausende strömten schließlich am 17. Juli am Taurischen Palais, dem Sitz des Sowjets, zusammen und forderten den Petrograder Sowjet und den Allrussischen Sowjetkongress auf, endlich die Macht zu übernehmen.

Nach anfänglichem Zögern übernahmen die Bolschewiki die Führung in dem Aufstand. Der Aufstand scheiterte. Die Regierung machte die Bolschewiki und vor allem Lenin für den Aufstand verantwortlich und sah in dem Aufstand einen Putschversuch Lenins, einen Versuch Lenins also, über einen bewaffneten Aufstand die Forderung "Alle Macht den Räten" selbst in die Tat umzusetzen. Die Bolschewiki und ihre Publikationen wurden verboten, ihre Führer, u. a. Trotzki, verhaftet; Lenin konnte nach Finnland fliehen.

Die Oktoberrevolution
Bereits seit Ende September beschwor Lenin aus seinem finnischen Versteck und dann aus dem Petrograder Untergrund, unterstützt von Trotzki in Petrograd, die Notwendigkeit des Aufstands und des Sturzes der Regierung. Bereits Anfang Oktober war auf Initiative Trotzkis für den 2. November ein Allrussischer Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte nach Petrograd einberufen, dann auf den 7. November verschoben worden. Es war keineswegs sicher, dass der Kongress, in dem die Bolschewiki keine Mehrheit hatten, der Forderung der Bolschewiki nach Übernahme der Regierungsgewalt durch die Räte folgen würde, geschweige denn, dass die Bolschewiki über den Kongress selbst an die Macht kämen. Am 6. November (dem 24. Oktober nach dem julianischen Kalender) gab Trotzki das Signal zum Aufstand; der letzte Auslöser war die Besetzung der Redaktionsräume der Prawda, des Organs der Bolschewiki, durch die Polizei. Die Führung des Aufstands übernahm Trotzki. Die Rotgardisten besetzten innerhalb kurzer Zeit die strategisch wichtigsten Positionen in der Hauptstadt, und schon am Nachmittag des 7. November verkündete Trotzki das Ende der Provisorischen Regierung.

Am Abend des 7. November, als der Aufstand noch in vollem Gange war, begann der Allrussische Sowjetkongress mit seinen Beratungen. Von seinen 670 Delegierten waren 300 Bolschewiki. Die Menschewiki und die rechten Sozialrevolutionäre verließen den Kongress. Der Kongress, immerhin ein demokratisch gewähltes Organ, bestand jetzt praktisch nur noch aus Bolschewiki, die Macht lag nahezu ausschließlich bei den Bolschewiki. Nur der linke Flügel der Sozialrevolutionäre beteiligte sich weiterhin an dem Kongress und bildete eine kurzlebige Koalitionsregierung mit den Bolschewiki.

Während der Kongress noch tagte, stürmten bewaffnete Arbeiter, Soldaten und Matrosen in der Nacht vom 7. auf den 8. November den Winterpalais, den Sitz der Provisorischen Regierung.

Die provisische Arbeiter - und Bauernregierung
Am frühen Morgen des 8. November bildete der Kongress bis zum Zusammentreten einer konstituierenden Versammlung eine provisorische Arbeiter- und Bauernregierung, den "Rat der Volkskommissare". Bei seinem ersten Auftritt vor dem Sowjetkongress setzte Lenin mit seiner Eröffnungserklärung den Tenor für die weiteren Beratungen: "Wir gehen jetzt zum Aufbau der sozialistischen Ordnung über." Der Kongress griff dann die drei dringlichsten Themen - Frieden, Grund und Boden sowie Bildung einer neuen Regierung - auf.

In dem neuen Regierungssystem sollte der Sowjetkongress vorläufig die Rolle einer gesetzgebenden Versammlung übernehmen. Die Ausführung der Beschlüsse des Kongresses wurde dem Rat der Volkskommissare übertragen, der dem Sowjetkongress und dessen Zentralem Exekutivkomitee verantwortlich war. Die Volkskommissare entsprachen Ministern und standen jeweils einem Commissariat (Kommission) vor. Lenin wurde zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, also zum Regierungschef, gewählt. Trotzki wurde Volkskommissar für Äußeres und Stalin Volkskommissar für Nationalitätenfragen. Nach der Einsetzung der neuen Regierung vertagte sich der Sowjetkongress.

Die Beschlüsse der Regierung
Als erstes Dekret verabschiedete der Kongress einstimmig ein Manifest, das allen Krieg führenden Staaten den sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen anbot. Außerdem schlug es einen sofortigen Waffenstillstand für die Dauer von mindestens drei Monaten vor. Die Beschlüsse über Grund und Boden wurden in Form eines Dekrets getroffen: "Das Recht auf privaten Grundbesitz wird für immer aufgehoben ... Das Recht der Grundeigentümer auf ihren Besitz wird sofort und entschädigungslos aufgehoben ..." Der gesamte Grundbesitz der Gutsherren, der Zarenfamilie, der Klöster und Kirchen wurde Staatseigentum und in die Verfügung von örtlichen Grund- und Bodenkomitees und Bauernsowjets überstellt. Das Land der Kleinbauern und der einfachen Kosaken war jedoch ausdrücklich von der Beschlagnahmung ausgenommen. Die Beschäftigung von Lohnarbeitern auf dem Land war verboten, das Land sollte dem "gehören", der es mit eigener Hände Arbeit bestellte. Der Sowjetkongress legte den Grundsatz der gleichberechtigten Nutzung des Grund und Bodens fest, d. h. das Land sollte je nach den lokalen Gegebenheiten unter den Landarbeitern aufgeteilt werden, wobei entweder die Arbeit oder der Verbrauch als Bemessungsgrundlage dienen sollte.

Die Beschlüsse des Sowjetkongresses zur Friedens- und Agrarpolitik verschafften der neuen Regierung große Zustimmung und gaben den Ausschlag für den Sieg der Bolschewiki in den anderen Städten und in den Provinzen. Am 15. November verkündete der Rat der Volkskommissare außerdem das Recht auf nationale Selbstbestimmung und Gleichberechtigung: Nationalitäten, die sich das Zarenreich gewaltsam angegliedert hatte, sollten sich von Russland trennen dürfen. Gleichzeitig machte der Rat jedoch deutlich, dass er mit einer Entscheidung der Arbeitermassen dieser Nationalitäten für den Verbleib bei Russland rechnete. Des Weiteren verstaatlichte der Rat alle Banken und sukzessive auch die Industriebetriebe und überstellte die Produktionsmittel der Verfügungsgewalt der Arbeiter.

Am 8. Dezember 1917 wurde die verfassunggebende Versammlung gewählt, in der die Bolschewiki, wie Lenin richtig vorhergesehen hatte, mit etwa einem Viertel der Sitze nur eine Minderheit bildeten; die Mehrheit hatten die Sozialrevolutionäre. Im Januar 1918 lösten die Bolschewiki die Versammlung bei ihrem ersten Zusammentreten, mit der Begründung daß sich die Situation nach der Revolution verändert habe, auf. Die Macht sollten von nun an die Sowjets haben. In den ländlichen Räten, wo die Bolschewiki die Macht nicht hatten, wurden die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre herausgedrängt. Im März 1918 übersiedelte die Regierung in den Moskauer Kreml, und am 10. Juli 1918 verabschiedete der 3. Allrussische Sowjetkongress die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Damit war die erste Phase der Revolution abgeschlossen.

Der Bürgerkrieg
Entsprechend ihrem ersten Dekret vom 8. November 1917 schloss die bolschewistische Regierung noch im Dezember 1917 einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten und am 3. März 1918 den Frieden von Brest-Litowsk, in dem Sowjetrussland die Unabhängigkeit Finnlands, Polens, der baltischen Staaten und der Ukraine anerkannte. Der eigene Machtverlust schürte die Opposition von Monarchisten, bürgerlichen Demokraten, Nationalisten, gegen die Bolschewiki und führten schließlich zum Bürgerkrieg, der bis 1922 andauerte. Am Ende siegten die Bolschewiki mit ihrer Roten Armee gegen die von den Entente-Mächten unterstützten antibolschewistischen "Weißen".

Im Zuge des Bürgerkrieges wurde beim 10 Parteitag der KPDSU 1921 ein Fraktionsverbot verhängt. Als Begründung nannte Lenin die französische Revolution, wo sich nach der erfolgreichen Revolution einzelne Revolutionsfraktionen gegenseitig bekämpften. Am 30. Dezember 1922 konstituierte sich aus der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, der Ukrainischen, der Weißrussischen und der Transkaukasischen Sozialistischen Sowjetrepublik die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR).
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