Dienstag 7. Februar 2012
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Inhalt:

Rechtsextremismus und Faschismus

Der Traum von der Herrenrasse

Das dritte Reich und der Lebensborn e.V.
Um kaum eine Institution des Nationalsozialismus ranken sich so viele Mythen und Spekulationen wie um den "Lebensborn e.V.". Von "Edelbordellen" für die SS bis hin zu einer karitativen Einrichtung lässt sich alles finden. Doch wie so oft liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte.

Die NS-Rassenpolitik
Das Weltbild des Nationalsozialismus war vom Sozialdarwinismus geprägt. Von Charles Darwin (1809-1892) ausschließlich auf die Tier- und Pflanzenwelt bezogen, entwickelte sich um die Jahrhundertwende die Theorie, dass die Evolution des Menschen auf einer natürlichen Auslese beruhe, bei der sich jeweils der/die Tüchtigere durchsetzt. Darauf aufbauend konstruierte der NS- Apparat die Theorie von der „arischen Rasse“. Diese wurde als die führende „Rasse“ der Menschheitsgeschichte angesehen. Durch Vermischung mit anderen "minderwertigen Rassen“ wären die Gene der Arier immer mehr verwässert worden. Diese Fehlentwicklung müsse nun durch künstliche Auslese wieder rück-gängig gemacht werden. „Der Arier“ sollte durch Züchtung neu erstehen.

Bereits 1933 wurden zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die nordisch-germanische „Rasse“ zu stärken. Wirtschaftliche und steuerliche Vorteile für Verheiratete sowie kinderreiche Familien waren einige der ersten Schritte um die Geburtenrate zu fördern. Bald setzte das „Euthanasieprogramm“ ein, bei dem etwa 70.000 behinderte Menschen ermordet wurden um den "Volkskörper" gesund zu halten.

Heilig ist jede Mutter guten Blutes
Durch die schlechte Wirtschaftslage kam es zu einem massiven Rückgang an Geburten. Deshalb versuchte der NS-Apparat die Frauen wieder ihrer „natürlichen Bestimmung“ zu übergeben. Die Koedukation (gemeinsame Erziehung von Mädchen und Burschen in Schulen) wurde abgeschafft, in neu geschaffenen Mädchenschulen mussten Fächer wie Mathematik oder Deutsch wieder Nähen, Kochen und Kinderpflege weichen. Uneheliche Kinder wurden ehelichen gleichgestellt - ihre Abstammung wurde wichtiger als ihre Ehelichkeit. Heinrich Himmler, Reichsführer SS, machte in zahlreichen Schriften und öffentlichen Reden vor allem Homosexualität von Männern und durch „christlich- moralische Vorstellungen“ durchgeführte Abtreibungen verantwortlich für den Geburtenschwund. Da das 1933 verschärfte Abtreibungsgesetz keine Besserung brachte, verfolgte Himmler den Plan, werdende Mütter und ihre außerehelichen Kinder vor der „verlogenen Gesellschaft“ zu schützen. Die Idee des Lebensborn e.V. war geboren.

Gut ist, was unserem Volke nutzt
Am 12. Dezember 1935 wurde – höchstwahrscheinlich mit dem Wissen Adolf Hitlers - der Lebensborn e.V. von Heinrich Himmler und 10 andern (unbekannten) SS-Führern in Berlin gegründet. Organisatorisch in die SS eingegliedert, wurde ihm aber der rechtliche Status eines eigenständigen Vereins gegeben. Zweck und Aufgaben wurden in der Satzung klar verankert: Es sollten „rassisch und erbbiologisch wertvolle“ Familien, werdende Mütter und deren Kinder unterstützt werden.

Nicht definiert waren die Mittel das auch umzusetzen. Diese wurden erst nach und nach durch zahlreiche SS- interne Befehle und Verlautbarungen klar. Mitglieder der SS wurden angehalten möglichst viele Kinder zu zeugen. Ebenso sollten kinderreiche Familien finanziell unterstützt werden und unfruchtbaren Familien sollten Adoptiv- und Pflegekinder vermittelt werden. Das erste Entbindungsheim des Lebensborn e.V. wurde 1936 in Steinhöring bei Ebersberg/Oberbayern eröffnet. Anfangs für 30 Mütter und 55 Kinder konzipiert, steigerte sich die Kapazität bis 1940 auf 50 bzw.109 Betten. Insgesamt wurden im Zuge des Projekts Lebensborn 12.000 Kinder geboren, 9.600 kamen aus kinderreichen Familien der SS hinzu. 22.500 Kinder von Kriegerwitwen wurden ebenfalls im Rahmen des Lebensborn e.V. betreut. Aus den sogenannten Ostgebieten wurden immer wieder Kinder, die „arisches Aussehen“ aufwiesen, entführt und in den Lebensbornheimen untergebracht. Deren Zahl beläuft sich auf etwa 250. In norwegischen Heimen wurde weitere 6000 Kinder geboren.

Genaue Angaben über die wirklichen Ausmaße der Machenschaften des Vereins lassen sich allerdings nicht treffen, da eine der wichtigsten Rahmenbedingen die äußerste Geheimhaltung aller Daten von Müttern, Vätern und Kindern war. Die Heime wurden deshalb ab April 1944 (als das Kriegsende abzusehen war) nach und nach geschlossen, die Akten wurden vernichtet.
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