Rechtsextremismus in Österreich nach 1945
Über Entnazifizierung, die FPÖ und Burschenschaften
Was passierte nach der Befreiung Österreichs 1945?
Am 8. Mai 1945 beschlossen die Gründerparteien der Zweiten Republik, die SPÖ, die KPÖ und die ÖVP, ein Verfassungsgesetz, welches die NSDAP sowie jede Neugründung oder Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne verbat. Dieses Gesetz ist bis heute das wichtigste Mittel im Kampf des Staates gegen ein Wiederaufflammen des Nationalsozialismus.
Außerdem wurde auf Druck der Alliierten eine „Entnazifizierung“ beschlossen, d.h. die Säuberung der Gesellschaft von AnhängerInnen der NSDAP. In Österreich hatte die NSDAP fast 700.000 Mitglieder. Diese „Entnazifizierung“ war jedoch trotz des vielzitierten „antifaschistischen Geist von 1945“ aus mehreren Gründen zum Scheitern verurteilt.
Zum einen weil es sehr schwer war (und ist), die „Täter“ zu klassifizieren, die Schuld des Einen über die Schuld des anderen zu stellen. Zu diesem Zweck wurden fünf Kategorien eingeführt, die „Hauptschuldigen“, die „Belasteten“ (AktivistInnen, MilitaristInnen, NutznießerInnen), die „Minderbelasteten“, die „Mitläufer“ und die „Entlasteten“. Natürlich fielen sehr viele in die Gruppe der „Mitläufer“, mit denen weniger hart verfahren wurde. Die Strafen reichten von Todesstrafen bis zu Einweisungen in Arbeitslager, ansonsten Berufsverbot, Vermögensentzug und Beschränkung des Wahlrechts. Dieses System war sehr schwer durchführbar, einerseits wegen des riesigen organisatorischen Aufwandes, andererseits wegen der verschiedenen Interessen der Besatzungsmächte. Viele wichtige Personen des NS-Apparates, vor allem aus der Privatwirtschaft, kamen so mehr oder weniger ungeschoren davon und gingen nahtlos in die Gesellschaft der 2. Republik über ohne ihre Ansichten maßgeblich zu ändern.
Zum anderen waren natürlich alle Parteien spätestens nach der Wiedererlangung des Wahlrechtes für ehemalige Nazis im Jahre 1949 an den Stimmen derselben interessiert. Das WählerInnenpotential der „Ehemaligen“ lag bei rund einer Million Stimmen. So fanden sich viele ehemalige Nationalsozialisten als Funktionäre der SPÖ oder der ÖVP wieder, wodurch diese Parteien auch zu Zugeständnissen bereit waren: Verdrängung der NS-Vergangenheit, Zurückschrauben der TäterInnenverfolgung, Wiedereinstellung entlassener BeamtInnen, LehrerInnen, ProfessorInnen, JuristInnen, PolizistInnen u.ä.. Außerdem wurde der, aus der Befreiung Österreichs erwachsene, Antifaschismus schnell zu einem (für viele viel wichtigeren) Antikommunismus umgewandelt und so hatten die „AntifaschistInnen“ der Großparteien und die ehemaligen Nazis schnell gemeinsame politische Ziele.
Dennoch kam es zu einer Neuorganisation des „nationalen Lagers“. Bei den Wahlen 1949 trat zum ersten Mal der „Verband der Unabhängigen“ (VdU) als Auffangbecken für ehemalige NationalsozialistInnen auf. Außerdem bildeten sich (vor allem nach dem Abzug der Alliierten 1955) Organisationen, die auch vor 1933 schon existierten und das politische Spektrum von „deutschnational“ bis „neonazistisch“ abdeckte.
Die Entstehung der FPÖ und die parallele Entwicklung rechtsextremer Verbände
1955 führten Auseinandersetzungen zwischen dem liberalen und dem „nationalen“ Flügel innerhalb des VdU zu einer Spaltung, aus der 1956 die FPÖ hervorging. Zu dieser Zeit kam es auch erstmals seit der Befreiung zu Auftritten rechtsextremer Jugend-, Kultur, und Sportorganisationen in der Öffentlichkeit. An den Universitäten erstarkten die deutschnationalen Burschenschaften und ähnliche Studentenverbindungen, wie etwa der RFS, und gewannen immer mehr Einfluss. Dies gipfelte u.a. im Jahre 1960, als der damalige Vorsitzende des RFS, Norbert Burger, gemeinsam mit bundesdeutschen und österreichischen Rechtsextremisten in Südtirol als Terroristen („Freiheitskämpfer“) in Erscheinung traten.
Fünf Jahre später wurde bei einer Demonstration rechtsextremer Burschenschaften und des RFS Ernst Kirchweger, ein Antifaschist und ehemaliger KZ-Häftling, von einem Neonazi erschlagen.
In den Sechziger- und Siebzigerjahren versuchte die FPÖ (unter dem ehemaligen SS-Offizier Friedrich Peter) sich mehr ins demokratische Parteienspektrum zu integrieren und konnte so 1983 an einer Regierung mit der SPÖ teilnehmen. Jedoch waren mit dieser Erstarkung des liberaleren Flügels der FPÖ nicht alle Parteimitglieder einverstanden. So spaltete sich 1967 eine Gruppe um Norbert Burger von der FPÖ ab und gründete die Nationaldemokratische Partei (NDP), die jedoch 1988 verboten wurde.
In den Achtzigerjahren änderte sich die Parteilinie der FPÖ wesentlich: Beim Parteitag in Innsbruck 1986 wurde die eher liberale Führung der FPÖ unter Norbert Steger gestürzt und Jörg Haider kam als Vertreter des „nationalen“ Lagers vor allem mit Hilfe des „alten Kerns“ der FPÖ an die Macht. Durch diese Radikalisierung innerhalb der FPÖ wurden auch die rechtsextremen Splittergruppen um Gottfried Küssel, Hans-Jörg Schimanek jr., Gerd Honsik u.v.a. wieder aktiver und publizierten immer offener nationalsozialistische, antisemitische und holocaustleugnende Propaganda. Durch die offenen Parolen und Aktionen der FPÖ gegen „Ausländer“ fanden immer mehr Jugendliche ins „nationale Lager“, der Rechtsextremismus verlagerte sich aus den Universitäten auf die Straße. (In den Sechzigerjahren stellten die Burschenschaften an den Universitäten das Zentrum des Rechtsextremismus dar.) Es bildeten sich verstärkt Skinheadgruppen um Personen, die der FPÖ nahe stehen oder standen, eine Annäherung zwischen rechter Politik und rechter Militanz war die Folge. Dies zeigte sich nicht nur in Haiders Äußerung zur „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich 1991, sondern auch in der Abspaltung einer liberalen Gruppe um Heide Schmid zum „Liberalen Forum“ 1993. Viele rechtsextreme Gruppen fühlten sich durch die FPÖ parlamentarisch vertreten oder sahen das Stimmenwachstum der FPÖ als „Schritt in die richtige Richtung“.
Im Wahlkampf zur Nationalratswahl 1999 setzte die FPÖ erneut auf rassistische und ausländerfeindliche Parolen („Stop dem Asylmissbrauch!“ oder „Stop der Überfremdung!“), was laut Ariel Muzikant (dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde) auch zu rapider Zunahme antisemitischer Drohbriefe und Pöbeleien nach den Wahlen führte. Aber leider auch zum höchsten Stimmanteil der FPÖ bisher: 27% der wahlberechtigten ÖsterreicherInnen (und sogar 47% der ArbeiterInnen!) gaben der FPÖ ihre Stimme. Durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ gewann nicht nur das rechte Gedankengut in Österreich an Einfluss; es wurden auch wichtige Posten mit amtsbekannten Neonazis besetzt. So wurde z.B. Rene Schimanek, Bruder des inhaftierten Anführers der VAPO (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition) und Sohn des FPÖ Funktionärs Schimanek Sekretär im Justizministerium. Auch Ex-Infrastrukturminister Schmid beschäftigte mit Gerhard Sailer einen vormaligen Aktivisten und Unterstützer neonazistischer Gruppen. Dass zahlreiche FPÖ-Mandatare und auch Minister Mitglieder von deutschnationalen Burschenschaften sind, deren Agitation laut Staatspolizei „den Versuch erkennen lässt, auf Umwegen eine gewisse Akzeptanz für nationalsozialistisches Gedankengut zu schaffen“, ist allgemein bekannt. Auch ohne Haider an der Spitze bleibt die FPÖ eine Partei, deren Wurzeln tief deutschnational und teilweise rechtsextrem sind.
Die Burschenschaften und akademische Verbindungen
Die verschiedenen in Österreich ansässigen Burschenschaften und Studentenverbindungen finden immer wieder Erwähnung in den Berichten des BMI bzw. in verschiedenen Analysen von HistorikerInnen. So stellte das BMI 1999 fest, dass „ein unterschwelliger, verklausulierter Rechtsextremismus“ von vielen Burschenschaften ausgeht. Der Innsbrucker Historiker M. Gehler kommt zu dem Schluss, dass Österreichs Burschenschaften von einer „bis ins Neonazistische reichenden Gesinnung“ geprägt sind.
Das heißt jedoch nicht, dass jede studentische Verbindung auch rechtsextrem ist. Bei der Bewertung der Gesinnung einer solchen Verbindung ist es hilfreich, den Dachverband der jeweiligen Verbindung zu betrachten. So verließ z.B. das gemäßigte „Corps Symposion“ den „Wiener Korporationsring“ wegen dessen „einseitiger Politisierung“. Im Gegensatz dazu trat die „Universitätssängerschaft Skalden“, der auch Ewald Stadler angehört, 1992 aus der „Deutsche Sängerschaft“ wegen deren zu liberaler politischer Einstellung aus. Der Dachverband erlaubte, dass „auch ein Chinese, falls er sich zur Pflege des deutschen Kulturgutes verpflichtet“ Mitglied werden kann. Als die radikale Burschenschaft Olympia 1996 den Vorsitz des Dachverbandes der „Deutschen Burschenschaften“ übernahm, traten einige gemäßigte Verbindungen aus diesem Dachverband aus.
In der rechtsextremen Szene kommt den Burschenschaften eine sehr wichtige Rolle zu: Sie fungieren unter dem Deckmantel von männlichen Solidargemeinschaften als Brutstätten des „intellektuellen“ Rechtsextremismus, außerdem sind sie durch sehr strenge Aufnahmerituale relativ gut vor unerwünschten Einblicken Außenstehender geschützt. So ist es nicht verwunderlich, dass es immer mehr militante Rechtsextreme in die Buden der Burschenschaften zieht.
Die Wurzeln der Burschenschaften gehen zwar bis ins 19. Jahrhundert zurück, dennoch war ihre Bedeutung vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus sehr groß. Oft wird argumentiert, die Burschenschaften seien 1938 unter Zwang aufgelöst worden, in Wirklichkeit aber gingen die meisten Verbindungen, mit Ausnahme der katholischen CV-Verbindungen, feierlich in die Strukturen der NSDAP über. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Zeit wird als „Verrat am deutschen Gedanken“ abgelehnt, so findet man unter den „Alten Herren“ der Burschenschaft „aB! Arminia“ auch den Kriegsverbrecher Ernst Kaltenbrunner. Der Dachverband „Deutsche Burschenschaft in Österreich“ schlug 1987 sogar Rudolf Hess für den Friedensnobelpreis vor.
Der Einfluss der verschiedenen Burschenschaften auf die österreichische Politik ist nicht zu unterschätzen. Für die FPÖ waren sie lange Zeit Kaderschmieden, bis sie sich 1993 formal distanzierte. Dennoch sind die Verbindungen zwischen den Burschenschaften und der FPÖ offensichtlich: Jörg Haider („pb! Albia“, „aB! Silvania“), Dieter Böhmdorfer („aB! Südmark“), Herbert Haupt („akad. Landmannschaft Kärnten“), Reinhart Waneck („AV! Wartburg“) Susanne Riess-Passer (ihr Gatte Michael Passer ist „Alter Herr“ der „aB! Suevia“), Mares Rossmann (Pächterin des Grazer Burschenschafterlokals „Wartburg“) und viele andere prominente FPÖ-PolitikerInnen sichern durch ihre Mitgliedschaft oder Verbindung große Einflussmöglichkeiten. Bestes Beispiel: Nach zweimaliger Erwähnung im Rechtesextremismus-Bericht des BMI (1999, 2000) intervenierte FPÖ-Ideologe und „Zur Zeit“ – Herausgeber Andreas Mölzer und erreichte, dass für das Jahr 2001 das BMI vorerst keinen Bericht zum Rechtsextremismus veröffentlichte und verspätet eine „korrigierte“ Version vorlegte. Einige FPÖ-Politiker (wie z.B. der Abgeordnete zum NR, Martin Graf, „aB! Olympia“) gehen noch weiter und fordern eine Abschaffung des Verbotsgesetzes. Dieses Gesetz, das ja auch die Vereinigung von Österreich und Deutschland verbietet, steht logischerweise in krassem Gegensatz zum Deutschnationalismus, der nahezu alle Burschenschaften verbindet.
Trotz dem schon erwähnten beträchtlichen politischen Einfluss der Burschenschaften nimmt die Akzeptanz ihnen gegenüber an den Universitäten deutlich ab: So fiel der RFS (Ring freiheitlicher Studenten) bei den ÖH – Wahlen von 32% (1953) auf nur mehr 2% (1987) und kam auch in den letzten Jahren nicht über 4%.
Am 8. Mai 1945 beschlossen die Gründerparteien der Zweiten Republik, die SPÖ, die KPÖ und die ÖVP, ein Verfassungsgesetz, welches die NSDAP sowie jede Neugründung oder Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne verbat. Dieses Gesetz ist bis heute das wichtigste Mittel im Kampf des Staates gegen ein Wiederaufflammen des Nationalsozialismus.
Außerdem wurde auf Druck der Alliierten eine „Entnazifizierung“ beschlossen, d.h. die Säuberung der Gesellschaft von AnhängerInnen der NSDAP. In Österreich hatte die NSDAP fast 700.000 Mitglieder. Diese „Entnazifizierung“ war jedoch trotz des vielzitierten „antifaschistischen Geist von 1945“ aus mehreren Gründen zum Scheitern verurteilt.
Zum einen weil es sehr schwer war (und ist), die „Täter“ zu klassifizieren, die Schuld des Einen über die Schuld des anderen zu stellen. Zu diesem Zweck wurden fünf Kategorien eingeführt, die „Hauptschuldigen“, die „Belasteten“ (AktivistInnen, MilitaristInnen, NutznießerInnen), die „Minderbelasteten“, die „Mitläufer“ und die „Entlasteten“. Natürlich fielen sehr viele in die Gruppe der „Mitläufer“, mit denen weniger hart verfahren wurde. Die Strafen reichten von Todesstrafen bis zu Einweisungen in Arbeitslager, ansonsten Berufsverbot, Vermögensentzug und Beschränkung des Wahlrechts. Dieses System war sehr schwer durchführbar, einerseits wegen des riesigen organisatorischen Aufwandes, andererseits wegen der verschiedenen Interessen der Besatzungsmächte. Viele wichtige Personen des NS-Apparates, vor allem aus der Privatwirtschaft, kamen so mehr oder weniger ungeschoren davon und gingen nahtlos in die Gesellschaft der 2. Republik über ohne ihre Ansichten maßgeblich zu ändern.
Zum anderen waren natürlich alle Parteien spätestens nach der Wiedererlangung des Wahlrechtes für ehemalige Nazis im Jahre 1949 an den Stimmen derselben interessiert. Das WählerInnenpotential der „Ehemaligen“ lag bei rund einer Million Stimmen. So fanden sich viele ehemalige Nationalsozialisten als Funktionäre der SPÖ oder der ÖVP wieder, wodurch diese Parteien auch zu Zugeständnissen bereit waren: Verdrängung der NS-Vergangenheit, Zurückschrauben der TäterInnenverfolgung, Wiedereinstellung entlassener BeamtInnen, LehrerInnen, ProfessorInnen, JuristInnen, PolizistInnen u.ä.. Außerdem wurde der, aus der Befreiung Österreichs erwachsene, Antifaschismus schnell zu einem (für viele viel wichtigeren) Antikommunismus umgewandelt und so hatten die „AntifaschistInnen“ der Großparteien und die ehemaligen Nazis schnell gemeinsame politische Ziele.
Dennoch kam es zu einer Neuorganisation des „nationalen Lagers“. Bei den Wahlen 1949 trat zum ersten Mal der „Verband der Unabhängigen“ (VdU) als Auffangbecken für ehemalige NationalsozialistInnen auf. Außerdem bildeten sich (vor allem nach dem Abzug der Alliierten 1955) Organisationen, die auch vor 1933 schon existierten und das politische Spektrum von „deutschnational“ bis „neonazistisch“ abdeckte.
Die Entstehung der FPÖ und die parallele Entwicklung rechtsextremer Verbände
1955 führten Auseinandersetzungen zwischen dem liberalen und dem „nationalen“ Flügel innerhalb des VdU zu einer Spaltung, aus der 1956 die FPÖ hervorging. Zu dieser Zeit kam es auch erstmals seit der Befreiung zu Auftritten rechtsextremer Jugend-, Kultur, und Sportorganisationen in der Öffentlichkeit. An den Universitäten erstarkten die deutschnationalen Burschenschaften und ähnliche Studentenverbindungen, wie etwa der RFS, und gewannen immer mehr Einfluss. Dies gipfelte u.a. im Jahre 1960, als der damalige Vorsitzende des RFS, Norbert Burger, gemeinsam mit bundesdeutschen und österreichischen Rechtsextremisten in Südtirol als Terroristen („Freiheitskämpfer“) in Erscheinung traten.
Fünf Jahre später wurde bei einer Demonstration rechtsextremer Burschenschaften und des RFS Ernst Kirchweger, ein Antifaschist und ehemaliger KZ-Häftling, von einem Neonazi erschlagen.
In den Sechziger- und Siebzigerjahren versuchte die FPÖ (unter dem ehemaligen SS-Offizier Friedrich Peter) sich mehr ins demokratische Parteienspektrum zu integrieren und konnte so 1983 an einer Regierung mit der SPÖ teilnehmen. Jedoch waren mit dieser Erstarkung des liberaleren Flügels der FPÖ nicht alle Parteimitglieder einverstanden. So spaltete sich 1967 eine Gruppe um Norbert Burger von der FPÖ ab und gründete die Nationaldemokratische Partei (NDP), die jedoch 1988 verboten wurde.
In den Achtzigerjahren änderte sich die Parteilinie der FPÖ wesentlich: Beim Parteitag in Innsbruck 1986 wurde die eher liberale Führung der FPÖ unter Norbert Steger gestürzt und Jörg Haider kam als Vertreter des „nationalen“ Lagers vor allem mit Hilfe des „alten Kerns“ der FPÖ an die Macht. Durch diese Radikalisierung innerhalb der FPÖ wurden auch die rechtsextremen Splittergruppen um Gottfried Küssel, Hans-Jörg Schimanek jr., Gerd Honsik u.v.a. wieder aktiver und publizierten immer offener nationalsozialistische, antisemitische und holocaustleugnende Propaganda. Durch die offenen Parolen und Aktionen der FPÖ gegen „Ausländer“ fanden immer mehr Jugendliche ins „nationale Lager“, der Rechtsextremismus verlagerte sich aus den Universitäten auf die Straße. (In den Sechzigerjahren stellten die Burschenschaften an den Universitäten das Zentrum des Rechtsextremismus dar.) Es bildeten sich verstärkt Skinheadgruppen um Personen, die der FPÖ nahe stehen oder standen, eine Annäherung zwischen rechter Politik und rechter Militanz war die Folge. Dies zeigte sich nicht nur in Haiders Äußerung zur „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich 1991, sondern auch in der Abspaltung einer liberalen Gruppe um Heide Schmid zum „Liberalen Forum“ 1993. Viele rechtsextreme Gruppen fühlten sich durch die FPÖ parlamentarisch vertreten oder sahen das Stimmenwachstum der FPÖ als „Schritt in die richtige Richtung“.
Im Wahlkampf zur Nationalratswahl 1999 setzte die FPÖ erneut auf rassistische und ausländerfeindliche Parolen („Stop dem Asylmissbrauch!“ oder „Stop der Überfremdung!“), was laut Ariel Muzikant (dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde) auch zu rapider Zunahme antisemitischer Drohbriefe und Pöbeleien nach den Wahlen führte. Aber leider auch zum höchsten Stimmanteil der FPÖ bisher: 27% der wahlberechtigten ÖsterreicherInnen (und sogar 47% der ArbeiterInnen!) gaben der FPÖ ihre Stimme. Durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ gewann nicht nur das rechte Gedankengut in Österreich an Einfluss; es wurden auch wichtige Posten mit amtsbekannten Neonazis besetzt. So wurde z.B. Rene Schimanek, Bruder des inhaftierten Anführers der VAPO (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition) und Sohn des FPÖ Funktionärs Schimanek Sekretär im Justizministerium. Auch Ex-Infrastrukturminister Schmid beschäftigte mit Gerhard Sailer einen vormaligen Aktivisten und Unterstützer neonazistischer Gruppen. Dass zahlreiche FPÖ-Mandatare und auch Minister Mitglieder von deutschnationalen Burschenschaften sind, deren Agitation laut Staatspolizei „den Versuch erkennen lässt, auf Umwegen eine gewisse Akzeptanz für nationalsozialistisches Gedankengut zu schaffen“, ist allgemein bekannt. Auch ohne Haider an der Spitze bleibt die FPÖ eine Partei, deren Wurzeln tief deutschnational und teilweise rechtsextrem sind.
Die Burschenschaften und akademische Verbindungen
Die verschiedenen in Österreich ansässigen Burschenschaften und Studentenverbindungen finden immer wieder Erwähnung in den Berichten des BMI bzw. in verschiedenen Analysen von HistorikerInnen. So stellte das BMI 1999 fest, dass „ein unterschwelliger, verklausulierter Rechtsextremismus“ von vielen Burschenschaften ausgeht. Der Innsbrucker Historiker M. Gehler kommt zu dem Schluss, dass Österreichs Burschenschaften von einer „bis ins Neonazistische reichenden Gesinnung“ geprägt sind.
Das heißt jedoch nicht, dass jede studentische Verbindung auch rechtsextrem ist. Bei der Bewertung der Gesinnung einer solchen Verbindung ist es hilfreich, den Dachverband der jeweiligen Verbindung zu betrachten. So verließ z.B. das gemäßigte „Corps Symposion“ den „Wiener Korporationsring“ wegen dessen „einseitiger Politisierung“. Im Gegensatz dazu trat die „Universitätssängerschaft Skalden“, der auch Ewald Stadler angehört, 1992 aus der „Deutsche Sängerschaft“ wegen deren zu liberaler politischer Einstellung aus. Der Dachverband erlaubte, dass „auch ein Chinese, falls er sich zur Pflege des deutschen Kulturgutes verpflichtet“ Mitglied werden kann. Als die radikale Burschenschaft Olympia 1996 den Vorsitz des Dachverbandes der „Deutschen Burschenschaften“ übernahm, traten einige gemäßigte Verbindungen aus diesem Dachverband aus.
In der rechtsextremen Szene kommt den Burschenschaften eine sehr wichtige Rolle zu: Sie fungieren unter dem Deckmantel von männlichen Solidargemeinschaften als Brutstätten des „intellektuellen“ Rechtsextremismus, außerdem sind sie durch sehr strenge Aufnahmerituale relativ gut vor unerwünschten Einblicken Außenstehender geschützt. So ist es nicht verwunderlich, dass es immer mehr militante Rechtsextreme in die Buden der Burschenschaften zieht.
Die Wurzeln der Burschenschaften gehen zwar bis ins 19. Jahrhundert zurück, dennoch war ihre Bedeutung vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus sehr groß. Oft wird argumentiert, die Burschenschaften seien 1938 unter Zwang aufgelöst worden, in Wirklichkeit aber gingen die meisten Verbindungen, mit Ausnahme der katholischen CV-Verbindungen, feierlich in die Strukturen der NSDAP über. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Zeit wird als „Verrat am deutschen Gedanken“ abgelehnt, so findet man unter den „Alten Herren“ der Burschenschaft „aB! Arminia“ auch den Kriegsverbrecher Ernst Kaltenbrunner. Der Dachverband „Deutsche Burschenschaft in Österreich“ schlug 1987 sogar Rudolf Hess für den Friedensnobelpreis vor.
Der Einfluss der verschiedenen Burschenschaften auf die österreichische Politik ist nicht zu unterschätzen. Für die FPÖ waren sie lange Zeit Kaderschmieden, bis sie sich 1993 formal distanzierte. Dennoch sind die Verbindungen zwischen den Burschenschaften und der FPÖ offensichtlich: Jörg Haider („pb! Albia“, „aB! Silvania“), Dieter Böhmdorfer („aB! Südmark“), Herbert Haupt („akad. Landmannschaft Kärnten“), Reinhart Waneck („AV! Wartburg“) Susanne Riess-Passer (ihr Gatte Michael Passer ist „Alter Herr“ der „aB! Suevia“), Mares Rossmann (Pächterin des Grazer Burschenschafterlokals „Wartburg“) und viele andere prominente FPÖ-PolitikerInnen sichern durch ihre Mitgliedschaft oder Verbindung große Einflussmöglichkeiten. Bestes Beispiel: Nach zweimaliger Erwähnung im Rechtesextremismus-Bericht des BMI (1999, 2000) intervenierte FPÖ-Ideologe und „Zur Zeit“ – Herausgeber Andreas Mölzer und erreichte, dass für das Jahr 2001 das BMI vorerst keinen Bericht zum Rechtsextremismus veröffentlichte und verspätet eine „korrigierte“ Version vorlegte. Einige FPÖ-Politiker (wie z.B. der Abgeordnete zum NR, Martin Graf, „aB! Olympia“) gehen noch weiter und fordern eine Abschaffung des Verbotsgesetzes. Dieses Gesetz, das ja auch die Vereinigung von Österreich und Deutschland verbietet, steht logischerweise in krassem Gegensatz zum Deutschnationalismus, der nahezu alle Burschenschaften verbindet.
Trotz dem schon erwähnten beträchtlichen politischen Einfluss der Burschenschaften nimmt die Akzeptanz ihnen gegenüber an den Universitäten deutlich ab: So fiel der RFS (Ring freiheitlicher Studenten) bei den ÖH – Wahlen von 32% (1953) auf nur mehr 2% (1987) und kam auch in den letzten Jahren nicht über 4%.










