Dienstag 7. Februar 2012
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Inhalt:

Geschichte der ArbeiterInnen -bewegung

Die Pariser Commune

Die Pariser Commune 1871 war der erste Versuch einer proletarischen Revolution


Die Vorzeichen
Die Pariser Commune war der erste Versuch einer proletarischen Revolution. Sie darf aber nicht unter Ausschluss der vorangegangenen Ereignisse betrachtet werden. Schon die französische Revolution 1789, aber insbesondere die Ereignisse der Jahre 1830 - 1870 waren Vorboten der Commune.

1830 wird das französische Königshaus gestürzt, dass durch den Wiener Kongress an die Macht gekommen war. Das reaktionärste Grossbürgertum erringt die Macht. Bis 1848 entwickelt sich die Industrie sehr rasch, die Arbeitslosigkeit und die Überbevölkerung sowie die Ausbeutung des Proletariats (16-Stunden-Tag, Frauen- und Kinderarbeit) in der Stadt nehmen immer stärker zu. Am Land wächst die Not der Bauern, die ArbeiterInnen in den Städten beginnen sich zu organisieren, die Forderung nach Gewerkschaften wird laut.

Im Jahre 1848 kommt es zu neuerlichen Revolutionen, der König Louis Philippe wird gestürzt und eine bürgerliche Regierung übernimmt die Führung des Staates. Doch schon am 10. Dezember 1848 zerbricht diese unter den royalistischen Kräften und Louis Bonaparte wird Präsident. 1851 löst er das Parlament auf und ernennt sich zum Kaiser der Franzosen.

In den folgenden 20 Jahren kommt es immer wieder zu Massenstreiks und Strassenschlachten, die blutig niedergeschlagen werden. Zwischen 1852 und 1870 stieg der Lohn eines/r Bergarbeiters/in um 3 Prozent, die Dividende der Gesellschaft, für die er/sie arbeitet stieg hingegen um 300%.

Linke Kräfte in Paris
Die stärkste linke Kraft waren in dieser Zeit die Jakobiner, die immer noch geprägt von der französischen Revolution 1789, den Veränderungen der Gesellschaft vollkommen hilflos gegenüberstehen. Weiters gibt es Blanquinisten, die meinen, eine kleine Gruppe von Menschen würde die Macht an sich reißen und anschließend die Masse auf ihre Seite bringen. Die Proudhonisten hingegen setzen auf den Tausch von Erzeugnissen zum Arbeitswert und die Abschaffung des Staates durch friedliche Mittel. Sie wollen dabei jedes Privateigentum unangetastet lassen. Die Gewerkschaften spielen keine allzu große Rolle, weil es davon sehr viele gibt und diese relativ klein sind.

Der Deutsch-Französische Krieg
Am 19. Juli 1870 beginnt der Deutsch-Französische Krieg und schon am 2. September kapitulieren die französischen Truppen bei Sedan. 100.000 Soldaten werden den Preußen ausgeliefert. Dies führt zu Massenaufständen in Paris, wo eine Armee von 400.000 Arbeitern bereitsteht.

Die Regierung tut alles, um die Bewaffnung der Pariser zu verhindern. Am 3. September 1870 wird der Kaiser festgenommen, der Mob in Paris tobt und Louis Bonaparte wird abgesetzt. Einen Tag später proklamiert das Volk die Republik. An der Spitze der Regierung steht General Thiers, sein Außenminister Favre hatte die Verhandlungen über die Kapitulation Frankreichs geführt.

Schnell erkennt die neue bürgerliche Regierung, dass der Feind nicht in Preußen ist, sondern dass der Feind das Volk von Paris ist. So bitten Thiers und Favre Deutschland, Paris zu besetzen und einzunehmen.

Die Nationalgarde
In Paris steht die Nationalgarde bereit, die aus 400.000 Arbeitern besteht. Die Regierung weigert sich jedoch diese Männer zu bewaffnen. Anfang 1871 gründet sich das Zentralkomitee der Nationalgrade, es werden keine anderen Führer mehr anerkannt. Am 18. März hatten regierungstreue Truppen versucht, die Nationalgarde zu entwaffnen, daraufhin wird die Commune ausgerufen. Das Zentralkomitee bildet bis zu den ersten freien Wahlen die Regierung und legt danach ihre Vollmachten zurück. Es werden sofort Maßnahmen beschlossen:

1. Die Zerschlagung des Staatsapparates
2. Die Wähl- und Abwählbarkeit aller Staatsfunktionäre
3. Kein stehendes Heer, sondern Volksbewaffnung
4. Trennung von Kirche und Staat

Mittlerweile hatte der Großteil des Bürgertums, des Adels und der Kirche Paris verlassen und war nach Versailles gezogen. Deshalb wurden folgende Dekrete erlassen: Die Erträge aus dem Mietzins sind in eine Gemeinkasse zu entrichten, leerstehende Wohnungen werden beschlagnahmt, die Unterkünfte werden den Bewohnern des bombardierten Viertels zur Verfügung gestellt, die Einstellung aller Zahlungen an religiöse Institutionen, Güter von Klöstern werden in Nationaleigentum übergeführt, die Verbannung von religiösen Symbolen aus öffentlichen Gebäuden, die Abschaffung der Nachtarbeit für Bäcker, Schaffung eines Höchstgehalt für alle Beamten, das den Lohn eines Facharbeiters nicht übersteigen darf und Richter sollten in Hinkunft vom Volk gewählt werden.

Eines der wichtigsten Dekrete behandelt die verlassenen Fabriken: "In Erwägung, dass zahlreiche Fabriken von ihren Leitern verlassen wurden, welche ohne Rücksicht auf die Interessen der Arbeiter flüchteten und sich ihrer Bürgerpflicht entzogen - In Erwägung, dass infolge dieser feigen Flucht zahlreiche für das kommunale Leben wichtige Arbeiten unterbrochen sind und die Existenz der Arbeiter auf dem Spiele steht, ordnet die Commune von Paris an", die Fabriken in das Eigentum der ArbeiterInnen überzuführen und von der kooperativen Assoziation der Arbeiter, die in ihnen beschäftigt waren verwalten zu lasssen.

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit wird ein System der Arbeitsvermittlung geschaffen und es kommt zu einem Erlass über die Waisen der Nationalgarde: "Die Commune von Paris beschließt daher die Adoptierung der Familien aller Bürger, die bei der Abwehr des verbrecherischen Angriffs, der gegen Paris und die Revolution verschworenen Royalisten gefallen sind oder fallen werden."

Dies galt sowohl für eheliche als auch für uneheliche Beziehungen und deren Kinder, die in der Commune gesetzlich völlig gleichgestellt waren.

Die Fehler der Commune
Die Regierungskasse befand sich in Versailles, die Beamten und die Nationalgarde mussten aber bezahlt werden. Der Kommissar für die Bank von Frankreich war Proudhonist (lehnten Einmischung in Privateigentum ab), deshalb wurde die Bank nicht gestürmt.

Einer der Hauptfehler der Kommune war aber sicher, dass der Marsch auf Versailles unterlassen wurde. Am 19. März 1871 waren nur 12.000 Soldaten auf Thiers Seite. Ihnen gegenüber etwa 400.000 Mann in Paris. Thiers hatte aber die reaktionäre Landbevölkerung auf seiner Seite und so zählte seine Armee Ende März bereits 65.000 Mann. Das Abkommen mit den Preußen, wonach nur 40.000 Soldaten um Paris stationiert werden durften, wurde aufgehoben und die Preußen erleichterten den französischen Kriegsgefangenen die Rückkehr in die Heimat.

Paris wird schließlich am 2. April gestürmt, kann den Angriff aber noch abwehren, was ihr am 21. Mai nicht mehr gelingt. Am 25. Mai erscheint die letzte Ausgabe des revolutionären Journal Offiziell: "Der Feind ist nicht dank seiner Stärke, sondern mit Hilfe von Verrätern in die Stadt eingedrungen. Der Mut und die Energie der Pariser werden ihn zurückschlagen [...] Alle auf die Barrikaden! Läutet Sturm, lasst alle Glocken dröhnen und alle Kanonen donnern, solange auch nur ein einziger Feind in der Stadt ist! Dieser Krieg ist furchtbar, denn der Feind kennt kein Erbarmen [...] Der vollständige Sieg ist die einzige Aussicht auf Rettung, die dieser erbarmungslose Feind uns lässt. Erringen wir den Sieg durch Einigkeit und Opferbereitschaft! Möge Paris heute seine Pflicht tun! Morgen wird ganz Frankreich ihm nacheifern!"

Am Pere Lachaise, dem größten Friedhof von Paris liefert die Commune ihr letztes Gefecht. Völlig unorganisiert, da der Zentralrat der Commune selbst auf den Barrikaden steht. Am 28. Mai wird die Commune endgültig besiegt. Die Bilanz der Blutwoche in Paris: 30.000 Menschen ermordet, 40.000 Gefangene und Zwangsarbeiter.

Eugene Pottiers, der Verfasser der "Internationale" schreibt unter dem Eindruck dieser Erfahrungen: "Man hat sie an die Wand gestellt / Und tausendmal erschossen / Und brüllend zog die Unterwelt / Ihr Banner durch die Gossen. / Der Henker hob es aus dem Kot / Und schrie. Das ist die Sühne! / Doch trotz Verbot, / sie ist nicht tot, / sie lebt hoch: die Commune!"

Die Frauen der Commune
Als versucht wurde, der Nationalgarde die Waffen zu stehlen, waren es die Frauen, die diese verteidigten, bis Hilfe gekommen war. Die wichtige Rolle der Frauen ist durch verschiedene Aspekte zu erklären: 1. Durch die Abwendung der Gesellschaft vom Proudhonismus. 2. Nach dem Aufheben des Versammlungsverbots gab es viele Vorträge für Frauen. Dies führte zu einer Politisierung der Frauen. 3. Der Versorgungsnotstand führte zur Bildung von Kooperativen und Nachbarschaftsgruppen, deren Aufgabe es war, Nahrung und Brennstoff zu organisieren. Diese Aufgaben vielen meist Frauen zu. 4. In der Not wurde jede/r gebraucht; die Beschränkung auf traditionelle Geschlechterrollen fiel.

Die Aufgabe der Frauen war es vor allem, die Verwundeten zu pflegen und die Kämpfenden mit Kleidung und Nahrung zu versorgen. Nicht selten hatten sie aber auch die Waffen in der Hand. Wie viele Frauen an der Commune beteiligt waren ist nicht geklärt. 3.000 bis 4.000 sollen der Union des Femmes, dem größten Frauenbund dieser Zeit, angehört haben. Wichtig war in den Tagen der Commune die Bildung von Kooperativen, in denen Frauen versuchten, diese politisch- sozialistisch zu orientieren.

Die 2. Säule bildeten die Widerstandskomitees, die Strategie und Taktik politischer Aktionen planten. Organisiert wurden aber auch die Frauenerwerbsarbeit und die Krankenpflege. Außerdem war die militärische Unterstützung eine große Hilfe für die Kämpfenden. Rund 3.000 Frauen arbeiteten an der Herstellung von Patronen, 1.000 an Säcken für Barrikaden. Bei der Übernahme der verlassenen Fabriken forderte die Union ihr die Alleinversorgung der Nationalgarde anzuvertrauen. Inwieweit die Forderungen erfüllt wurden kann heute nicht mehr geklärt werden. Sicher ist aber, dass die Frauen einen entscheidenden Beitrag zu diesem sozialistischen Experiment geleistet haben.

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